Rezension

[Rezension] Über ein junges Mädchen voller Kraft: „In der Nacht hör ich die Sterne“ von Paola Peretti

Heute erschien In der Nacht hör ich die Sterne von Paola Peretti. Das Buch erhielt ich eher ungeplant, obwohl es sich wie man anhand der Fotografie sehen kann um ein Leseexemplar handelt. Es wurde von jemandem aussortiert und erreichte mich daher über einen Zufall. Das Cover und die Beschreibung haben mich jedoch neugierig gemacht, sodass ich das Buch als Reiselektüre regelrecht verschlungen habe.

Einfühlsam und bewegend

Die junge Mafalda leidet an einer seltenen Netzhauterkrankung. Innerhalb der nächsten sechs Monate wird sie auch die spärlichen Reste ihres Augenlichtes verlieren. Was auf den ersten Blick wie ein sehr düsterer Stoff wirkt, entpuppt sich jedoch als herzzerreißende und mutmachende Geschichte über ein 9-jähriges Mädchen, die ihren Eltern und ihrer Umwelt, aber auch sich selbst, verdeutlicht, was im Leben wirklich wichtig ist.

Kinder fürchten sich für gewöhnlich vor dem Dunkel. Die Dunkelheit – für sie ist das ein fenster- und türloser Raum, in dem Monster lauern, die eine packen und stillschweigend verschlingen. Vor dieser Art Dunkelheit habe ich keine Angst: Ich fürchte mich vor der Dunkelheit in meinen Augen.

Ich heiße Mafalda, bin neun Jahre alt und kurz davor zu erblinden.

In der Nacht hör ich die Sterne, Seite 9

Mafalda versteht nicht recht, was es mit ihrer Erblindung auf sich hat. Und doch spürt sie, welche Auswirkungen ihr langsames Erblinden auf sie und ihre Umwelt hat. Ihre Brille versteckt sie und nutzt diese nur heimlich zum Lesen, den Weg zur Schule darf und kann sie schon lange nicht mehr alleine finden. Auch wenn ihre Eltern ihr Kraft spenden, spürt Mafalda wie deren Angst um ihre Tochter sie einengt. Obwohl Mafalda sich innerhalb der Wohnung gut zurechtfindet, der Wohnung in der sie aufwuchs und die sie noch sehend kannte, suchen die Eltern mit der sich nähernden Erblindung eine neue Wohnung in direkter Schulnähe. Dieser nachvollziehbare Schritt führt jedoch dazu, dass Mafalda auch den Bezug zu den letzten Teilen ihrer Vergangenheit zu verlieren droht und verängstigt sie. Doch mit der fortschreitenden Erblindung findet Mafalda neue Freundschaften, die ihr Kraft und Halt geben und sie unterstützen. Die Hausmeisterin Estella und ihr Schulkamerad Filippo beispielsweise, die ungezwungen mit ihr und ihrer Erkrankung umgehen können und Mafalda akzeptieren wie sie ist.

In der Nacht hör ich die Sterne ist ein herzergreifender Roman über ein Mädchen, die sich von ihrem Schicksalsschlag nicht unterkriegen lässt, sondern mutig mit der neuen Situation umzugehen lernt. So macht das Buch Hoffnung und regt zum Nachdenken über das wirklich Wichtige im eigenen Leben an. Die kindliche Erzählstimme Mafaldas vermittelt ihre Angst vor den Veränderungen ebenso wie ihre Entwicklung. Durch die einfühlsame Erzählung Perettis, die hier wunderbar von Christiane Burkhardt aus dem Italienischen übersetzt wurde, muss man einfach mit Mafalda mitfühlen. Einzig die – für mich persönlich – teils zu lang geratenen Zwiegespräche mit Cosimo störten meinen Lesefluss ein wenig. So charmant die Parallele zu Mafaldas Kindheitshelden Cosimo auch sein mögen, das wiederholte Flehen um Hilfe von Mafalda, welches leider durch die grüne Schrift teils schwieriger lesbar ist, wurde mir schnell eintönig. Nichtsdestotrotz mochte ich an Mafalda gerade die kindliche Perspektive, die sie Probleme so viel leichter wahrnehmen ließ und eine erfrischende Ehrlichkeit hatte. Mafaldas Weg in ihre eigene Blindheit hat mich emotional berührt und mir einige schöne Lesestunden beschert.

