Was haltet ihr davon?

[Kolumne] Warum man über Bücher reden sollte, die man nicht gelesen hat!

Vor kurzem gab es auf Twitter mal wieder eine Diskussion über die Qualität und Einordnung eines Buches und recht schnell fiel das Argument „Hast du das Buch überhaupt gelesen? Denn wenn nicht, darfst du dich dazu gar nicht äußern.“ (Kein direktes Zitat, sondern von mir paraphrasiert). Aber was spricht eigentlich dagegen, sich zu einem Buch zu äußern, dass man doch gar nicht kennt?

Die Bücher, die ich las…

Ich bin einer jener unsäglichen Menschen, die nach ihren Hobbys gefragt „Lesen“ stottern und danach schnellstmöglich betonen, dass sie aber auch oft unter Leute kommen. Wie viele Bücher mein Bücherregal zählt, weiß ich gar nicht genau. Die Zahl wäre aber auch irrelevant, denn ich habe mehr Bücher gelesen als in meinem Regal stehen. Dennoch sprechen drei volle Billy-Regale dafür, dass ich wohl einer jener mysteriösen Viel-Leser bin, die im Buchhandel so gerne gesehen sind.

Dennoch kann ich natürlich nicht ALLES lesen. So gerne ich auch würde, hätte ich genug Lebenszeit und würde mich jemand dafür bezahlen. Wobei, alles möchte ich dann vielleicht doch nicht lesen. Sind ja auch Themen dabei, die mich nicht interessieren, von der Qualität ganz abgesehen. 2017 wurden laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels 72.499 Titel in Erstauflage veröffentlicht. [Quelle] Da kommen natürlich noch die 9.890 Übersetzungen ins Deutsche dazu, macht also insgesamt 82389 Titel in Neuerscheinung und die ganze Backlist habe ich auch noch nicht durch. Ich kann nicht einmal von mir behaupten, dass ich alle deutschen Verlage kenne, geschweige denn, dass ich von allen mindestens ein Buch gelesen hätte. Heißt also: kein Mensch kann alles lesen, es ist schlicht nicht menschenmöglich.

Was ich weiß…

Was bedeutet denn aber eigentlich gelesen haben? Natürlich kann man differenzierter über den Inhalt sprechen, wenn man das gesamte Buch kennt. Aber das Buch nicht gelesen zu haben, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich rein gar nichts dazu sagen könnte. Ich kann oftmals jede Menge zu dem Buch sagen, bevor ich auch nur reingeschaut habe. Ein paar Beispiele gefällig?

Vor kurzem wanderte ich mit einer Freundin durch die Buchhandlung. Wir unterhielten uns über dies und das und landeten vor einem Tisch, der sich unschwer als Thementisch mit Jugendfantasy erkennen ließ. Die Cover verraten einem kundigen Vielleser da einiges über das Genre und ich brauchte nur von einem einzigen Buch auf dem Tisch zu wissen, wovon es inhaltlich handelte, um von dort aus auf den ganzen Rest schließen zu können. Wir gingen weiter und fanden uns alsbald vor den Neuerscheinungen wieder. Der neue Band von André Herrmann machte mich neugierig, meine Freundin konnte dagegen mit dem Klappentext wenig anfangen und fragte mich, warum mich das Buch interessiere. Meine Antwort lautete: „Weil ich das erste Buch gelesen habe.“

In meinem Bücherregal stehen neben vielen gelesenen Büchern auch viele ungelesene. Sie alle interessieren mich und zu fast allen könnte ich spontan einiges erzählen. In einigen Fällen kenne ich den Klappentext nicht einmal, aber den brauche ich nicht zwangsläufig zu kennen. Das Buch Vox habe ich von einer befreundeten Bloggerin zugeschickt bekommen und freue mich jetzt schon sehr auf die Lektüre. Ich habe in zahlreichen Diskussionen bereits einiges über das Buch gehört und auch schon die eine oder andere Rezension zumindest angelesen. Wenn ich auch im Detail noch nicht zu viel über das Buch wissen wollte, so weiß ich zumindest grob, wer das Buch gut fand und wer schlecht und kann aus deren Lesegeschmack wiederum folgern wie ich das Buch wohl finden werde, sobald ich es lese. Außerdem weiß ich Dinge über den Autor, über das Thema des Buches oder vielleicht, auf welche Diskussion oder Entwicklung sich das Buch bezieht. Um natürlich über den Stil des Autors sprechen zu können, um zu beurteilen, ob das Buch gut oder schlecht geschrieben wurde (nach meinem Geschmack), sollte ich zumindest einmal einen Blick hinein geworfen haben. Aber auch da kann ich das erste Kapitel oder eine Leseprobe anlesen. Ich muss das Buch nicht von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben. Wenn ich den Anfang kenne, ein Stück aus der Mitte gelesen habe und das Ende kenne, kann ich bereits sehr viel zum Bogen der Erzählung sagen und ein wenig vom Stil des Autoren habe ich dann auch mitbekommen. Natürlich verdirbt das die Lesefreude, wenn man das Buch irgendwann doch im ganzen Lesen möchte, aber bei einigen Büchern weiß man einfach, dass man sie nie im Leben komplett lesen wird.

