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Finden Buchmessen in Zukunft digital statt?

Heute morgen hat die Frankfurter Buchmesse #fbm20 begonnen und natürlich ist dieses Jahr alles anders als vorgesehen. Passend dazu fragt Antonia von Lauter & Leise diese Woche: Ist die Zukunft der Buchmessen online? Und weil ich bereits im Rahmen des Online-Litcamps über diesen Punkt nachgedacht habe (hier nachzulesen), frage ich mich daran anschließend:

Welcher Teil der Messe könnte online stattfinden?

Da ist zunächst einmal die Frage nach den Buchmessen selbst, der Leipziger und der Frankfurter. Natürlich ist es für Leser:innen angenehm die Messe vom heimischen Sofa aus zu verfolgen. Man spart auch jede Menge Reise- und Hotelkosten, so viel ist sicher. Allerdings gehört auch der Messetrubel zum Erlebnis Messe und ich denke dies ist ein Punkt, den die meisten wohl vermissen werden dieses Jahr. Mir jedenfalls geht es so.

Doch besteht die Messe nicht nur aus Leser:innen und Blogger:innen, wenn man auch manchmal einen anderweitigen Eindruck erhält. Besonders die Frankfurter Buchmesse ist eigentlich eher eine Verlags- statt Publikumsmesse und zumindest eingeschränkt findet die Messe auch vor Ort statt. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Messe-Stände bereits bezahlt waren, sondern auch damit, dass eine Messe Branchenangehörigen die Gelegenheit gibt viele Geschäftstermine kostensparend miteinander zu verbinden. Auch wenn die Digitalisierung die Arbeitswelt immer weiter umwälzt, ab und an ist ein persönliches Treffen in einer langjährigen Geschäftsbeziehung sehr förderlich. Diesen persönlichen Austausch ersetzen keine digitalen Termine. Aber auch abseits von Geschäftsterminen besteht eine Messe zu großen Teilen aus Branchenveranstaltungen und Vernetzung, die online nicht im gleichen Maße stattfinden können.

Online-Lesungen und die Möglichkeit der Aufzeichnung

Und wie sieht es mit Lesungen, Vorträgen oder Diskussionsrunden aus? Wie die diesjährige Messe zeigt, können diese Veranstaltungsformen noch am einfachsten ins Digitale übertragen werden. Und dies birgt ja auch so viele Vorteile, beispielsweise durch Aufzeichnungen und eine potentiell größere Reichweite im Internet. Wobei man sich fragen muss, ob unzählige parallel stattfindende Online-Veranstaltungen einen Mehrwert für Zuschauer:innen darstellen oder ob diese am Ende durch das Überangebot paralysiert sind. Denn am Ende ist auch die Zeit von Zuschauer:innen endlich, auch wenn der (womöglich gar langfristigere) Zugang zu Online-Veranstaltungen suggeriert, dass man noch mehr Buchmesse erleben könnte.

Wer zahlt’s?

Natürlich werden in der Buchbranche in den kommenden Jahren neue Formate, auch online, ausgetestet werden. Dabei ist technisch wie organisatorisch noch einiges zu Lernen. Es bleibt spannend in welchem Tempo und in welcher Art die verschiedenen Akteure der Buchbranche die Möglichkeiten austesten und nutzen werden.

Schlussendlich, und das darf man auch nicht vergessen, bleibt auch die Frage ungeklärt, wer Online-Formate finanzieren soll. Denn auch Online-Formate zu produzieren kostet Autoren-, Moderatoren- oder Gasthonorare und jede Menge Arbeitszeit. Und die technische Ausstattung für Video-Drehs muss für professionelle Angebote auch erst einmal vorhanden sein. Außerdem kaufen Leser:innen auf einer Online-Lesung wohl nicht so schnell ein Buch, um sich dieses als Erinnerung vom Autor oder der Autorin signieren zu lassen. So schön kostenloser Content für die Nutzer:innen sein mag, kann sich sicherlich niemand in der Branche leisten diesen dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Die Aufzeichnung einer Vor-Ort-Veranstaltung als zusätzlicher Service wird daher immer nur das Plus bleiben. Reine kostenlose Online-Veranstaltungen werden wir in Zukunft eher nicht erleben.

Also Online eher als Zusatz zum Vor-Ort-Geschehen?

Aufzeichnungen und Online-Inhalte zu Live-Veranstaltungen hat es auch vor 2020 schon gegeben. Ich denke aber, dass dieses Jahr dafür sorgt, dass mehr Leute sich mit den Möglichkeiten und Chancen von Online-Formaten auseinandersetzen. Einen Ersatz für Vor-Ort-Veranstaltungen, besonders im Bereich der Messen, kann dies aber schwer darstellen. Dafür fehlen aktuell noch Möglichkeiten der Interaktion und Finanzierungskonzepte.

Dennoch bin ich gespannt, welche neuen Formate und Kanäle sich innerhalb der Branche entwickeln. Der Buchbranche tut jedenfalls ein wenig frischer Wind nicht schlecht…

Literatur-Veranstaltungen in Zukunft nur noch online? Was denkt ihr darüber?

Und falls ihr die Online-Inhalte der diesjährigen Buchmesse verfolgt: Wärt ihr auch zur Live-Messe gefahren? Oder könnt ihr die Messe nur deshalb verfolgen, weil sie dieses Jahr online stattfindet?

