Hinter meinem Blog

Online-#Litcamp20: Zwischen Austausch und Input

Vergangenen Samstag fand das diesjährige Litcamp statt – für mich ziemlich überraschend. Auch wenn ich bereits in den vorhergehenden Tagen sehr, sehr viele „Muss schnell noch eine Session vorbereiten“-Tweets gesehen hatte, hatte mich das nicht in Unruhe versetzt. Ich war schließlich felsenfest davon überzeugt, dass das Litcamp am 22. August stattfinden würde, ich hatte mir den Tag extra freigehalten und meine restlichen Termine entsprechend geplant. Umso überraschter war ich, als ich am Freitagabend, den 14. August, zahlreiche vorfreudige Tweets in der Twitter-Timeline hatte und realisierte: Litcamp ist schon morgen! Glücklicherweise konnte ich meine Pläne kurzfristig ändern und startete am 15. August müde, aber pünktlich ins Online-Litcamp.

Anmeldung und erste Schwierigkeiten

Statt wie in den vergangenen Jahren live in Heidelberg fand das Litcamp dieses Jahr über das Konferenztool Venueless statt. Ich bin ja (aus Erfahrung) immer sehr misstrauisch, wenn ich neue Online-Tools nutze, allerdings muss ich sagen, dass es im großen und ganzen technisch alles sehr gut geklappt hat. Durch die Webanwendung musste ich nichts downloaden und konnte direkt starten und da das Tool übersichtlich aufgebaut war, konnte ich mich selbst Samstagmorgens um 9 Uhr vor dem ersten Kaffee gut zurecht finden. Technisch unbegabt bin ich auch nicht, sodass ich schnell herausgefunden hatte, wie ich virtuelle Räume betrete, wohin ich eigentlich muss und vor allem, wie ich mein Mikrofon an- oder ausstelle. Da eine Kamera nicht zwingend nötig war, konnte ich bequem in Jogginghose und ungeschminkt vor dem Rechner sitzen – ein bisschen fühlte es sich an wie das klassische Homeoffice der letzten Wochen…

Aber natürlich bleiben Schwierigkeiten nicht aus, wenn zahlreiche (ich meine, dass es über 100 Personen waren?) Menschen ein neues Tool nutzen und keine:r genau weiß, was mensch tun muss. So haben wir also Notizzettel verteilt statt Abstimmungspunkte und mussten dann die Programmplanung noch einmal von vorne starten. Schnell hatte ich meine 5 Stimmen vergeben, was schwieriger war als man denkt, denn zwei davon habe ich erstmal im luftleeren Raum verteilt und musste sie wiederfinden und einsammeln. Als diese erste Hürde aber geschafft war, konnte ich mich zurücklehnen, bzw. aufspringen und schnell zum Bäcker laufen, und saß pünktlich zur ersten Session mit Kaffee und Frühstück vor dem Rechner. Ein Hoch aufs Homeoffice!

Creative Commons und Nutzungsrechte für Bloggende

Als erste Session habe ich mir eine kleine Einführung ins Thema Creative Commons für Bloggende angehört. Ich muss sagen, dass ich mich mit dem Thema noch nicht näher beschäftigt hatte, auch wenn ich bereits wusste, dass es CC-Lizenzen gibt. Allerdings waren mir die unterschiedlichen Lizenzarten neu, sodass ich einiges neues gelernt habe. Neben allgemeinem Wissen, wie beispielsweise der Tatsache, dass CC-Lizenzen von einem Verein ins Leben gerufen wurden, habe ich auch einige Plattformen kennen gelernt. Für mich am interessantesten sind natürlich Bild-Plattformen, da ich ab und an Bilder aus Bild-Datenbanken benutze. Ich achte bereits darauf, die Urheber zu nennen, allerdings kannte ich die TULLU-Regel noch nicht. Diese gibt die Informationen an, welche bei der Nutzung von CC-Inhalten anzugeben sind:

Titel
Urheber:in
Lizenz
Lizenzlink
Ursprungsort

Nach der Session war ich deutlich sensibilisierter für den Umgang mit fremden Inhalten, fühle mich aber auch etwas sicherer. Insgesamt also eine lehrreiche Veranstaltung von Alessandra!