Warum man über Bücher, die man nicht gelesen hat, sprechen sollte?

Ganz einfach weil man es kann! Wir wissen oftmals sehr viel über ein Buch auch ohne es gelesen zu haben. Der französische Literaturprofessor Pierre Bayard hat gar ein ganzes Buch zum Thema geschrieben: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat [meine Rezension, Achtung, die ist sehr alt und nicht besonders gut, aber wir haben alle irgendwo angefangen]. Sein Plädoyer: Es ist viel wichtiger ein Buch in den Gesamtkontext der Literaturproduktion einordnen zu können als den Inhalt zu kennen.  Er beschreibt darin sehr humorvoll wie er sich mit seinen Studierenden über verschiedene Thematiken in Harry Potter unterhält und ihnen am Ende der Sitzung eröffnet, dass er die Bücher nie gelesen, die Filme nicht gesehen hat. Dennoch weiß er sehr vieles über die Handlung der Bände. Und Umberto Eco macht genau aus diesem Nichtwissen eine wahnwitzige Suche nach einem Mörder in Der Name der Rose [meine Rezension]. Man kann also sehr gut über ein Buch sprechen ohne es gelesen zu haben!

Warum sollten wir uns also nur auf die Bücher beschränken, die wir kennen? Womöglich nur mit jenen diskutieren, die das Buch ebenso gelesen haben? Wie wenig Diskussion über Bücher würde es dann noch geben? Nein, wir sollten über Bücher diskutieren und wir dürfen dabei unterschiedliche Meinungen haben. Diskussion kann Spaß machen, wenn alle sich trotzdem höflich verhalten, und jede Aufmerksamkeit für Bücher und das Lesen ist positiv. Unter PR’lern heißt es nicht umsonst, selbst schlechte Publicity sei gute Publicity. Diskussion ist eine feine Sache, aber naturgemäß haben bei Diskussionen nicht alle das gleiche Hintergrundwissen (in dem Falle also das Buch gelesen). Oder als kleine Analogie: Um eine Meinung zum Essen zu haben, muss ich nicht zwangsläufig den Teller aufgegessen haben. Manchmal schreckt alleine der Geruch ab, manchmal reicht ein Bissen um das fehlende Salz rauszuschmecken und manchmal reicht es auch schon, sich die Nährwerttabellen anzuschauen, um den Teller in Punkto Nährstoffe beurteilen zu können. Vor allem regen verschiedene Meinungen aber die Diskussion an und was gibt es schöneres als Diskussionen über Bücher?

Was denkt ihr darüber? Schreibt’s in die Kommentare und diskutiert mit! (Das Lesen meiner Kolumne ist dafür nicht zwangsläufig notwendig)

Ach und weil das in der oben beschriebenen Diskussion auch zur Sprache kam: Ja, auch und gerade als Buchblogger*in darf man sich zu ungelesenen Büchern äußern. Wir lesen unglaublich viel, wir können Bücher sehr gut auch von außen beurteilen. Woher kommt denn dieser Gedanke, dass gerade wir nichts zu einem Buch sagen sollten, dass wir nicht gelesen haben?

33 Kommentare

  • Fraggle

    Um auf die Frage, ob man sich auch zu Büchern, die man nicht gelesen hat, äußern dürfen sollte, muss aus meiner Sicht erst mal geklärt sein, was „äußern“ in diesem Zusammenhang bedeutet. 🙂

    Natürlich darf ich beispielsweise sagen, dass mir die Bücher von Diana Gabaldon oder Iny Lorenz nicht zusagen, weil ich in beiden Fällen zwei davon gelesen und für furchtbar befunden habe. Und das reicht mir persönlich aus, um auch für zukünftige Bücher sagen zu können: „Die werde ich nicht mögen!“, auch wenn ich sie nicht gelesen habe.

