Busengewunder von Lisa Frühbeis
Rezension

Feminismus als Comic-Kolumne? Busengewunder von Lisa Frühbeis

Eigentlich bin ich immer ein großer Fan von feministischen Büchern. Busengewunder lässt mich jedoch mit einem ambivalenten Gefühl zurück. Einerseits fand ich es spannend zu sehen wie gewisse Themen als Comic umgesetzt werden. Andererseits ließ mich die eine oder andere Kolumne etwas ratlos zurück, während ich den Bezug zum Feminismus erfolgslos suchte.

Busengewunder – Feministische Kolumnen

Lisa Frühbeis zeichnete zwei Jahre lang für den Berliner Tagesspiegel die Comic-Kolumne My 100 Days of Strangelife. Ausgewählte Kolumnen dieser Reihe hat Carlsen in dem Band Busengewunder veröffentlicht. Da ich die ursprüngliche Kolumne nicht gelesen habe, kann ich nichts zu einem dort etwaig zusammenhängenden Handlungsfaden sagen. Die ausgewählten Kolumnen in Busengewunder lassen sich aber gänzlich unabhängig voneinander lesen. In meist 12 Bildern wird jeweils ein titelgebendes Thema behandelt. Diese Themen greifen manchmal gesellschaftliche Debatten oder bekannte feministische Themen auf, manchmal scheint der Bezug zum Feminismus aber sehr lose zu sein. Durch die Gestaltung als Comic werden die meisten Themen aufgrund des vorhandenen Platzes nur kurz angerissen, regen aber dennoch zum Nachdenken an.

Busengewunder - Blick ins Buch

Komplexe Themen stark verkürzt – kann das funktionieren?

Tatsächlich ist dies der Grund, warum ich manche der Comics sehr gelungen fand und andere gar nicht: Die Reduktion von komplexen Themen funktioniert leider nur begrenzt. Gerade in Bezug auf gesellschaftliche Debatten beispielsweise knüpfen die Kolumnen gut an bekannte Diskussionen an und können sich darum viel stärker auf den Inhalt konzentrieren. Auch das eine oder andere „bekanntere“ Problem wie die Besteuerung von Perioden-Produkten lässt sich sehr flott mit wenigen Bildern erklären. Je abstrakter und komplexer der Inhalt jedoch wird, desto schwieriger wird die Anknüpfung. So haben mich einige Comics regelrecht ratlos zurückgelassen, weil ich mich gefragt habe, was genau denn nun feministisch an ihnen war. Im Gegensatz zu den Kolumnen von Margarete Stokowski in Die letzten Tage des Patriarchats beispielsweise hat Lisa Frühbeis einfach nicht genug Platz um Hintergrundwissen zu vermitteln und damit die Grundlage für neue Perspektiven zu schaffen. Das liegt aber eher am Medium als an der Künstlerin. Nichtsdestotrotz habe ich die Comics gerne gelesen. Denn, und auch dies liegt am Medium, die Comics bieten feministische Impulse in leicht dosierbaren Häppchen und manchmal ist das ja auch alles, was man sucht.

Busengewunder - Blick ins Buch 2

Den Band habe ich übrigens von einer guten und sehr feministischen Freundin geschenkt bekommen. Busengewunder eignet sich denn auch wunderbar zum Verschenken für bereits am Feminismus Interessierte. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass der Klappentext eine geballte Ladung an Feminismus mit Witz & Mut verspricht, die Kolumnen mitunter aber etwas durchwachsen sind. Ich habe mich dennoch sehr über das Geschenkt gefreut, vielen Dank darum an dieser Stelle noch einmal, liebe L.

Fazit: Mal mehr, mal weniger feministisch greift Lisa Frühbeis in Busengewunder feministische Themen und gesellschaftliche Debatten auf. Auf unterhaltsame Art regen die Comics zum Nachdenken ein und sind zugleich leicht verdaulich. Dennoch sind sie eher nicht für absolute Themen-Einsteiger geeignet.

Busengewunder - Blick ins Buch 3

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Busengewunder. Meine feministischen Kolumnen von Lisa Frühbeis
Graphic Novel
125 Seiten
Erschienen 2020
Carlsen Comics

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