Wie können Literaturevents online stattfinden?

Als nächstes habe ich mich einer Diskussionsrunde von Books on Demand angeschlossen, die sich um die Frage drehte, wie Literaturcamps online stattfinden können. Die Frage hat im Rahmen abgesagter Buchmessen und sonstiger analoger Veranstaltungen in diesem Jahr eine besondere Brisanz bekommen, aber eigentlich ist das Thema auch darüber hinaus interessant. Besonders, wenn es nicht nur darum geht, Inhalte zu senden (wie bei einer Lesung), sondern tatsächlich ein Austausch stattfinden soll. Wie man auch in dieser kleinen Diskussionsrunde in geschlossenem Rahmen gemerkt hat, ist das gar nicht mal so einfach. Neben positiven Beispielen wie der Comic-Con@Home oder der einen oder anderen persönlichen Anekdote, wurde auch darüber gesprochen, welche Plattformen sich nutzen lassen, welche Zielgruppen überhaupt angesprochen werden können oder ob diese Veranstaltungen barrierefreier sind (da beispielsweise Anreisen entfallen). Andererseits ging es aber auch darum, ob diese Veranstaltungen live verfolgt oder im Nachhinein konsumiert werden (wodurch wiederum die Interaktion entfiele). Und natürlich stellt sich auch die Frage, ob sich durch Online-Veranstaltung eine sowieso schon unübersichtliche Programmvielfalt noch vergrößert, wodurch Zuschauer:innen auch abgeschreckt werden können. Und schlussendlich müssen auch Online-Veranstaltungen geplant und produziert werden, es entstehen Kosten für Tools und Akteure, die finanziert werden müssen. Es scheint also keinen Königsweg zu geben, und es bleibt spannend, in welche Richtung die Branche sich in den kommenden Jahren entwickelt. (Besonders gespannt bin ich auf die Online-Frankfurter Buchmesse, aber dieses Thema behandeln wir ein anderes Mal!).

How to … Stadt

Auch wenn ich weder Autorin noch Rollenspielerin bin, habe ich mir interessiert die Session von Rafaela zur Städteentwicklung angehört. Da die Session sehr interaktiv war und viel anhand von Bildmaterial erklärt wurde, habe ich darüber weniger getwittert. Dennoch habe ich einiges gelernt und werde den Aufbau von Städten in Romanen in Zukunft noch kritischer untersuchen können 😉

Ein grundlegender Gedanke der Session war, dass Städte historisch wachsen und damit in unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Bedürfnisse der Bewohner:innen bedient werden. Städte bieten Schutz oder die Möglichkeit für Handel, wenn sie an einer Handelsroute liegen, sie wachsen, wenn ihre Bewohner:innen sich vermehren und verfügen danach meist über einen historischen Kern und weitere Stadtteile. Auch wenn nichts davon eine bahnbrechende Neuigkeit ist, fand ich es interessant viele solcher Erkenntnisse gesammelt zu hören und dabei auch gewisse Zusammenhänge zu beleuchten. Irgendwann wurde dann eine fiktive Stadt erdacht, die am Berg gebaut ist und Drachen stand halten muss – das fand ich zwar interessant, war dann aber auch ein wenig raus. Dennoch habe ich auch als Leserin einiges mitgenommen!

Gendergerechte Sprache und Machine Learning

Als letztes habe ich mir noch eine Session von Larissa zu Gendergerechter Sprache und Machine Learning angehört. Besonders gefreut hat mich, dass Larissa das Buch „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl“ von Katharina Zweig empfohlen hat, welches ich selbst auch gerade lese. Nachdem sie zum Einstieg ein wenig erklärt hat, wie Online Relevanz gemessen wird, stieg sie direkt mit ihrer Arbeit im Machine Learning ein. Das Thema ist für mich neu gewesen, aber glücklicherweise konnte ich trotzdem gut folgen.

