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[Rückblick] Litcamp Heidelberg

Vom 28. bis 30. Juni war ich in Heidelberg und habe das erste Mal das Litcamp Heidelberg besucht. Für mich ein fantastisches Wochenende mit vielen Gesprächen und wunderbarem Input und weil meine Begeisterung auch nach Tagen (Wochen) ungebrochen ist, gebe ich euch hier einen kleinen Überblick über diese drei Tage und die von mir besuchten Sessions.

Freitag

Da dies am günstigsten für mich war, bin ich bereits am frühen Freitag Richtung Heidelberg gestartet. Da ich tatsächlich noch vor dem Orga-Team in Heidelberg eingetroffen bin, habe ich mich zu Fuß aufgemacht die Innenstadt zu erkunden. Heidelberg ist wirklich eine schöne Stadt! Leider hatte es an diesem Freitag um die 30 Grad, sodass der Spaziergang eine recht schwitzige Angelegenheit wurde. Dennoch haben mich die schönen Häuserfronten und die Altstadt wirklich begeistert. Ich bin einmal zu Fuß durch eine große Geschäftsstraße gelaufen und habe das Schloss Heidelberg von unten bestaunt (hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich vielleicht auch hoch gefahren). Außerdem habe ich auf eine Empfehlung hin einen kurzen Abstecher in ein Heidelberger Antiquariat gemacht, das wirklich zauberhaft, wenn auch winzig war.

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Die Buchhandlung Artes Liberales

Auf dem Rückweg zum Hostel habe ich mich dann durch kleine Seitengassen treiben lassen, die nicht minder schöner als die Hauptstraße waren. Außerdem waren sie um einiges ruhiger, was ich nach dem ganzen Altstadt-Trubel als sehr angenehm empfand!

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Schloss Heidelberg

Zurück im Hostel habe ich mich dann vor den Ventilator gesetzt und erstmal einen kompletten Liter Wasser getrunken. Danach habe ich mich aufgerafft und bin zum Aufbau-Team gegangen, wo ich noch ein wenig mit anpacken konnte. Ich fand es super, dass dort abends auch noch Pizza bestellt wurde und wir gemütlich quatschen konnten. Nach und nach sind auch meine Mitbewohnerinnen eingetroffen und es folgte das übliche Bettenverteilen.

Samstag

Am Samstag startete das Litcamp mit dem leckeren gemeinsamen Frühstück. Besonders hat mich gefreut, dass ich doch einige bekannte Gesichter gesehen habe, wenngleich ich nicht mit allen sprechen konnte. Denn allzu bald begann bereits die Vorstellungsrunde und die anschließende Sessionplanung. Da dieser Teil für euch sicherlich am interessanten ist, folgt hier eine kleine Zusammenfassung der von mir besuchten Sessions:

Kreativitätsbooster

Zuallererst habe ich einen Kreativitätsbooster erhalten und einige Tipps und Kniffe fürs kreative Schreiben erhalten. Zwar nicht ganz vergleichbar mit meinem aktuellen Schreiben der Masterarbeit, aber viele Probleme des Schreibens (zB Blockaden) sind ja doch recht ähnlich. Insgesamt habe ich einiges für mich mitgenommen, vor allem was die Themen Zeiteinteilung, Pausen und Selbstvorsorge angeht. Daran scheitere ich nämlich regelmäßig! Leider schloss sich an die gute Session ein kleines Atem-und-aufrechte-Körperhaltung-Programm, was ich unnötig fand.

Umgang mit Kritik

Als nächstes habe ich kurz in die Session von Babsi zum Umgang von Autor*innen mit Kritik reingeschaut. Auch hier ist das Thema ja prima auf jeden Menschen übertragbar, aber ich möchte gar nicht zu viele Worte verlieren, denn die liebe Babsi hat ihre Session selbst prima zusammengefasst: Kritik ist ein Geschenk – Mit Kritik umgehen