    Schwierig wird es meiner Ansicht nach dann, wenn jemand sich erdreistet, über ein nicht zu Ende gelesenes Buch eine Rezension zu verfassen, die einen Gesamteindruck vermitteln soll. Auch ich habe schon so ein-, zweimal die Lektüre eines Buches abgebrochen – etwas, das mir immer noch widerstrebt -, und ich habe anschließend Beiträge verfasst, in denen ich darauf eingehe, warum ich die Lektüre eingestellt habe, allerdings ohne das Buch in seiner Gänze zu beurteilen. Tut man das doch, ist das ungefähr so, als würde man ein Fußballstadion nach 70 Minuten beim Stand vom 0:0 verlassen und behaupten, dass Spiel sei beschissen gewesen, obwohl es vielleicht – ganz ohne mein Wissen – nach dramatischer Schlussphase noch mit 4:3 endete. Daher habe ich auch immer ein Problem, mit den sogenannten „Rezensionen“ bei dem großen Online-Versandel mit A, in denen es heißt „Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen, aber …“

    • Jennifer

      Lieber Fraggle,
      danke für deinen Kommentar. Du hast natürlich recht, zu dem „äußern“ hätte ich vielleicht noch spezifischer was schreiben können. In dem Fall, wie auch meiner ganzen Argumentation, geht es um Diskussionen. Rezensionen sind natürlich nochmal was anderes, weil sie per se einen viel beurteilenderen Charakter haben als eine einfache Meinungsäußerung. Allerdings finde ich auch dort (du erwähnst es ja selbst), dass man natürlich sagen kann, warum man ein Buch abgebrochen hat. Man hat ja schließlich eine Meinung!

      Die Frage, in welcher Form man sich äußert ist tatsächlich noch einmal eine ganz spannende!
      Viele Grüße
      Jennifer

  • Tina

    Liebe Jennifer,

    ich kann den Artiekl komplett so unterschreiben.

    Ich spreche ganz oft mit anderen über Bücher, die ich nicht gelesen habe. Wie du schon sagtest, warum auch nicht? Es interessiert mich, wie andere es fanden, frage nach oder erzähle, warum es mir eventuell nicht zusagt etc…

    Ja, man sieht ein Buch und kann was dazu sagen. Das liegt doch in der Natur des Menschen, Dinge sofort zu beurteilen. Oft ist das nicht die beste Eigenschaft, aber hey, es lebe die Meinungsfreiheit solange es höflich bleibt.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Liebe Tina,
      danke für deine Rückmeldung! Ich finde die ganze Diskussion tatsächlich sehr spannend und habe auch lange mit meinem Freund darüber diskutiert. Daran angeknüpft auch noch einmal die Frage, ob man dann eigentlich auch rezensieren dürfe, was aber noch einmal weiter führt.

      Ja, höflich sollten Diskussionen natürlich immer bleiben, und man sollte vielleicht auch offen sagen, ob man das Buch gelesen hat oder aufgrund von welchen Informationen man es bewertet (ich kann mir meine Meinung schließlich auch aufgrund von falschen Fakten bilden). Aber das belebt doch die Diskussion und schafft neues Wissen bei allen Diskutanten!
      Ich finde ja, dass generell gerne jederzeit mehr über Bücher gestritten und diskutiert werden darf! 🙂
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Janna | KeJas-BlogBuch

    Ich bin absolut bei dir! Und doch überlege ich mir 2x, ob ich mich bei Diskussionen zu mir nicht gelesenen Büchern äußere – kommt natürlich auf die Menschen innerhalb dieses Austausches an. Aber ich glaube die Probleme über die ich stolperte sind grundlegend, ob gelesen oder nicht – widersprichst du bestimmten Menschen, entsteht kein Austausch oder eine angeregte Diskussion, sondern ein sich verschließen oder austeilen. Ich finde man kann sehr gut über nicht gelesene Bücher sprechen, ebenso können Autor*innen, wenn sie gut recherchieren, über Themen schreiben, die sie selbst nicht erlebt haben. Irgendwer ist immer offen für ein Gespräch und irgendwer stänkert immer dagegen – es kommt auf die Personen an, mit denen man darüber spricht.

