Rezension

[Rezension] „Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden“ von Laurent Gounelle

Marketing und Glauben

Für die PR-Agentin Alice läuft alles prächtig. Sie ist in ihrem Beruf erfolgreich, nur privat harpert es ein wenig. Ihr Jugendfreund dagegen fühlt sich mit seiner Berufung zum Priester längst nicht so zufrieden. In Erinnerung an ihre jugendlichen Gefühle macht Alice aus ihm ihr neues Projekt: Kann sie ihn soweit vermarkten, dass sich seine Kirche füllt? Und was macht es mir ihr, sich so intensiv mit Religion auseinanderzusetzen?

Alice selbst glaubt nicht an Religion und ebensowenig an den Sinn von Religion. Sie steht allem, was religiös ist, ablehnend gegenüber und scherzt meist eher abfällig über die Worte Jesu, über Kirchentraditionen oder die Gläubigen. Um ihren Freund besser verstehen zu können, beschäftigt sie sich jedoch intensiv mit der Bibel und weiteren religiösen Schriften. Je tiefer sie in die religiösen Lehren einsteigt, desto stärker erkennt sie die tieferliegenden Wahrheiten.

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Zentrale Botschaft: Erkenntnis nicht durch Lehre, sondern durch innere Einsicht

Der verborgene Schatz in dir

Was mich an diesem Buch am meisten interessierte, als ich die Leseprobe las, war die Verknüpfung zwischen Marketing und Religion. Alice, die Marketingexpertin, versucht anfangs nicht Religion zu verstehen, sondern sie nur aufgepeppt den Gläubigen zu „verkaufen“. Dabei geht sie äußerst ungeschickt vor, da sie immer wieder durch ihr Unwissen über beispielsweise kirchliche Traditionen auffällt. Zudem ist sie anfangs sehr arrogant und überheblich. Das machte sie mir sehr unsympathisch.

Der interessante Dreh setzt eigentlich erst ein, als sie beginnt ihr eigenes Leben und Handeln mit den religiösen Lehren zu vergleichen und sich auf Experimente einlässt. Allerdings konnte mich das Buch zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr fesseln. Mich ermüdete das hin und her in Alice‘ Innenleben einfach zu sehr. Ihre Belustigung über die Religion, ebenso wie ihr Unwissen und ihre Falschauslegung der Worte. Alice ist als Figur einfach nicht einheitlich gemacht, einerseits sehr von sich selbst überzeugt, versucht sie sich auf die christliche Lehre einzulassen, wobei ihr Hochmut jedoch immer wieder durchscheint. Das machte mir ihre plötzliche Entwicklung einfach zu unglaubwürdig. Am schönsten fand ich das französische Flair, dass der Roman wunderbar vermittelt. Die Beschreibungen der Städte ebenso wie der Menschen und des Lebensgefühls sind einfach sehr schön gemacht – ohne das ich konkret benennen könnte, wie sich der französische Stil von anderen unterscheidet. Dennoch merkt man auch in der deutschen Übersetzung dieses gewisse Etwas.

„Wo bringst du mich denn hin?“, fragte Jérémie lachend. „Ich bin es nicht gewohnt, gekidnappt zu werden, sobald ich das Pfarrhaus verlasse!“

Alice sauste mit dem kleinen roten Mietauto von Peugeot recht schnell über die Landstraße, die aus Cluny herausführte.

„Nach Chapaize. Zum Saint Martin.“

„Wir fahren einfach so zum Essen nach Chapaize?“

„Komm schon, das ist ja nicht das Ende der Welt. In einer Viertelstunde sind wir da. Außerdem haben wir dort mehr Ruhe als in Cluny, wo dich alle kennen.“

Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden, Seite 28

Was mir dagegen zunehmend unangenehm war, waren die Vergleiche zwischen der Bibel und weiteren religiösen Schriften. Ich bin selbst katholisch und kannte viele der zitierten Bibelstellen. Auch die geschichtlichen Hintergründe, die von Alice ‚entdeckt‘ werden, waren mir in Teilen bekannt. Dennoch fand ich es merkwürdig, wie der Roman dadurch quasi ‚kippte‘: Ging es vorher noch um Alice‘ persönliche Entwicklung, fühlte ich mich auf einmal ein wenig in ein Dan Brown’sches Verschwörungsszenario versetzt, ohne das der Spannungsverlauf diese Entwicklung gut gespiegelt hätte. Die Vergleiche der christlichen Lehre und dem Daoismus, die ermüdend oft wiederholt wurden, taten dann ihr übriges, dass mein Interesse immer stärker abnahm. Zudem irritierten mich auch die Perspektivbrüche, in denen einerseits aus Alice Perspektive erzählt wird, sie jedoch gleichzeitig die Gefühle ihres Gegenübers kennt.

Fazit: Der Titel ist sehr gut gewählt und wer religiöse Botschaften mag, wird sicher seine Freude an diesem Roman haben. Ansonsten mochte ich den Grundgedanken der Geschichte, fühlte mich aber leider nicht ganz abgeholt. Dennoch ein interessanter Roman für zwischendurch, der nebenbei auch noch ein wenig nachdenklich stimmt.


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Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden von Laurent Gounelle

O. W. Barth Verlag (Droemer Knaur)

320 Seiten, 19,99 Euro

ISBN 978-3-426-29278-5

Vielen Dank an den O.W. Barth Verlag und Vorablesen für das kostenfreie Exemplar!

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