„Wir lesen Frauen“

Als nächstes bin ich zu einer Gesprächsrunde von Eva-Maria gegangen, deren Aufhänger glaube ich ihre Projekt #WirLesenFrauen war, bei welchem ich auch mitmache. Genau habe ich es aber nicht mitbekommen, da ich diese Session nur halb besucht habe (ich konnte mich nämlich nicht entscheiden zwischen der Kritik-Session und dieser). Als ich dazukam ging es gerade um die Sichtbarkeit von Autorinnen im Schulunterricht. Insgesamt war das Gespräch interessant und vor allem angenehm unaufgeregt angesichts eines Themas bei dem einen schon schnell die Wut packen kann. Es ging um Sichtbarkeit, Repräsentation und Netzwerke für Frauen und ich habe einige Impulse für mich mitgenommen, über die ich in Zukunft noch ein wenig nachdenken kann.

Zeit zu Schreiben

Als nächstes habe ich eine allgemeine Session zum Thema Zeit zu schreiben besucht. Ich hatte mir einige Tipps zum Thema erwartet und war dann doch eher enttäuscht. Vielfach ging es um die Motivation zu schreiben, was für mich noch einmal ein ganz anderer Faktor als Zeitmanagment ist. So habe ich diese Session fasst überwiegend am Handy verbracht und wer mich an diesem Tag auf Twitter verfolgt hat, hat dies sicher auch mitbekommen 😉

Mojoreads – Neue Wege beim Verlegen

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Zum Abschluss des Tages gab es noch eine wunderbare Rede von Frau Frohmann, die über die Zukunft des Verlegens gesprochen hat. Ihr Aufhänger war Mojoreads als Beispiel für eine einfachere Sichtbarkeit für kleine Verlage. In vielen Punkten kann ich ihr absolut zustimmen, auch wenn mein Interesse eher der Buchbranche allgemein und nicht nur den unabhängigen Verlagen gilt, die es zugegebenermaßen schwer haben gegen die „großen“ Verlage zu bestehen. Frau Frohmann jedenfalls hat sehr idealistisch von der Zukunft des Lesens gesprochen und mich dabei in vielen Punkten berührt!

Abendprogramm

Zum Abendessen habe ich mir mit Rike, Anja und Rachel zwei Pizzen geholt und leider blieb auch hier wieder viel zu wenig Zeit um zu quatschen. Dann fingen bereits die Abendsessions an. Zu erst habe ich mich (zumindest kurzzeitig hochmotiviert) am Häkeln versucht, auch wenn ich irgendwie nicht den richtigen Dreh rauskriegen wollte. Ich glaube, ich bleibe langfristig dann doch lieber beim Stricken oder Sticken. Anschließend habe ich mir die Horror-Cover-Show von Suse angesehen, die ja anscheinend weltberühmt sein muss nach den ganzen Reaktionen 😀 Tatsächlich waren die Cover, die sie wer weiß wo ausgegraben hat, wirklich gruselig und die Moderation und Kommentare durch Suse und Ralf war zum Schießen. Danach war ich dann aber wirklich reif fürs Bett – zum Glück hatte ich keine Alpträume von grausigen Covern…

Sonntag

Auch der Sonntag startete mit einem gemütlichen Frühstück. Danach ging es zum Glück direkt mit der Sessionplanung los. Auch wenn es irgendwie nett ist, wenn alle sich vorstellen, kann man sich eh nicht alle Namen merken und es vergeht dabei wirklich, wirklich viel Zeit, die man auch zum Netzwerken in kleinen Gruppen nutzen könnte.

Die erste Session des Tages habe ich übrigens verpasst, weil ich beim Einpflegen der Sessions in den mobilen Sessionplan geholfen habe, daher habe ich die Zeit bis zur zweiten Session mit Netzwerken verbracht. Also, genau genommen habe ich eigentlich nur mit Bekannten gequatscht. Also getratscht vielleicht. Na ja, das zählt auch irgendwie, oder…?

Kreative Freiheit und Zensur bei BoD?

