Bücher in Büchern,  Rezension

[BücherinBüchern] Vom Bücher horten: „Das Mädchen, das in der Metro las“ von Christine Féret-Fleury

Wo sollte man ein Buch mit einem solchen Titel lesen, wenn nicht in der Metro? In Ermangelung derselben habe ich Bus und S-Bahn genommen und mir gedacht, dass das französische Flair dem deutschen Busfahren doch bestimmt sehr ähnlich sein müsste. (Ist es nicht! Wenn ihr die Möglichkeit habt, fahrt lieber nach Frankreich in den Urlaub und setzt euch dort in die Metro. Das ist nicht vergleichbar. Und nehmt ein anderes Buch mit!)

Das Mädchen, das in der Metro las

Eines Tages steigt Juliette eine Station zu früh aus und schlendert zu Fuß zu ihrer langweiligen Arbeit. Auf der Suche nach etwas Neuem macht sie eine folgenschwere Begegnung und trifft auf Soliman. Was hat er mit ihm und seinem Antiquariat auf sich? Juliette willigt ein, Soliman zu unterstützen und ihn in seiner Abwesenheit zu vertreten. Nach und nach lernt sie vieles über ihre eigene Lektüre und den Wert von Büchern. Denn für jedes Buch gibt es einen richtigen Zeitpunkt und jedes Buch kann ein Leben verändern.

Vom Bücher horten

Die Grundidee für diese Geschichte klang so charmant, aber die Art und Weise, in der sie aufgelöst wurde, gab mir leider wenig Input. Im Gegenteil musste ich mich regelrecht durch das Buch quälen. Natürlich haben Bücher Einfluss auf unser Leben, was wir lesen oder nicht lesen, beeinflusst unser Denken und erweitert unseren Horizont. Und natürlich gibt es auch Bücher, die wir sammeln ohne sie zu lesen, weil der Zeitpunkt gerade nicht passt oder wir das Buch für „später“ aufheben. Das sind für Bücherwürmer keine neuen Erkenntnisse. Dennoch fand ich die Idee spannend, ein Buch darüber zu lesen, in dem es eben nicht nur um das Lesen, sondern auch um das Sammeln von Büchern geht. Juliette fragt sich in ihren Tagen in Solimans Laden, nach welchem Prinzip er seine Bücher sortiert und kommt zu dem Schluss: Das System ist überhaupt kein System, sondern eine Verwicklung von Verknüpfungen. So ähnlich stellt man sich mitunter die Bibliografie in Büchereien oder Buchhandlungen vor: Wer schrieb zu einer ähnlichen Zeit, wessen Theorien bauen auf welchen auf, wer mochte oder mochte sich nicht im wahren Leben? Um Autorennamen, Verlagszugehörigkeit oder Erscheinungsdatum geht es dabei nur am Rande. Leider krankt das Buch an einer farblos erscheinenden und unsicheren Hauptfigur, die das Lesen mühsam und uninspiriert machte.

Juliette scheint wie das Klischee eines Bücherwurms: Irgendwie farb- und geistlos, flüchtet sie sich in die Welt ihrer Bücher. Eigene Entscheidungen, eine eigene Meinung oder Haltung sucht man bei ihr vergebens und so ist auch der Erzählton geprägt durch ihre Art. Würde das Buch als Hörbuch vertont werden, müsste der Sprecher eine fipsige und möglichst leise Tonlage wählen, anders könnte ich mir Juliette gar nicht vorstellen. Dabei haben bereits zahllose Bücher gezeigt, dass Bücherwürmer lange keine langweiligen Personen sein müssen. Das sich dieses Klischee gerade in Büchern immer wieder findet, macht mich ehrlich gesagt langsam wütend. Wenn das Klischee gegen Ende wenigstens aufgelöst würde, aber leider entwickelt sich Juliette nicht nennenswert. Ich kann schon nachempfinden, dass sie ihr Leben ändern möchte, alleine tut sie es im Roman nicht nachvollziehbar. Das Ende wirkt bemüht und die Kraft und Begeisterung, die doch angeblich von Büchern heraufbeschworen werden kann, die spürte ich nicht wirklich.

Fazit: Nicht das Lesen, sondern das Sammeln steht in diesem Roman im Vordergrund. Charmante Idee, die leider sehr unleidenschaftlich umgesetzt wurde. Kann man aber als leichte Ferienlektüre mit gewissem nachdenklich machendem Flair lesen. 


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Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury
176 Seiten, 18 Euro
Dumont Buchverlag

Dieses Buch habe ich kostenfrei vom Verlag erhalten!

3 Kommentare

  • Lili

    Danke für die Rezi 🙂
    Ich kann sehr nachvollziehen, warum dir das Buch nicht gefallen hat. Ich kenne es nicht, muss aber aber zugeben, dass mich Thema und vorallem das Cover (das ist wirklich wunderschön!) sehr ansprechen. Vielleicht probiere ich es auch mal, mal sehen…

    • Jennifer

      Liebe Lili,
      sag mir dann gerne, was du von dem Buch gehalten hast! Ich könnte mir vorstellen, dass du den Stil ziemlich umständlich findest, da so oft Juliettes innere Gedanken im Vordergrund stehen… Gerne kann ich dir auch mein Exemplar leihen, wenn du magst, gib dann einfach Bescheid 🙂
      VG Jennifer

  • Andrea // Easy Peasy Books

    Hallo,

    wooow ich habe solange auf diese Rezension von dir gewartet! Wir hatten ja noch auf der Frankfurter Buchmesse über das Buch gesprochen (meine ich?) und da war ich ja schon nicht so begesteiert und war so gespannt, wie du es findest.
    Ich kann deine Meinung demnach komplett nachvollziehen und sehe es eigentlich genauso.

    Hier passt wohl auch das Motto „Don’t judge a book by it’s cover!“ (ich hoffe ich habe ihn richtig zitiert..)

    Liebe Grüße

    Andrea

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