Rezension

[Hörbuch] Ein schwacher Nachschlag: „Die Känguru-Apokryphen“ von Marc-Uwe Kling

Was war ich erfreut als ich sah, dass Marc-Uwe Kling einen Nachfolger zu seiner Känguru-Reihe verfasst hat. Ich habe die Hörbücher um das vorlaute Beuteltier und den liebenswerten Kleinkünstler rauf und runter gehört. Die Känguru-Apokryphen dagegen konnten mich so gar nicht überzeugen. Warum das so war, erfahrt ihr im Folgenden.

Die Känguru-Apokryphen 

Die Känguru-Apokryphen versammeln bislang weniger bekannte Känguru-Episoden: Geschichten, die in Anthologien veröffentlicht wurden, die aus Live-Programmen stammen und ein paar unveröffentlichte Texte. Es handelt sich dabei um eine wilde Mischung, die von keiner übergeordneten Handlungsgeschichte getragen wird, was logisch ist, da die Episoden vermutlich nicht aufeinanderfolgend verfasst wurden.

Wo ist der rote Faden? Wo ist der Sinn?

Zuallererst muss ich sagen, dass dies mein größter Kritikpunkt ist: Der fehlende Handlungsfaden. Marc-Uwe Klings Texte waren schon immer eigenständig, die Hörbücher der Känguru-Trilogie habe ich mehrfach hintereinander weg, aber auch mit Zufallsauswahl oft neu durchmischt gehört. Beeindruckt hat mich dabei immer wieder die Tiefe der Texte, die politischen und gesellschaftlichen Anspielungen ebenso wie die versteckten Sprachspielereien. All dies fehlte mir in den Känguru-Apokryphen. Zwar habe ich auch dieses neue Hörbuch mehrfach durcheinander gehört, von Klings sonstiger Tiefe konnte ich jedoch wenig entdecken. Die wenigen sich aufeinander beziehenden Stellen wirkten wie lieblos im Nachhinein hinzugefügt, um zumindest den Anschein von wiederkehrender Rahmenhandlung zu erwecken. Zudem kamen mir wirklich viele der Episoden bekannt vor. Das mag natürlich daran liegen, dass ich mir immer wieder gerne Live-Programme von Kling ansehe oder Anthologien lese, in denen er ebenfalls veröffentlicht. Wie enttäuschend muss dies jedoch für einen Fan sein, der ein Buch oder Hörbuch erwirbt, welches ausdrücklich mit „Neu-Entdeckungen“ von unbekannten Episoden beworben wird?

Dass es sich vielfach um ältere Texte handelt, merkt man übrigens auch thematisch. Insgesamt überwiegen nach meiner Wahrnehmung Episoden, die keinen Bezug zu irgendeinem Ereignis oder einer konkreten Person herstellen. Diese wurden vermutlich bereits für die Veröffentlichungen in den anderen Känguru-Werken ausgewählt und bearbeitet. Es bleiben also vielfach Alltagsschilderungen, die durchaus amüsant zu hören oder lesen sind, für mich jedoch den an Kling so geschätzten scharfen Blick auf Gesellschaft und Politik vermissen lassen. So bleibe ich nach dem Hören etwas unbefriedigt zurück und frage mich, warum ich mir das Hörbuch eigentlich ein zweites Mal anhören sollte? Lieber beginne ich stattdessen noch einmal mit den Känguru-Chroniken…

Fazit: Keine Zeitverschwendung, aber man sollte auch nicht zu viel erwarten. Amüsante und zusammenhangslose Episoden aus dem Alltag vom Beuteltier und seinem Kompagnon. Wie immer gilt für Kling: Lieber hören als lesen!

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