Buchbranche

[Fundstück] Der Unterschied zwischen Kauf und Lizenzerwerb|ebooks

Der eine oder andere hat es vielleicht schon mitbekommen, Mircosoft schließt seinen Onlinestore. Warum das die Buchbranche und insbesondere Lesende trifft? Weil viele sich nicht bewusst waren, dass sie nicht Bücher (in Form von ebooks) dort erworben haben, sondern nur Lizenzen. Aufmerksam wurde ich selbst über diese Kolumne im Spiegel:

Microsoft E-Books: Der Tag, an dem die Bücher nicht mehr funktionieren

„Doch so dystopisch das Verschwinden ausgerechnet von Büchern klingt: Der Onlinemarkt wandelt sich seit Langem in eine Richtung, in der uns solche Ereignisse häufiger bevorstehen könnten. Wir kaufen in App-Stores Nutzungslizenzen statt der eigentlichen Produkte, wir basteln uns Watch- und Playlists in der Hoffnung, dass bestimmte Streamingdienste noch lange bestehen. „

Ganz unverhofft zog die Meldung durch die sozialen Medien und die Branchenblätter. Und die Reaktionen waren doch insgesamt recht interessant anzusehen: Einige waren betroffen (im wahrsten Sinne des Wortes!), andere dagegen ein klitzekleines wenig hämisch. Mit gedruckten Büchern kann einem so etwas schließlich nicht passieren. Dabei ist die ganze Verwicklung fatal, nicht nur für Online-Shops und ebook-Verkäufer.

Die wenigsten Menschen scheinen sich bei Online-Käufen darüber bewusst zu sein, ob sie ein Produkt oder eine Lizenz erwerben. Letztere kann natürlich wieder entzogen werden, beispielsweise, wenn der Lizenzgeber sein Geschäft einstellt, wie nun geschehen. Es können aber auch einfach (Online-)Rechte auslaufen. Für das Geschäft mit ebooks ist eine solche Unsicherheit, wie sie nun bei potentiellen Käufer*innen vorliegt natürlich fatal. Dabei ist der Vorgang nichts neues: Ein ähnliches Prinzip haben wir bei Musik aus Online-Leihdiensten oder bei Filmen und Serien auf Netflix. Die kann ich auch nur so lange nutzen, wie sie in der Datenbank verfügbar sind. Ich zahle mit dem Abo-Preis die Nutzung des Dienstleisters, welche Produkte mir dieser zur Verfügung stellt kann ich nicht beeinflussen.

Für Händler ist die aktuelle Aufregung und damit auch die Unsicherheit von Kund*innen ein großes Problem, vor allem da das digitale Lesen auf technischen Endgeräten sowieso schon viele Vorbehalte bei einigen Käufergruppen auslöst.

Wie bewertet ihr die ganze Geschichte? Wo kauft ihr eure ebooks und habt ihr euch schon einmal Gedanken über den Unterschied von Lizenzerwerb und Buchkaufen gemacht? Schließlich kann man ebooks auch ohne den DMR-Schreibschutz (ver-)kaufen, der in diesem Falle die Löschung mit Schließung des Stores auslöst.

3 Kommentare

  • Mikka Gottstein

    Hallo,

    als ich meinen allerersten eBook-Reader gekauft habe, haben mich tatsächlich ein paar Leute darauf angesprochen:

    Freund: „Und was ist, wenn du das eBook aus Versehen löschst, oder der eBook-Reader geht kaputt?“
    Ich: „Dann lade ich das eBook einfach noch mal runter.“ Freund: „Und was ist, wenn der Anbieter pleite geht oder den Betrieb einstellt?“

    Damals habe ich das als unwahrscheinlich abgetan – wahrscheinlich, weil ich mit meinem Kindle damals noch Amazon-Kunde war und mir nicht vorstellen konnte, dass Amazon jemals aufhört. Irgendwann habe ich begriffen, dass ich gar nicht das Buch kaufe, sondern die Lizenz, aber auch das hat mich nicht weiter beunruhigt.

    Aber irgendwann ist es dann passiert, dass ich eine Jahreslizenz für eine App gekauft habe und die dann innerhalb von ein paar Monaten eingestampft wurde. Das kann einen dann schon ins Grübeln bringen. Und wenn das mit so einer App passieren kann, warum dann nicht auch mit meinem eBook?

    Inzwischen kaufe ich meine eBooks über meinen Lieblingsbuchhändler, aber wo der die Lizenzen einkauft? Keine Ahnung… Die Sache ist ja die, dass man im Moment meines Wissens gar keine Möglichkeit hat, das eBook und nicht die Lizenz zu kaufen. (Oder?)

    LG,
    Mikka

    • Jennifer

      Hallo Mikka,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Tatsächlich weiß ich gar nicht, ob man beim Kauf darauf aufmerksam gemacht wird. Ich habe da noch nie bewusst drauf geachtet. Und ja, natürlich macht man sich kaum Gedanken, ob ein Anbieter in 10, 20 oder 30 Jahren noch existieren wird. Inzwischen wandeln sich die Anbieter selbst ja auch so schnell, das man kaum Schritt halten kann. Ich kann dir auf gar nicht sagen, ob der Buchhändler vielleicht im Gegensatz zum Online-Händler direkt das ebook verkauft. Oder wie es ist, wenn man ein ebook direkt beim Verlag erwirbt, auch das ist ja möglich.
      Das Ganze zeigt auf jeden Fall, das da dringend Aufklärung her muss!

      Lässt du dich denn von solchen Überlegungen beim Kauf bzw. der Entscheidung für oder gegen ein ebook leiten?
      Viele Grüße
      Jennifer

      • Mikka Gottstein

        Ich habe aus gesundheitlich Gründen manchmal keine andere Wahl, als zum eBook zu greifen, weil mir das Lesen oft schwerfällt (MS mit häufigen Sehnerventzündungen und massiven kognitiven Problemen) und ich mir das eBook von der Text-to-Speech-Funktion des Readers vorlesen lassen kann. Aber auch sonst würde ich mich wohl vom Kauf eines eBooks nicht abhalten lassen, weil ich eBooks meist recht zeitig nach dem Kauf lese und es unwahrscheinlich ist, dass der Anbieter so schnell den Betrieb einstellt! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.