Was haltet ihr davon?

Kolumne: Vom Spaß beim Lesen und der Buchkritik

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich eigentlich auch Bücher lese, die mir gefallen. Scheinbar habe ich mich zuletzt nur über Bücher aufgeregt. Zugegebenermaßen hatte ich zuletzt einige Flops dabei. Aber ganz grundsätzlich lese ich eigentlich schon lieber Bücher, von denen ich erwarte, dass sie mir gefallen werden. Warum habe ich also trotzdem zurzeit so wenig „Spaß“ beim Lesen?

Wie die Buchkritik mein Lesen verändert

Tatsächlich hat schon das Germanistik-Studium dazu geführt, dass ich vieles überanalysierte. Seit ich den Blog habe und bereits beim Lesen immer häufiger darüber nachdenke, wie der Aufbau des Romans funktioniert, ob die Figuren sinnvoll ausgebaut sind und wie die Sprache sich von anderen Romanen unterscheidet, werde ich scheinbar immer kritischer. Für einige scheint das automatisch mit weniger Lesefreude einherzugehen. Dabei habe ich auch an der Analyse Spaß – und kann mich über manchen „schlechten“ Roman wunderbar aufregen! Nicht umsonst sind Verrisse auch auf Buchblogs sehr beliebt: Ein Buch auseinanderzunehmen macht einfach Spaß. Selbst wenn es das Buch selbst nicht getan hatte. Dabei wird das Lesen bei mir oftmals zum Prozess, der analytischer ist als mir mitunter lieb ist. Abschalten durch seichte Lektüre in stressigen Zeiten? Das fällt mir zunehmend schwerer, weil ich bereits beim Lesen innerlich Notizen mache. Manchmal denke ich bereits über eine knackige Überschrift für eine Rezension nach, bevor ich mich überhaupt entschieden habe, ob ich das Buch überhaupt rezensieren möchte. Die eine oder andere Rezension entstand tatsächlich einfach deshalb, weil ich bereits eine Überschrift und einen halbfertigen Text im Kopf hatte…

Was ist eigentlich Spaß beim Lesen?

Inzwischen werde ich nun also schon häufiger gefragt, ob das Lesen mir eigentlich noch Spaß bereitet. Dabei ist doch die eigentliche Frage: Was genau ist eigentlich Spaß beim Lesen? Ich finde nämlich auch die Analyse äußerst spaßig. Der Vergleich mit anderen Büchern ist für mich inzwischen so natürlich, dass ich es kaum bemerke, wenn ich während des Lesens bereits Stichpunkte für eine mögliche Rezension sammele. Und die Herausforderung ein Buch möglichst akkurat und angemessen zu beurteilen, nicht nur in meinen Augen, sondern auch im Sinne meiner Leserschaft, hat inzwischen großen Anteil an meinen Lesen. Schwieriger wird es natürlich, wenn ich durchs Lesen wirklich einfach nur abschalten will. Dann nehme ich mir möglichst seichte Bücher mit in den Urlaub und analysiere gegen mein erklärtes Ziel trotzdem die Sprache und Ausführung. Dabei will ich doch genau dieses Analysieren eigentlich vermeiden. Klappt manchmal, aber nicht immer. Und so beschleicht mich der Gedanke, dass ich vielleicht einfach verlernt habe, einfach nur ein Buch zu lesen

Wie ist das bei euch so? Geht es euch manchmal ähnlich?

6 Kommentare

  • Taaya

    Huhu,

    puh, in gewissem Maße geht es mir ähnlich. Bücher richtig analysieren kann ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich das gern wollen würde – Feuilleton und Buchkritiken in der Schule haben mich da ziemlich abgeschreckt. Da blieb bei mir immer der Spaß am Diskutieren eines Buches auf der Strecke. Und irgendwie haben die sich auch immer auf völlig falsche, unwichtige Punkte konzentriert, nicht auf -istische Bilder und deren Reproduktion, nicht darauf, ob ein Charakter ansprechend ist, ob es Repräsentation von Minderheiten gibt, … Ob etwas sprachlich schöne Bilder transportiert, ist für mich zwar, wenn dem wirklich so ist, ganz nett, aber zunächst mal finde ich die Sprache eines Buches völlig unwichtig, solange sie nicht bewusst verletzend ist. Der Inhalt zählt mehr.

