Rezension

[Rezension] Ein Anti-Weihnachtsbuch?: „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers

Walter Moers lässt uns leider weiterhin auf „Das Schloss der träumenden Bücher“ warten, laut Verlag ist das Buch in Planung und erscheint im Oktober 2024 [Quelle: Knaus Verlag]. Nichtsdestotrotz ist Moers nicht untätig, so erschien pünktlich zum Weihnachtsgeschäft der schmale Band „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ und zur Leipziger Buchmesse gibt es „Der Bücherdrache„.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Wie feiert man eigentlich Weihnachten in Zamonien? Gar nicht natürlich, auch wenn alle Bewohner Zamoniens so ihre eigenen Bräuche pflegen. Auf der Lindwurmfeste feiert man beispielsweise Hamoulimepp und viele der in diesem Zuge zelebrierten Bräuche erinnern doch sehr an unser irdisches Weihnachtsfest. Hildegunst von Mythenmetz ist allerdings kein Freund der wirren Sitten und klagt in einem Brief an seinen engen Freund Hachmed Ben Kibitzer sein Leid.

Von Aberglaube und irren Bräuchen

Bei „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ handelt es sich nicht um einen klassischen Briefroman, sondern um einen einzelnen langen Brief von Mythenmetz an Ben Kibitzer. Der Übersetzer Moers beschreibt jedoch in seinem Vorwort, das Mythenmetz in verschiedenen Briefen von den Hamoulimepp-Bräuchen berichtet und es gibt mitunter Sprünge in der Form, gut möglich also, dass hier verschiedene Briefe zu einem zusammengebastelt wurden. Der Brief liest sich in einem guten Rutsch durch und offenbart vielfach alte Aberglauben, der sich von Hamoulimepp auf das christliche Weihnachtsfest übertragen lässt. Aber auch abseits des Themas erhält man als zamonienbegeisterter Fan einen tieferen Einblick in Kultur und Lebensweise der Lindwürmer.

„Woher der Mepp kam ist noch ungewisser. Wenn du mich fragst, lieber Hachmed, dann entsprang er ganz einfach dem Bedürfnis nach einer komischen Nebenfigur in dem ganzen Märchen. Lindwürmer sind nun mal professionelle Schriftsteller und wissen, was das Publikum verlangt. Humor!“

Weihnachten auf der Lindwurmfeste, Seite 24

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Wenn eines inzwischen unter Fans berühmt-berüchtigt ist, so ist es Moers Liebe für sprachliche und erzählerische Spielereien. Dem bleibt er auch in „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ treu. Die Lektüre hat mich amüsiert, ich muss jedoch sagen, dass ich die Herleitungen zwischen weihnachtlichen Bezügen und zamonischen Bräuchen mitunter zu einfach gehalten fand. Vielleicht rührt die Enttäuschung jedoch nur aus der ungeduldigen Warterei auf das „Schloss der träumenden Bücher“. Nichtsdestotrotz eignet sich das Buch wunderbar als Geschenk für Zamonien-Liebhaber und lässt sich auch ganz wunderbar vorlesen! Das liegt nicht nur an der Kürze des Bandes, sondern auch an der Briefform, die den Inhalt in angenehm kurze Abschnitte unterteilt und hin und wieder von Zeichnungen unterbrochen wird. Zu den Zeichnungen muss ich leider sagen, dass ich sie für den Band zu „farblos“ fand. In „Prinzessin Insomnia“ [meine Rezension] machten die Zeichnungen Lydia Rodes noch eine schöne Komponente aus, hier passen sie nicht recht zum so ausgeprägten und farbenprächtigen Schreibstil von Moers.

Fazit: Interessanter Einblick in die lindwurm’sche Kultur in gewohnt sprachverliebtem Stile Moers! Durch die Briefform sehr kurzweilig und dennoch dichtgedrängt an Informationen über Zamoniens Bräuche.


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Weihnachten auf der Lindwurmfeste oder: Warum ich Hamoulimepp hasse von Walter Moers
illustriert von Lydia Rode und Walter Moers
Hardcover, 115 Seiten, 15 Euro
Penguin Verlag

Dieses Buch wurde mir vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt!