Ich habe hundertvierzig Schritte gebraucht, von dem Punkt, an dem ich meinen Kirschbaum erkennen konnte, bis ich direkt vor ihm stand.

Hundertvierzig Schritte. Etwa siebzig Meter.

In der Nacht hör ich die Sterne, Seite 28

Fazit: Ein schönes Buch für nachdenkliche und ein wenig melancholische Stunden, bei dem aber dennoch ein positives Gefühl beim Lesen zurückbleibt. 


Andere Meinungen:

„Auch wenn ich das Buch gerne gelesen habe, Mafalda`s Schicksal wird leider nicht lange in mir nachhallen.“ schreibt Janna von Kejas Blogbuch

„Für mich ist „In der Nacht hör‘ ich die Sterne“ wahrscheinlich das erste Buch, das mit Recht auf Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ verweisen darf. Es ist ein herzerwärmendes und liebevoll geschriebenes, aber zugleich kurzweiliges Buch.“ schreibt Ramona auf El Tragalibros

Deine Meinung fehlt? Lass mich einen Kommentar oder Link da, dann trage ich dich gerne nach!


Das Buch

In der Nach hör ich die Sterne von Paola Peretti
übersetzt von Christiane Burkhardt
dtv

Das Buch habe ich kostenfrei erhalten, wenn auch nicht direkt vom Verlag dtv

4 Kommentare

  • Janna | KeJas-BlogBuch

    Eine sehr schöne Rezension von dir, in der du doch andere Eindrücke schilderst, als ich sie hatte! Aber gerade das finde ich schön & ich kann sehr gut verstehen, warum dich Mafaldas Geschichte. Mutmachend und positiv sind auch nicht gänzlich meine Kritikpunkte – aber es verläuft mir einfach zu gut. (Klingt komisch, ich weiß – aber solch ein Schicksal, auch bei einem Kind ist eben eine Neu-Orientierung, sich suchen und finden UND auch Boden verlieren und letzteres ist mir für die „Thematik“ ein wenig zu wenig).

    Hab deine Rezension gleich bei meiner verlinkt (=

    Wünsch dir einen (hoffentlich) mukkeligen Samstag!

    • Jennifer

      Liebe Janna,
      ich finde es auch immer sehr spannend, wenn die Eindrücke so voneinander abweichen!

      Das stimmt, eigentlich ist die Erfahrung ziemlich heftig. Andererseits denke ich mir, dass Kinder vieles oft leichter nehmen und Erwachsene da Probleme sehen, wo gar keine sein müssen…
      Sie ist ja noch sehr jung und kindlich.

      Danke schön, den hatte ich 🙂
      Viele Grüße
      Jennifer

  • Janna | KeJas-BlogBuch

    Ooorrr, ich müsste es doch besser wissen! Ganzer Kommi weg, weil ich die doofe Checkbox vergessen habe -.-

    Ich wollte dir nur zustimmen! Kinder erleben solche (einschneidende) Ereignisse ganz anders als Erwachsene. Aber im Kleinen wird vieles angedeutet, löst sich für mich persönlich nur zu schnell … Weniger Cosimo, mehr der Unsicherheit, Angst, Eltern – wäre für mich ein vollständigeres Gesamtbild gewesen.

    Liebe Grüße (=

    • Jennifer

      Das mit der Checkbox ist mir auch schon öfters passiert 🙁

      Das stimmt, das fiel mir auch auf. Fand die Cosimo-Stellen eh alle ziemlich ähnlich, da hätte man sich nen Großteil sparen können…

      LG Jennifer

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