"Du darfst nicht alles glauben, was du denkst" von Kurt Krömer
Rezension

Leben mit der Depression: „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ von Kurt Krömer

Kurt Krömer ist Komiker und zugleich Host seiner Sendung Chez Krömer, die bei rbb ausgestrahlt wird. Dort hat er Gäste aus Politik & Gesellschaft, die er regelmäßig im Interview durch provokativ gestellte Fragen aus der Reserve lockt. Nachdem er in einer Episode aus einer Laune heraus seine Depression öffentlich macht, wird er von Zuschriften überrollt. Daraufhin veröffentlicht er mit Du darfst nicht alles glauben, was du denkst einen offenen Einblick in seinen Weg aus der Depression.

Der Humor machts erträglich

Auch wenn das Buch natürlich aufgrund des Themas sehr ernst ist, so scheint doch Krömers Humor immer wieder zwischen den Zeilen durch. Dabei muss man ihn als Person gar nicht kennen, um seine sehr eindrücklich erzählte (Leidens-)Geschichte nachzuvollziehen. Anhand vieler kleiner Einblicke in seinen Alltag, privat wie beruflich, erzählt Krömer von seiner Krankheit und wie sie sein Leben bestimmte. Das ist besonders interessant für jene, die bisher nur sehr wenig über Depressionen wissen und den starken Einfluss in alle Lebensbereiche gar nicht einschätzen können. Dabei spart Krömer wahrlich nicht mit allerpersönlichsten Fakten, von Scheidungen, getrenntem Sorgerecht, Alkoholismus und beruflichem Druck als selbständiger Künstler ist alles dabei. Zugleich reflektiert Krömer immer wieder, dass seine Geschichte natürlich nicht exemplarisch für alle depressiven Menschen steht und er selbst auch nur bedingt Ratschläge, weder zum Umgang mit Depressiven im Allgemeinen noch zur Überwindung der Depression, geben könne.

Hilfreich ist natürlich auch, dass Krömer keinesfalls nur chronologisch seine Krankheitsgeschichte nacherzählt, sondern in eher zusammenhangslosen Kapiteln vom Auf und Ab seines Lebens berichtet. Dadurch wird die Auswirkung der Depression in den Vordergrund gerückt und weniger eine nachvollziehbare Genesungsgeschichte, die als Vorlage dienen könnte. Auch lassen sich die einzelnen Kapitel dadurch sehr angenehm hören, denn das Hörbuch lässt sich jederzeit gut unterbrechen und wiederaufnehmen, da sowieso keine durchgängige Story erzählt wird. Im Falle von Kurt Krömer empfehle ich übrigens, wie bei jedem anderen Komiker, stehts den Griff zum Hörbuch statt zum Buch, denn durch die Stimme und Vortragsweise wird hier die Erzählung noch einmal lebendiger und persönlicher gestaltet. Doch auch wer mit dem Namen Kurt Krömer nichts anzufangen weiß, erhält in diesem Buch einen eindringlichen Eindruck über den Alltag mit der Depression. Damit ist das Buch einerseits persönlicher Fan-Service für an Kurt Krömer Interessierte und andererseits lehrreicher Einstieg in das Thema Depression. Denn über die persönliche Geschichte Krömers hinaus sensibilisiert das Buch nicht nur über die Krankheit an sich, sondern auch über den schwierigen Kampf aus der Depression hinaus. Denn mit „Sei doch mal fröhlich“ oder einer kurzen Therapie ist es nicht getan und das Bewusstsein dafür fehlt leider gesellschaftlich noch immer…

Fazit: Trockener Humor trifft auf ernsthafte Lebensgeschichte: Kurt Krömer erzählt höchst persönlich aus seinem Leben. Das ist nicht nur für Fans interessant, sondern für alle, die bisher wenig über Depressionen wissen und einen authentischen Einblick erhalten wollen, wie stark die Krankheit das Leben und den Alltag bestimmt. Hörbuch-Empfehlung!


Ebenfalls lesens- und hörenswert:

Auch Sarah Kuttner schreibt sehr einfühlsam und humorvoll über Depression in Mängelexemplar 

Im Gegensatz dazu konzentriert sich Kathrin Weßling in Super, und dir? auf die zwanghafte Selbstdarstellung und das Fehlen des gesellschaftlichen Bewusstseins für mentale Gesundheit

Welche Bücher zum Thema könnt ihr noch empfehlen?


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DU DARFST NICHT ALLES GLAUBEN, WAS DU DENKST. Meine Depression von Kurt Krömer
Gelesen von Kurt Krömer
4 Stunden 21 Minuten (ungekürzt)
Erschienen im März 2022
Argon Hörbuch

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