9 Kommentare

  • Ida

    Hallo liebe Jennifer,
    genauso habe ich das (anti-?)weihnachtliche Moers-Buch auch empfunden. Es kam nicht an die anderen Zamonien-Bücher ran, aber ich finde auch, dass es das auch nicht muss. Es ist genau das, was du beschrieben hast: eine kleine weihnachtliche Lektüre, die die Wartezeit auf Weihnachten und auf das neue Moers-Buch überbrückt. 🙂
    Liebste Grüße,
    Ida

    • Jennifer

      Liebe Ida,
      ja als kleine Wartezeitverkürzung eignet sich das Buch ganz gut. Wobei es ja inhaltlich eigentlich konträr zur Weihnachtsstimmung ist 😀
      Aber dennoch passt es ganz gut zu dieser Zeit und enthält ja auch ein wenig Konsum- und Feiertagskritik. Bin sehr auf den Bücherdrachen gespannt, ob der mich wieder mehr begeistert…
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Diana

    Hallo Jennifer,
    ich habe fast genauso nach der Lektüre empfunden. 🙂
    Also Zamonien-Fan bin ich froh das ich dieses Buch besitze und gelesen habe. Obwohl mir natürlich Das Schloss der träumenden Bücher noch besser gefallen würde (2024? Echt jetzt). Aber wir können uns ja vielleicht auch mit Der Bücherdrache trösten, der soll ja nächsten Monat erscheinen. 😉
    Das mit den Illustrationen habe ich auch so gesehen wie du. In Prinzessin Insomnia haben sie mir noch gut gefallen, aber hier war es so lala. Vielleicht auch, weil die Illustrationen nicht direkt in der Geschichte verknüpft waren, sondern einfach als Anhang dran gehängt wurden.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    • Jennifer

      Liebe Diana,
      ja, leider wirklich 2024. Das Buch war auch schon mal früher angekündigt, aber der Verlag verschiebt den Erscheinungstermin immer weiter nach hinten, bzw. wahrscheinlich geht es eher von Moers selbst aus. Na ja, warten wir mal gespannt ab…
      Das stimmt. Mit den Tafels hatte ich mich auch tatsächlich ein bisschen rumgeärgert. Dieses Blättern hat einen immer ein wenig rausgerissen, ich hätte die Abbildungen eher direkt in den Brief gepackt. Aber gut…
      Ach, ich weiß auch nicht. Einerseits finde ich die Freundschaft zwischen Moers und Lydia Rode echt schön, vor allem, wenn es ihr bei ihrer Krankheit hilft. Aber irgendwie passt der Stil nicht so recht zum doch recht kräftigen Schreibstil von Moers.
      Liebe Grüße
      Jennifer

      • Diana

        Ich bin wirklich mal gespannt, ob das Buch überhaupt noch irgendwann erscheint. :/
        Ja, das mit der Freundschaft zwischen den beiden ist toll und ich fand auch gut, dass Moers das in Prinzessin Insomnia geschrieben hat, warum Lydia Rode jetzt die Illustrationen malt. Aber ich mochte immer den Moers’schen Stil und finde es trotzdem sehr schade, das er jetzt nicht mehr selber zum Malstift greift.
        Aber letztendlich möchte sie ja wahrscheinlich auch nicht kopieren, sondern ihren eigenen Stil setzen. Obwohl die pastelligen Töne nicht so gut gepasst haben.
        Liebe Grüße

  • Vera

    Hey!

    Ich höre ja immer sehr viel positives über den Autor und muss zugeben, dass ich vielleicht mal ein Buch von ihm lesen sollte 😅😅😅 Nach deiner Rezension bin ich umso mehr gespannt.

    Liebe Grüße
    Vera
    #litnetzwerk

    • Jennifer

      Liebe Vera,
      ich empfehle eher „Die Stadt der träumenden Bücher“, das ist quasi DAS Buch (plus den Nachfolger) die man von Moers gelesen haben sollte, wenn man ihn liest. Alle anderen Bücher sind eher Zusätze oder stellen einzelne Figuren aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ in den Fokus. Moers Stil kann man allerdings tatsächlich in allen Büchern gut spüren.
      Viel Spaß beim Lesen!
      Jennifer

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