Rezension

[Kurzrezension] „Die Welt der schönen Bilder“ von Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoir ist vor allem für ihre feministischen und philosophischen Schriften bekannt. Vor allem einen Satz kennt man von ihr: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht“ (aus: Das andere Geschlecht, 1949). Dabei ist der Satz gar nicht unumstritten, es gibt verschiedene Übersetzungsvarianten. Alte Versionen gehen davon aus, dass Frauen durch die patriarchale Gesellschaft konditioniert werden, in neueren trägt man dem Gedanken Rechnung, dass Sozialisation bzw. geschlechtlicher Habitus kein passiver, sondern ein wechselseitiger Prozess ist. So lautet eine neuere Übersetzung „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“. Wer sich dafür interessiert, sollte sich diese spannende Debatte mal ansehen, beispielsweise auf Wikipedia. Interessant fand ich auch den Text über die Ideen de Beauvoirs von Alexa Hennig von Lange im Spiegel.

Neben philosophischen Schriften schrieb de Beauvoir auch einige belletristische Texte und einer davon (zugegebenermaßen ein etwas älterer) ist Die Welt der schönen Bilder.


Die Welt der schönen Bilder 

Eigentlich tut man dem Roman Unrecht, wenn man ihn als Konsumkritik abstempelt, dennoch ist dies das vorherrschende Wort, dass mir beim Rekapitulieren der Handlung einfällt. Der Roman spielt im sechziger Jahre Möchtegern-Intellektuellen-Milieu von Paris, könnte aber überall angesiedelt sein. Die Hauptfigur ist Laurence, eine intelligente Frau, die ganz selbstverständlich ihrer Arbeit in einer Werbe-Agentur nachgeht, sich aber eigentlich nur über ihre Mutter-Rolle definiert. Mit ihrem Mann führt sie ein gehobenes Leben, das nur getrübt wird durch Selbstzweifel und die Ahnung, dass die Welt vielleicht doch nicht so perfekt ist, wie Werbung ebenso wie manch gescheiterte(r) Intellektuelle sie darstellt.

Simone de Beauvoir spielt mit Erzählebenen und Erzählerrollen, was zu Anfang gleichermaßen Reiz wie Verdruss bietet: Laurence spricht abwechselnd durch innere Monologe wie Außenperspektiven. Hat man sich das Figurtableau einmal sortiert, dümpelt der Roman leider relativ handlungs- und inhaltsarm vor sich her. Laurence als Figur ist zwar spannend gemacht, verstrickt sich jedoch in ihrer starren Selbstreflexion, sodass kaum Raum für eine Entwicklung des Stoffes bleibt. Das überträgt sich leider auch auf den Leser, ich jedenfalls habe nach der Hälfte wenig Neues für mich heraus gelesen. Die Kritik an den herrschenden Zuständen und am schönen Schein fand ich dagegen sehr gelungen, auch wenn ich mir neben der Reflexion der Figuren mehr handelnde Konsequenz gewünscht hätte.

Fazit: Ein Roman aus einer anderen Zeit: Klassenhörigkeits- und Konsumkritik im Möchtegern-Intellektuellen-Ambiente. Was zu Anfang noch durch erzählerischen Reiz besticht, verplätschert zum Ende hin recht inhaltsleer. 

Deutlich gelungener fand ich beispielsweise Kampfsterne von Alexa Hennig von Lange, Hinterhofleben von Maik Siegel oder Der plötzliche Todesfall von J. K. Rowling (leider ohne Besprechung, da vor Blogzeiten gelesen).


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Die Welt der schönen Bilder von Simone de Beauvoir
192 Seiten
Erschienen: Original 1966, Übersetzung 1975, meine Ausgabe 2017
Rororo Taschenbuch

Dieser Roman wurde mir von einer Freundin geliehen. Herzlichen Dank!

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