    Ich handhabe das auch so mit abgebrochenen Büchern, wenn ich Mitteilungsbedarf habe (in groß oder klein) schreibe ich eine Rezension oder Kurzmeinung – auch wenn ich den weiteren Verlauf und das Ende nicht kenne. Ich weise zwar darauf hin, aber bis zum gelesenen/gehörten Teil, kann ich sehr wohl eine Meinung verfassen und weitere Spekulationen anstellen.

    • Jennifer

      Liebe Janna,
      die Gefahr von verhärteten Fronten besteht natürlich, wobei ich das immer sehr schade finde. Ich meine, Bücher sind doch geradezu prädestiniert dazu einen breiteren Blickwinkel zu eröffnen. Anscheinend sind wir Menschen aber so darauf gepolt, immer Recht haben zu wollen, dass wir uns gar nicht an einer Diskussion erfreuen können.

      Ich finde auch absolut, dass man natürlich eine Meinung zu abgebrochenen Büchern haben kann und die natürlich auch verbloggen kann! Solange man offen legt, dass man das Buch nicht zu Ende gelesen hat. Schließlich ist es ja interessant, was einen zum Abbruch bewegte… 🙂 Werde das auch in Zukunft weiter machen, wenn ich etwas zu einem Buch zu sagen habe!
      VG Jennifer

      • Janna | KeJas-BlogBuch

        Oh ja, Diskussionskultur ist leider nicht weit verbreitet – deswegen bewege ich mich da gerne in meinem gewohnten Kreis. Ich bin immer offen für Austausch, bin ehrlich ohne persönlich zu werden – aber oft gerät man dann (besonders im Internet, wo mein buchiges Leben ja nun mal am meisten statt findet) an ein gegenüber, welches dann beleidigend wird oder nur auf die eigene Meinung pocht, ohne auch nur im Ansatz auf andere Argumente einzugehen – ist mir ehrlich gesagt zu doof! Man muss nicht meiner Meinung sein, aber ich auch nicht die der anderen vertreten – und doch kann man sich doch austauschen! verstehe diese verhärteten fronten immer nicht …

        Finde ich gut und handhabe ich auch so – natürlich mit Hinweis das es ein Abbruch ist, aber ich kann dennoch eine Meinung haben! Auch zu ungelesenen kann ich Stellung beziehen, wenn ich um die Thematik weiß

        • Jennifer

          Liebe Janna,
          ja, die Diskussion im Internet verkommt oftmals zu etwas ganz Furchtbarem. Deshalb rede ich auch gerne direkt mit den Menschen, wenn es geht. Aber dennoch finde ich, dass ich mich überall äußern kann, wo ich es will und wie ich es will (solange ich selbst dabei höflich bleibe.
          Dabei geht es mir gar nicht darum, dass ich mich immer äußern muss. Ich schreibe beispielsweise nicht zu jedem Abbruch ein Buch, weil ich meist einfach nicht so viel zu einem abgebrochenen Buch zu sagen habe. Manchmal wird man emotional einfach nicht berührt beim Lesen. Aber wenn ich denn dann aus schwerwiegenden Gründen ein Buch nicht lesen möchte, dann muss ich es auch nicht komplett lesen, um diese Meinung dann zu begründen. Das wäre ja geradezu verrückt!
          Liebe Grüße
          Jennifer

  • Jule (JulesLeseecke)

    Liebe Jennifer,

    danke, dass du mich bei Twitter markiert hast, damit ich diesen Artikel auch ja nicht übersehe. Ich weiß auch, warum ich markiert wurde und bin dir sehr dankbar.
    Ich bin auch der Meinung, dass man sich auch über nicht gelesene Bücher unterhalten kann und in eine Diskussion hineinwerfen darf. Was mich jedoch stört und das passiert leider in letzter Zeit immer wieder, dass das Buch noch keine 5 min auf dem Markt ist und sich die Gemüter erhitzen in Bezug auf Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht usw. des Autors. Besonders, wenn im Roman genau das Gegenteil zum Gegenstand wird. Ich habe dann oftmals das Gefühl, dass allein der Autor die Schuld bekommt für alles, aber im Hintergrund ist dann ja doch immer noch ein Lektor oder ein Verlag. Da hätte doch auch eine Sensibilisierung kommen müssen.

