Rezension

[Hörbuch] Warum ich „Der Name des Windes“ gelungen fand und es dennoch abbrach

Über sechs Monate lang habe ich das Hörbuch Der Name des Windes gehört. Zumindest scheibchenweise, denn so richtig vorangekommen bin ich nie. Dabei macht dieses Hörbuch so ziemlich alles richtig. Warum es mich trotzdem nicht fesseln konnte, erfahrt ihr im Folgenden.

Der Name des Windes. Die Königsmörder-Chroniken 01 von Patrick Rothfuss

Muss man zu Der Name des Windes überhaupt noch viel sagen? Ich habe das Gefühl, die Geschichte ist sowieso schon überall bekannt. Aber dennoch:

Als kleiner Junge verliert Kvothe seine beiden Eltern und muss sich fortan alleine durchs Leben kämpfen. Doch der Sohn fahrender Spielleute ist gewitzt und hartnäckig, mit Tricks und Kniffen schafft er es nicht nur zu überleben, sondern sogar im Arkanum, der Universität für hohe Magie, aufgenommen zu werden. Denn für Magie hat Kvothe ein Händchen. Aber er möchte nicht nur lernen, sein dringlichster Wunsch ist es alles über die Mörder seiner Eltern herauszufinden: Die Chandrian. Doch dafür muss er weit über die Grenzen dessen gehen, was gewöhnliche Magie-Schüler leisten und einiges riskieren.

Eine Welt voller Magie, sprachlich kunstvoll erzählt

Es gibt nur wenig, dass diese Geschichte falsch macht. Die erzählte Welt ist sehr kunstvoll und zudem ausführlich gestaltet, was ich sehr schätze. Zudem mag ich die Art der Erzählung mit einer Rahmenhandlung in der Kneipe und Rückblicken. Kvothe ist (wie sein Erschaffer Patrick Rothfuss) ein Meister der Worte. Seine Erzählungen sind detailreich und ich mochte auch die Art, wie Kvothe seine Geschichten aufbaut. Er erzählt nämlich im Rückblick sein Leben, zumindest bis zu den ersten Jahren der Universitätszeit bin ich gekommen, über den Rest kann ich also nur Vermutungen anstellen. Allerdings ist seine Erzählung durchdacht und Kvothe versteht es meisterlich immer wieder neue Spannungsbögen und Verbinden aufzubauen, sodass er zwar chronologisch erzählt, man aber dennoch den Eindruck hat, dass er bestimmte Abschnitte bewusst einander reiht um Spannungen zu erzeugen und seine Zuhörer zu fesseln. Apropos Zuhörer, da ich ja das Hörbuch gehört habe muss ich kurz einwerfen, dass der Sprecher Stefan Kaminski ebenfalls eine angenehme und fantastische Stimme hat und ich ihm stundenlang hätte zuhören können!

Welcher Aspekt hat mir am besten gefallen?

Ich muss gestehen: Ich habe eine heimliche Vorliebe für bildgewaltige Sprache. Wenn  wie hier Macht durch Sprache und Wissen in der Magie zusammen kommen, fasziniert mich eine solche Erzählung unglaublich und alleine dafür ist das Hörbuch schon interessant. Rothfuss hat zudem eine solche komplexe Magie-Welt erschaffen und erzählt so voller sprachlicher Bilder, dass das Zuhören einfach eine Freude war…

Und warum der Abbruch?

Und wenn das alles so toll ist, warum habe ich das Hörbuch dennoch abgebrochen? Ganz einfach: 28 Stunden! So lange dauert das Hörbuch. Das ist natürlich fantastisch, weil man dadurch sehr lange in dieser wunderbaren Welt verweilen kann. Andererseits sind 28 Stunden extrem lang, wenn man wie ich immer nur mal 10 Minuten hier oder 15 Minuten da hört. Hörbücher begleiten mich nämlich vor allem auf kurzen Strecken. Die Erzählung ist zudem so komplex, dass ich das Buch nicht gut daheim nebenbei hören konnte, weil ich selbst beim Haushalt machen entscheidende Teile verpasst hatte und dadurch Kapitel mehrfach hören musste. Das störte mich auf Dauer extrem und sorgte dann schlussendlich für den Abbruch, weil ich gerne endlich wieder mal ein anderes Hörbuch hören wollte. Die Geschichte ist allerdings dennoch empfehlenswert, wobei ich das nächste Mal dann doch direkt zum Buch greifen werde und dieses dann sicherlich in größeren Zügen durchlesen werde!

Wem würde ich es empfehlen?