Zensur ist ja eines meiner Lieblings-Themen und daher war ich sehr gespannt auf die Session von BoD. Streng genommen ging es zwar nicht um Zensur, sondern um rechtliche Vorgaben oder organisatorische Vorgaben von Online-Shops (etwa was die Struktur der Meta-Daten angeht). Spannend wars trotzdem, und irgendwie ist es verständlich, dass es von außen betrachtet sehr willkürlich wirkt, wenn Bücher von einem Dienstleister wie BoD abgelehnt werden. Dennoch muss ich sagen, dass man es sich bei BoD gleichzeitig ein wenig einfach macht, wenn man sich immer auf den Dienstleistungsplatz zurückzieht. Natürlich agiert BoD nicht wie ein Verlag, aber in vielen Punkten sind sie eben doch vergleichbar. Insofern ist es schon interessant, dass für BoD vor allem rechtliche Vorgaben relevant sind. Andererseits, welcher Verlag würde sich denn scheuen ein problematisches Buch herauszubringen, wenn dies einen guten Gewinn verspricht? Insofern kann man BoD auch eigentlich keinen Vorwurf machen.

Bad Boys, Rape Trope und toxische Beziehungen

Diese Session gehörte definitiv zu meinen Favoriten des Litcamps. Unglaublich witzig und dennoch informativ hat die Referentin über Anti-Helden und Bad Boys gesprochen und das ganze noch mit jeder Menge furchtbar (komischer) Beispiele garniert. Falls jemand darüber nochmal ausführlich gebloggt hat, gerne her mit dem Link!

Seo für Websiten

Als nächstes habe ich eine SEO-Einsteiger-Session besucht. Obwohl ich durch Elena ein paar Grundkenntnisse habe, interessiere ich mich einfach sehr fürs Thema und nehme auch jedes Mal ein paar Anregungen mit. Nun muss ich nur noch die Zeit finden, um die dort gelernten Dinge auch tatsächlich umzusetzen 😀

Künstliche Intelligenz in der Science-Fiction

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Zum Abschluss jagte ein Highlight das nächste: Die Session zur KI wollte ich unbedingt besuchen. Zwar ist die Science-Fiction nicht mein bevorzugtes Genre, dennoch verschlägt es mich immer mal wieder in ihre Gefilde. Und KI finde ich ganz grundsätzlich spannend, egal ob nun literarisch oder in echt. Außerdem finde ich es spannend, wenn andere Menschen von ihren Abschlussarbeiten erzählen. 😉 Aus dieser Session nehme ich mir vor allem mit, dass KIs viel positiver in Romanen auftauchen, als ich es erwartet hätte. Und über Cloud KIs in der Literatur habe ich bisher noch nicht einmal nachgedacht, ich habe immer die klassischen Roboter im Kopf gehabt.

Podcast-Technik

Als letzte Session wollte ich dann unbedingt noch ein bisschen was über Podcasts und ihre Technik lernen. Nachdem ich bei der Litblogcon 2018 bereits eine kleine Einführung zu Podcasts besucht hatte, spuckt mir nämlich diese vage Podcast-Idee im Kopf herum. Bisher habe ich mich von meinem absoluten Technik-Unwissen in diesem Bereich abhalten lassen. Ralf hat jedoch ziemlich praktisch und ähnlich einem Workshop einmal alle Schritte mit uns durchgespielt und es zeigte sich, dass das alles gar kein Hexenwerk ist. Vielleicht, ganz vielleicht, wenn ich irgendwann jede Menge Zeit und Langeweile habe (haha), starte ich also doch noch einen eigenen Podcast…

Abbau und ein gesprächiger Abend

Auch am Sonntagabend gab es einen gemeinsamen Abbau. Leider sind wirklich viele bereits Sonntags nach Hause gereist, was natürlich angesichts des drohenden Arbeitsmontags verständlich war. Dennoch fand ich es schade, weil ich gehofft hatte mit dem einen oder anderen doch noch sprechen zu können. Bei einigen weiß ich zwar über Twitter, dass sie da waren, gesehen (oder erkannt, wer weiß?) habe ich sie aber leider nicht. Nach dem Abbau bin ich noch mit einer Reihe von netten Menschen Bürger essen gewesen und dann hat sich meine Litcamp-WG wieder ins Hostel zurückgezogen. Der Plan war eigentlich ein frühes zu Bett gehen (vermutlich hatte das ganze Litcamp einen kollektiven Sonnenstich am Ende dieses Wochenendes), aber irgendwie haben wir uns dann doch verquatscht. Ich selbst hatte daran nicht ganz Unschuld, weil es um Schirachs Terror ging, das ich als Buch und Theaterstück kannte, und Bibi und ich waren sehr unterschiedlicher Meinung über das Urteil 😀 Jedenfalls haben wir wirklich lautstark diskutiert und es war einfach herrlich. Solche buchigen Gespräche wünsche ich mir in meinem Alltag, leider ziehen nach und nach alle meine buchigen Gesprächspartnerinnen aus Leipzig fort…