4 Kommentare

  • Tina

    Hi Jenny,

    ich hoffe, du verlinkst deinen Beitrag noch bei Antonia? Ich hab dich gar nicht in der Liste gesehen.
    Meine meinung ist eindeutig: Ich mag die Messe nicht online haben, vielleicht als parallele Möglichkeit, aber nicht als reine Online-Messe. Du hast genügend Punkte aufgezählt, warum.

    Dazu kommt, dass jeder seinen eigene Brei macht. Es gibt Verlage, die schließen sich zusammen und haben ein Portal gebaut, dann gibts Verlage, die machen auf Social Media alles Mögliche, dann gibts für den ein oder anderen noch exklusive Bloggerpreviews in verschiedenen Formaten und, und, und. Ich hab die Übersicht verloren. Es wa einfach ams Stand vorbei zu gehen oder in der messe-App nachzusehen, doch das ist diesmal fehl am Platz.

    Naja, ich will mich nicht aufregen. Alles wird gut. Wie du schon sagst, man wird paralysiert.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Hi Tina,

      upps, das verlinken habe ich tatsächlich einfach vergessen, weil ich den Beitrag noch schnell veröffentlichen wollte, bevor ich ins Bett gehe 😀
      Wobei ich ja auch ein bisschen von der Frage abgekommen bin, finde ich.

      Ich geb dir Recht: Parallel zur Messe finde ich auch super, aber als Online-Messe kann man das Veranstaltungschaos nicht wirklich bezeichnen. Ich bin bisher auch sehr enttäuscht, es ist überwiegend ein Chaos und es ist mal wieder sehr bezeichnend wie wenige es schaffen, gute Online-Formate auf die Beine zu stellen (davon, ob das dann technisch klappt, wollen wir noch gar nicht reden).

      Hoffe sehr, dass wir nächstes Jahr wieder gemeinsam durch die Messe-Hallen laufen, aber so richtig glaube ich selbst nicht dran…

      Liebe Grüße,
      Jennifer

  • Emma Zecka

    Hi Jennifer,
    jetzt kommt, sehr verspätet, mein Kommentar zu Deinem interessanten Artikel :).
    Ich habe die digitale Buchmesse verfolgt, war aber sehr ernüchtert, was das Programm betrifft. Allerdings hatte das auch viel damit zu tun, dass Verlage ihre Veranstaltungen nicht korrekt in den Veranstaltungskalender eingetragen haben und für mich dann falsche Erwartungen geweckt wurden. Es gab z.B. eine dreiteilige videoreihe mit Sebastian Fitzek, die täglich mit 45 Minuten Dauer angekündigt wurde. Letztendlich waren es vorproduzierte Videos, die alle 10-12 Minuten dauerten. Der Inhalt war sehr oberflächlich, sodass ich mir letztendlich nur eines der Videos angeschaut habe.
    Für mich waren vor allem die Veranstaltungen des Selfpublisher Verbandes, des Bundesverbandes junger Autor*innen, tolino media und Books on Demand interessant, weil es hier auch um Autor*innenbezogene Themen ging, die mich allgemein sehr interessierten. Die Aussteller*innen bewiesen, dass man auch online eine lebhafte Diskussion mit mehreren Teilnehmer*innen durchführen kann. Im Vergleich zur physischen Messe war hier zudem der Vorteil, dass ich mich nebenher im Chat mit anderen Zuschauer*innen austauschen konnte. Vor Ort während einer Veranstaltung reden, ist ja eher unpraktisch :).
    Was mich positiv überraschte war das Programm, das direkt von der Buchmesse organisiert wurde. Hier hatte ich vorab Bedenken, dass die Livestreams nicht auffindbar waren. Eine Freundin erzählte mir aber, dass sie im Rahmen des Bookfests eine Lesung mit Marc-Uwe Kling sehen wollte und feststellen musste, dass diese einfach mal früher begonnen hatte und sie so den Großteil verpasst hatte.

    Ich persönlich bin durchaus bereit, Onlineangebote zu finanzieren,w enn sie gut und transparent dargestellt sind. Unter „gut“ verstehe ich, wenn ich nach der Veranstaltung mehr über den Inhalt weiß, als zuvor und auch neue Perspektiven gewinnen konnte, wie es eben bei den Terminen der physischen Messe der Fall ist.
    Unter „Transparenz“ verstehe ich, dass von vorne herein klargestellt wird, ob es sich um eine Aufzeichnung, oder einen Livestream handelt und – falls es eine Aufzeichnung ist -die reale Zeit angegeben wird.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein umfangreiches digitales Angebot der Buchmesse langfristig funktionieren kann. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich kein visueller Mensch bin und bisher hauptsächlich Veranstaltungen auf den Buchmessen besucht habe und nicht z.B. gestöbert oder mich mit anderen Leuten verabredet habe.

    Jetzt wünsche ich Dir erstmal einen guten Start in die neue Woche!

    viele Grüße

    Emma

    • Jennifer

      Hallo Emma,

      ich muss sagen, dass ich vom Buchmessenprogramm auch eher enttäuscht war. Vieles hatte einen reinen „Hier ist mein Buch“-Werbungscharakter, vieles wirkte lieblos. Die Streams der Buchmesse selbst habe ich auch in Teilen geguckt, dort hat mich aber gestört, dass alles hintereinandergereiht wurde und man darum einzelne Autor:innen super schlecht finden konnte, wenn man sich etwas im Nachhinein anschauen wollte. Insgesamt war es doch alles recht chaotisch und ich bin froh, wenn ich nächstes Jahr (hoffentlich) wieder auf eine richtige Messe gehen kann…

      Viele Grüße aus Leipzig
      Jennifer
      P.S. Ich lese übrigens schon am Rentierfieber 😉

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