Auf jedem Fall jedem, der länger Zeit zu lesen oder hören hat, als ich es hatte! Die Geschichte ist wunderbar gestaltet, allerdings waren die Phasen zwischen dem Hören bei mir so lange bzw. die Hörphasen selbst so kurz, dass ich gefühlt über Wochen handlungstechnisch nicht vorankam. Das hat mich frustriert und ich habe immer öfter gemerkt, dass ich das Hörbuch eher laufen ließ und nur mit einem Ohr zuhörte, weil ich eigentlich einfach mal einen größeren Zeitraum überspringen würde. Ab da war ich dann leider komplett raus und wusste beim Weiterhören überhaupt nicht mehr, was zuletzt passiert war…

Fazit: Eine detailreiche und verschachtelte Geschichte, wunderbar anzuhören. Ich empfehle allerdings längere Hörabschnitte, da man sonst der komplexen Geschichte nicht gut folgen kann!


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Der Name des Windes. Die Königsmörder-Chronik – 1. Tag von Patrick Rothfuss
Ungekürzte Lesung mit Stefan Kaminski
Laufzeit: 28 Stunden 9 Minuten
Hörverlag

Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das kostenfreie Exemplar!

6 Kommentare

  • Buchperlenblog

    Hallo Jennifer!
    Jetzt musste ich kurz schmunzeln, als du die 28 Stunden erwähnt hast. Klar, im Gegensatz zu manchem 300 Seiten / 9 Stunden Buch ist das schon mehr, und wenn man nur immer mal für wenige Minuten zurück kommt, vergeht auch kaum die Zeit. Ich höre auch eher selten, meist nur auf Arbeit, wenn die Kollegin mal nicht da ist, da dann aber auch gern mal 3 4 Stunden am Stück. Mein derzeitiges Hörbuch beläuft sich auf 54 Stunden… Du siehst, die Relation ist ähnlich wie bei dir. 😅
    Ich hoffe jedenfalls, dass du das Buch in gedruckter Form beenden wirst, es lohnt sich bestimmt 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    • Jennifer

      Liebe Gabriela,

      ja, das stimmt, Länge ist immer sehr relativ. 🙂 Ich glaube, würde ich zum Beispiel mehr pendeln, würde ich auch einfach in größeren Stücken hören können. Zumal ich daheim auch selten Hörbuch höre, so beim Putzen oder so, weil ich in solchen Momenten eher Youtube-Videos schaue, die ich unterwegs wegen begrenztem Datenvolumen einfach nicht anschaue.
      Vielleicht höre ich also das Hörbuch auch irgendwann einfach noch mal, wenn ich eine längere Bahnfahrt habe oder so.

      Thematisch war es auf jeden Fall spannend, daran hat es wirklich nicht gelegen 🙂
      Viele (verspätete, dank Masterarbeit) Grüße
      Jennifer

  • Mario Donick

    Das Problem habe ich allgemein mit den meisten Hörbüchern. Nebenbei hören (und dabei was mitbekommen) kann ich nur ganz selten, meistens höre ich die also beim Einschlafen, und da kriege ich dann auch nur stellenweise was mit. Meistens besorge ich mir dann doch das normale Buch zum Hörbuch, weil ich das viel schneller lesen kann. Zuletzt habe ich das mit „Das Café der Existenzialisten“ (Sarah Bakewell) und mit „Witwe für ein Jahr“ (John Irving) versucht — beides Bücher, die ich in gedruckter Form sozusagen „verschlungen“ habe, nachdem mir das Hörbuch zu lange gedauert hat. Irgendwie bin ich da nicht der Richtige für. Nur eine Ausnahme habe ich, die Aufnahme von Kafkas „Der Prozess“, gelesen von Erich Räuker. Das habe ich so dermaßen oft gehört, dass ich den Klang einzelner Szenen mittlerweile auswendig aus dem Gedächtnis abrufen kann.

    • Mario Donick

      Eine Ergänzung: Eine Situation gibt es doch, wo ich Hörbüchern gut folgen krank: den ganzen Tag mit Erkältung im Bett zu bleiben. So wie jetzt gerade (weswegen mir das auch gerade einfällt *gg*)

      • Jennifer

        Wirklich, du kannst krank Hörbücher hören? Ich schlafe da meist einfach nur und bekomme nichts um mich herum mit. Mache mir oft einfach einen Film an und wache dann auf, wenn der Abspann anfängt 😀
        VG Jennifer
        P.S. Gute Besserung, hoffentlich bist du bald bzw. schon wieder über den Berg

    • Jennifer

      Lieber Mario,
      was du beschreibst kenne ich auch! Zum Einschlafen höre ich tatsächlich oft bereits bekannte Hörbücher, weil ich sonst einfach zu viel verpasse 😀 Und sonst sind die Möglichkeiten gut zuzuhören oftmals beschränkt.
      Wobei es gerade im Bereich Humor auch einfacher ist ein Hörbuch zu hören und der Sprecher spielt ja beim Hören auch noch einmal eine große Rolle, wie ich immer wieder merke 🙂
      Viele (verspätete, dank Masterarbeit) Grüße
      Jennifer

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