Dennoch möchte ich hier nicht so tun, als könnte ich den Inhalt der Session fehlerfrei wiedergeben, daher versuche ich es gar nicht erst. Stattdessen möchte ich nur festhalten, dass ich mich mit dem Thema unbedingt noch weiter beschäftigen möchte. Insbesondere, da Algorithmen und Machine Learning eine wachsende Bedeutung für unsere Gesellschaft haben (werden), finde ich es wichtig sich damit zu beschäftigen, auf welche Weise Daten gesammelt und in welcher Form sie (von Maschinen) bewertet werden. Künstliche Intelligenzen geben uns als Output zurück, was wir ihnen als Input zur Verfügung stellen. Damit reproduzieren sie auch bestehende -Ismen wie Sexismus oder Rassismus. Sie sind also ein Werkzeug, mit dem wir umgehen können müssen, nicht mehr und nicht weniger…

Gelungen oder gefloppt? Ein persönliches Fazit

Viel schneller als erwartet war das Online-Litcamp 2020 dann auch schon wieder vorbei. Einerseits war das sehr schade, weil ich gerne noch mehr Sessions gehört/besucht hätte, andererseits war ich eigentlich nach diesen 4 Veranstaltungen komplett reizüberflutet. Und das, obwohl das Online-Litcamp natürlich viel weniger Austausch bedeutet hat als sonst. So schön die Sessions auch waren, den meisten Input erhalte ich tatsächlich durch die Gespräche ZWISCHEN den Sessions, durch neue Kontakte oder alte Bekannte. Das habe ich online sehr vermisst und deshalb wird online für mich auch niemals eine Vor-Ort-Veranstaltung ersetzen. Dennoch fand ich es schön, zumindest virtuell wieder Kontakt zu anderen Blogger:innen oder Lese-Verrückten zu haben und mich zumindest ein ganz klein wenig austauschen zu können…

Für nächstes Jahr hoffe ich aber natürlich, dass ich wieder nach Heidelberg fahren darf!


Übrigens, für alle, die nicht live dabei sein konnten: Viele Sessions wurden aufgezeichnet und werden (wenn ich es richtig verstanden habe) in den kommenden Tagen / Wochen auf dem Litcamp Youtube-Kanal veröffentlicht….

Und wer Interesse hat: Hier findet ihr meinen Rückblick auf das Litcamp 2019.

4 Kommentare

  • Tintenhain

    Danke für den Hinweis mit den Aufzeichnung. An mir ist das Litcamp komplett vorbei gegangen, möglicherweise, weil ich mich kaum noch auf Twitter aufhalte. Danke für deinen Beitrag, die Themen klingen sehr interessant.

    Liebe Grüße
    Mona

    • Jennifer

      Hallo Mona,
      ich hatte ein Ticket für das „reale“ Litcamp gehabt, sonst hätte ich es wohl auch verpasst. Man musste sich ja trotzdem vorher anmelden.

      Finde es aber auch cool, dass es Aufzeichnungen gab! 🙂
      VG Jennifer

  • Tina

    Hi Jenny,

    ich komm mal wieder vorbei 🙂

    An mir ist das Litcamp jetzt nicht vorbei gegangen wie bei Mona, aber ich bringe es nicht über mich mir 1 Tag oder 1 Wochenende für ein reines Online-Event freizuhalten. Das schaffe ich kaum bei Lesenächten.
    Ich glaube dir vollkommen, dass die realen Begegnungen und damit die Zwischenfrequenzen einfach fehlen. Daher hoffe ich verdammt sehr, dass wir nächstes jahr wieder im real Life dabei sind.

    Apopo Online-Event. Mal sehen, ob ich es bei der FBM vielleicht mal schaffe…

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Hi Tina,

      ja, online war schon eine interessante Erfahrung. Ich glaube die FBM wird in der Hinsicht leichter, weil sie vermutlich nicht so interaktiv sein wird. Aber abwarten… 😀

      LG Jennifer

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