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Ja, auch das obligatorische Einhornbild darf nicht fehlen

Montag

Am nächsten Morgen bin ich recht früh wieder nach Leipzig aufgebrochen. Ich habe mir viel Inspiration und jede Menge Input aus Heidelberg mitgenommen, wenngleich ich wieder weniger Leute angesprochen habe als ich mir vorgenommen hatte. Auf alle Fälle war es schön, einmal ein komplettes Wochenende lang nicht an die Masterarbeit zu denken. Am Montagnachmittag bin ich direkt zu einem Termin meiner Dozentin gegangen, der überaus positiv verlief. Wäre ich nicht nach Heidelberg gefahren, hätte ich mich vermutlich trotzdem das ganze Wochenende gesorgt.

Wenn es nach mir geht, kann der Oktober gar nicht schnell genug kommen!

P.S. Fotografiert habe ich übrigens auch wieder viel zu wenig, weil ich so von den Inhalten abgelenkt war. Falls ihr mich also auf einem eurer Fotos entdeckt, freue ich mich sehr, wenn ihrs mir zuschickt. Ich veröffentliche es auch nicht, außer ihr erlaubt es mir 🙂


Beitragbild (ganz oben):

Foto: Valentin Bachem
Lizenz: CC-BY-SA 2.0

5 Kommentare

    • Jennifer

      Liebe Ilka,

      oh weh, irgendwie wurde mir dein Kommentar gar nicht angezeigt, sondern landete im Spam. Nun habe ich ihn aber daraus befreit.

      Das Litcamp Heidelberg ist wirklcih mal einen Besuch wert, wenn man gerne mit Menschen zu tun hat. Mit einer klassischen Messe ist es allerdings gar nicht zu vergleichen. 😉 Es gibt auch Litcamps in anderen Städten (zB in Hamburg), falls das fahrtechnisch für euch einfacher ist, auch die sind mal einen Blick wert!

      Viele Grüße
      Jennifer

  • Tina

    Hi jennifer,

    dann nerve ich dich schon, dass du nen Bericht schreiben sollst und dann lese ich ihn erst jetzt.
    Man, müssen das lange Tage gewesen sein. Wenn auch ziemlich abwechslungsreich. Ich schaffe es dieses jahr auf kein Litcamp mehr. Ist aber auch immer schwierig bei mir mit der Planung.

    Danke für den Bericht.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Hi Tina,

      du nervst doch nie 😀
      Ich wollte ja einen schreiben und weglaufen tut er nicht, also alles ganz entspannt!
      Nach Hamburg fahre ich dieses Jahr auch nicht mehr. Vielleicht nach Frankfurt, aber auch das weiß ich zurzeit einfach noch nicht genau. Gerade ist hier eh alles durcheinander, ich glaube, ich habe noch nie so viel Zeit gebraucht um Kommentare zu beantworten, und ich weiß schon gar nicht mehr, wann die letzte Rezension online gegangen ist.
      Auch wenn ich weiß, dass ich das im September alles nachholen kann, fühlt sich das wirklich merkwürdig an!

      Lass uns im September auf jeden Fall mal wieder treffen ja? 🙂
      Liebe Grüße
      Jennifer

      • Tina

        Da bin ich erleichtert.

        ich habe mir den August auch entspannter vorgestellt, aber meine To Do – Listen zu schaffen ist aktuell immer noch ne kleine Herausforderung.

        September ist gut. Ich habe im September Urlaub. Vielleicht schaffen wir es ja, uns in der 2. Septemberwoche zu treffen. Das wäre toll.
        Ich melde mich dann bei dir.

        Liebe Grüße
        Tina

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