Allgemein,  Rezension

[Graphic Novel] Erzählerische Leichtigkeit: „Der Kartograph“ von Jiro Taniguchi

Ich versuche zurzeit immer noch wieder zurück in meinen alten Lesensrhythmus zu finden und habe doch wenig Lust auf all die ungelesenen Bücher in meinem Regal. Da mein Freund seit Jahren die Graphel Novels von Jiro Taniguchi liest und mit seinen Empfehlung oft sehr richtig liegt, habe ich mir Der Kartograph geliehen und wurde direkt von seiner Erzählweise verzaubert!

Der Kartograph von Jiro Taniguchi

Was ich an Graphic Novels immer wieder bewundere ist ihre Leichtigkeit in der Erzählweise bei gleichzeitiger Komplexität des Inhalts. Genauso erging es mir mit diesem Band. Jiro Taniguchi beschreibt das historische Edo zu Beginn des 19. Jahrhunderts, welches heute das uns mehr oder minder bekannte Tokyo ist. Dort lebt Ino Tadataka und verbringt eigentlich seinen Ruhestand, doch seine Füße können nicht still stehen: Zu Fuß erkundet er Straßen und Brücken, sowie die Umgebung Edos. Er möchte die Welt vermessen, zumindest soweit er sie sich zu Fuß erschließen kann. In 15 einzelnen und doch zusammenhängenden kurzen Abschnitten folgen wir Ino auf seiner gemächlichen Reise und entdecken Stadt und Land durch seine Augen.

Gemächliches Lesen

Es handelt sich bei Der Kartograph um keine klassische Biographie: Zwar ist der historische Ino Tadataka bekannt für sein Lebenswerk, der ersten Landkarte Japans, doch die Graphic Novel beschreibt eher den Beginn von Inos Reise als die Reise selbst. Dabei sind Bildsprache und Erzählweise so ruhig, dass man tatsächlich das Gefühl hat eine Geschichte im Schritttempo zu erlesen. Bis auf wenige Seiten ist die Graphic Novel (zumindest in meiner Ausgabe) uncoloriert, was aber den Zeichnungen keinen Abbruch tut. Gerade die farblosen und oftmals reduziert wirkenden Motive schaffen eine ruhiges Leseerlebnis. Im starken Kontrast zu dieser reduzierten Bildsprache stehen detaillierte Zeichnungen von Landschaften oder Straßenzügen und runden das Bild Edos ab.

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Die 15 Abschnitte sind chronologisch aufgebaut und lassen den Leser in vielfachen alltäglichen Situationen Ino und seine ruhige Lebensart entdecken. Nebenbei erhält man einige erste Einblicke in das historische Japan, die Neugier über Land und Leute wird jedoch nicht gestillt. Stattdessen konzentriert sich Taniguchi ganz auf Ino und seinen Drang Edo zu Fuß zu erkunden. Die großen Leistungen Inos erahnt man dagegen nur, oder muss sie sich nach der Lektüre anderweitig erlesen. Auch die weiteren Figuren sind sehr unterkomplex dargestellt, sie sind nur Staffage für die Person Ino Tadataka. Dennoch besticht die Erzählung durch die Gemächlichkeit und die leise Ahnung, welche Geheimnisse sind in der Geschichte entdecken lassen.

Fazit: Gemächlich in Wort und Bild erzählt diese Graphic Novel von alltäglichen Momenten und dem Drang die Welt zu erkunden. Tiefgründig und dennoch leichtfüßig entführt die Geschichte den Leser ins historische Tokyo.


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Der Kartograph von Jiro Taniguchi
215 Seiten (inklusive Erläuterungen)
Carlsen Comics

Herzlichen Dank dem Freund fürs Leihen!

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