    Aber ich merke auch, dass ich in letzter Zeit kaum noch wirklich gute Bücher finde. Wobei in letzter Zeit eigentlich mehr seit 2017 heißt. Seit ich selbst vermehrt schreibe, habe ich irgendwie andere Ansprüche, die zu benennen mir aber auch schwer fällt. Ich merke immer mehr, dass Bücher nicht für Leser*innen wie mich geschrieben werden, dass oft sogar ein ableistisches Paradigma eingehalten und nicht hinterfragt wird (Show, don’t tell). Aber darüber hinaus? Ich schaffe es einfach kaum noch, Bücher zu genießen, weil irgendwie alle so … schlecht sind und es mich wahnsinnig macht, dass ich nur schwer benennen kann, was mich denn da alles stört.

    Und gerade Entspannungslektüre, also wirklich seichtes Zeug, nicht Fantasy/SciFi, die ja oft politische Botschaften und moralische Fragen transportieren (sollten), ist voll von Aufregern. Sexismen, ‚Liebe ist es nur, wenn man Sex hatte‘-Attitüden, … FURCHTBAR. Ich würde gern mal wieder etwas lesen, was einfach nur seicht durch den Kopf plätschert und entspannt, was keinerlei Anspruch hat und einfach nur Spaß macht. Aber sowas scheint es gar nicht zu geben, weil gerade die Romane, die das eigentlich bieten sollten, so unglaublich schlecht geschrieben sind.

    Also …
    Ich bin irgendwie nicht bei dir, aber irgendwie doch. Und zumindest, dass man Bücher nicht mehr völlig unkritisch lesen kann, hab ich auch. Und es nervt mich extrem. Ich wünschte, ich wäre wieder nur Leserin. Damals hatte ich zwar das ungute Gefühl, dass mir immer etwas fehlt, hatte aber zu wenig Ahnung von der Welt, um auch nur weiter drüber nachdenken zu können.

    LG
    Taaya

    • Jennifer

      Hi Taaya,
      nun, zumindest kann man sich beim eigenen Kritisieren aussuchen, auf welche Punkte man sich konzentriert 😉
      Das ist doch schon mal ein Fortschritt zu Schulkritiken oder dem Feuilleton.

      Es stimmt schon, man kann in den seichtesten Büchern heftige Inhalte finden und sich eigentlich über alles aufregen. Am Ende bleibt es wohl eine Einstellungssache, ob man es möchte oder nicht. Ich persönlich habe mich zuletzt eine kleine Blogpause gegönnt – mal sehen, wie ich nun weiter lese…
      VG Jennifer

  • LeseWelle

    Hallo Jennifer!
    Mir geht es manchmal sehr ähnlich. Ich formuliere auch gerne schon Sätze oder manchmal sogar Absätze im Kopf vor für eine mögliche Rezension bzw. auch für Beiträge zu den Büchern.
    Das wurde mir eine zeitlang zu viel, deshalb habe ich aufgehört jedes Buch rezensieren zu wollen. Wie oben erwähnt schreibe ich alternativ gerne Beiträge zu den Bücher, zum Beispiel zu den Klassikern die ich dieses Jahr lese und dann fließen auch Daten zum Autor / zur Autorin mit rein und ich versuche den Roman in den Kontext der jeweiligen Zeit zu setzen.
    Das macht mir momentan etwas mehr Spaß als reine Rezensionen.
    Wobei ich hier auch gerne schon im Vorfeld im Kopf mir Sätze überlege, die ich dann gerne schreiben möchte. Also so ganz ohne geht es dann wohl auch bei mir nicht. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    • Jennifer

      Hallo Diana,
      huch, irgendwie wurde mir dein Kommentar nicht richtig angezeigt und ist unter gegangen.

      Das klingt tatsächlich spannend mit deinen Nicht-Rezensionen. Ich möchte eigentlich auch weg von reinen Rezensionen, aber suche noch nach einem guten Format für mich. Nach einer kleinen Blogpause werde ich in Zukunft mal mit ein paar Ideen rumspielen und dann schaue ich mal, was daraus wird

      VG Jennifer

  • Tina

    Ich muss schon wieder etwas lachen, weil ich an Grisha denken muss.

    Ich analysiere ja auch beim Lesen, ich mache mir auch Notizen, aber so intensiv wie du? Never. Hier bin ich froh, das quasi nicht gelernt zu haben.
    Notizen gehören dazu, einfach zur Erinnerung, wenn ich die Rezension schreibe, aber in letzter Zeit sehe ich zu, dass ich lese und die Geschichte in meinem Kopf einfach ihren Lauf nimmt.

    Kritik ist und bleibt subjektiv, von daher mag jeder so viel Kritik üben wie derjenige es mag 🙂 Entweder man findet Verbündete oder eben nicht 😉

    Liebe Grüße
    Tina

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