Rezension

[Hörbuch] Selbstmitleid und Gejammer: „High Fidelity“ von Nick Hornby

Mit guten Hörbüchern hatte ich zuletzt wenig Glück. Während ich das Hörbuch Der Name des Windes zwar abgebrochen habe, aber die Geschichte sehr gelungen fand, habe ich High Fidelity eigentlich nur noch aus Langeweile zu Ende gehört. Und kann mich im Nachhinein kaum an irgendeine spannende Handlung erinnern…

High Fidelity von Nick Hornby

Rob wurde von seiner Freundin Laura verlassen. Fortan vergräbt er sich in seinem Plattenladen und seinem Selbstmitleid. Rob denkt über seine 5 gescheiterten Lieben nach und versucht herauszufinden, warum seine Beziehungen endeten.

(Soweit mein Eindruck, laut CD-Klappentext geht natürlich alles noch tiefer)

Selbstmitleid in Echtzeit

Zu Beginn mochte ich sowohl die Erzählung als auch das triefende Selbstmitleid, das Rob als Figur und Erzähler ausstrahlte. Gerd Köster liest das Hörbuch auch fantastisch, sodass ich zu Beginn sehr schnell durch die Hörkapitel flog. Rob ist eine interessante Figur: Eigentlich ist er ziemlich sympathisch, nur weiß er selbst nicht recht, was er eigentlich möchte, macht Fehler und entschuldigt sich für diese nicht. Er trauert dem Beziehungsende zu Laura, gefühlt der häufigste gefallene Name und von Köster immer schön übertrieben in die Länge gezogen (Laaaaaaaaura), hinterher und versucht zu verstehen, warum es mit Beziehung und Liebe bei ihm nie so recht funktioniert. Seine vergangenen Liebschaften beschreibt er ebenso nüchtern und emotionslos wie ausführlich. Während sein selbstmitleidiger Blick und das unterschwellige Gejammer zu Anfang jedoch noch irgendwie skurril charmant wirken, so lässt dieser Eindruck im Laufe des Hörbuchs immer stärker nach. Denn leider scheint sich einfach nichts zu entwickeln: Weder Rob als Figur macht eine nennenswerte Entwicklung durch noch bewegt sich etwas in der Handlung. Natürlich gibt es eine erneute Annäherung mit Laura, natürlich gibt es erneute Spannungen und die schlussendliche Frage, ob die Beziehung hält oder nicht. Aber abseits davon geschieht eigentlich wenig. Rob wiederholt seine Fehler in schöner Konstanz und Laura zieht die immergleichen Konsequenzen. Daneben ein paar Szenen in Robs Plattenladen und ein paar Anekdoten aus dem Nachtleben. Das wiederum reichte mir dann nicht, um meine Aufmerksamkeit zu fesseln, sodass ich die zweite Hälfte des Hörbuchs eigentlich nur noch aus Mangel an einem neuen Hörbuch weiterhörte…

Fazit: Mit jammervollem Ton und voller Selbstmitleid startet Hornby in diese Nicht-Entwicklung seiner Figur. Kunstvoll wird diese bis zum Ende inszeniert, verliert aber zur Mitte hin ihren sprachlichen Reiz und wird ab dort leider sehr monoton. 

Wer einen witzigeren Roman über das Scheitern im eigenen Leben sucht, sollte sich Wie man es vermasselt von George Watsky oder So oder so ist das Leben von Benedikt Feiten ansehen!


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High Fidelity von Nick Hornby
Gelesen von Gerd Köster
4 CDs – 280 Minuten (gekürzte Lesung)
Neon Sonderreihe (RandomHouse)

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