    Ich möchte dir ein Beispiel bringen, denn heute ist mein Deutsch im Kopf völlig durcheinander. Anne Freytag wurde für ihren Roman „Den Mund voll ungesagter Dinge“ aufs übelste kritisiert. Sie hätte keine Ahnung von gleichgeschlechtlicher Liebe und dürfte über die beiden Mädchen doch gar nicht schreiben. Dann erschien „Love, Simon“ von Becky Albertalli und alles liebten den schwulen Simon, obwohl Becky als hetero ja auch keine Ahnung hat. Ich hoffe du verstehst worauf ich hinauswill. Die Buchwelt dreht sich das immer alles so zurecht, wie sie se sich gerade wünscht und das nervt mich dann, wenn trotzdem diskutiert wird und gern mal die eine oder andere Plattform förmlich in Brand gerät. Und so ging es mir mit „Stella“, der aufhänger meines Tweets und wahrscheinlich der Aufhänger, weswegen ich markiert wurde. Da hat ein priviligierter Autor aus der Bildungselite über eine jüdische Frau geschrieben (Sorry, ich kenne den Inhalt von „Stella“ nicht unter er interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht. ) und kritisiert, was ihm einfällt, darüber zu schreiben. Es gibt so viele Bücher über Juden, die von Nicht-Juden geschrieben wurden, aber die werden nicht an den Pranger gestellt.

    Aber gut, vielleicht schreibe ich irgendwann einmal einen erweiterten Blogbeitrag dazu und bringe das alles mit unter. Doch vorher stehen Prüfungen an. 😀

    Liebe Grüße
    Jule

    • Jennifer

      Liebe Jule,
      zuerst einmal: Ich hatte dich markiert, weil wir uns damals über die Thematik unterhalten hatten. Meinen Blogbeitrag habe ich ein wenig von der ganzen Diskussion um Stella zu lösen versucht, auch wenn das natürlich nicht ganz so einfach ist. Die Verlinkung war nur, weil ich dachte, dass du Interesse an dem Thema hast, ich hoffe, du fühltest dich dadurch nicht angegriffen (zumal wir ja nicht einmal unterschiedliche Meinungen zum Thema haben).

      Ich glaube der Stein des Anstosses bei der Diskussion um Stella war gar nicht unbedingt die jüdische Figur, sondern dass diese (wohl auf eine handwerklich auch nicht unbedingt fantastische Art) als Randfigur auftrat und damit einfach nur die Verkäufe anschubsen sollte, ohne dass die Figur in der Tiefe dem Thema gerecht werden würde. Diese Diskussion kann ich aber selbst nicht beurteilen, da ich das Buch auch nicht gelesen habe 🙂
      Interessant finde ich aber den Aspekt, denn du auch erwähnst: Wir haben einmal den Autor, den viele nicht vom Werk trennen können (und das sollte man meiner Meinung nach auch gar nicht immer hundertprozentig) und wir haben die Vermarktung (durch den Verlag, Buchhandel, aber auch Literaturkritik, die deuten manchmal auch die witzigsten Sachen in Romane. „Mit der Faust in die Welt schlagen“ wurde ja in den Medien oftmals als Sachbuch vorgestellt, der Autor als „Ostexperte“ vorgestellt, aber das nur als ein Beispiel). Da sollte man auch noch einmal trennen…
      Gerade bei der Repräsentation von diversen Figuren in Romanen gibt es noch einmal ganz andere (und weit hitzigere Diskussionen), ich sehe sowas auch hin und wieder in den sozialen Medien. Ich kann die Kritik in Teilen sogar nachvollziehen, auch wenn ich die Aufregung nicht immer verstehe.
      Was mich insbesondere bei der Diskussion um Stella aber nervte, waren Aussagen, dass man sich zu nicht gelesenen Büchern nicht äußern solle (mancher schrieb gar von dürfe). Das finde ich unsinnig, weil man seine Informationen nicht nur aus Büchern bekommen kann. Ich habe ehrlich gesagt auch kein Interesse, Stella zu lesen, aber das bedeutet ja nicht, dass ich keine Meinung haben darf. Ich weiß auch ziemlich genau, was ich von Fitzek halte und habe nie ein Buch von ihm gelesen.
      Nun ja, ich finde das Thema einfach spannend, daher meine kleine Kolumne. Die ganze Rezeption und Vermarktung von Stella ist ja noch einmal ein anderes Thema, das mich einfach nicht so stark interessiert…
      Ich würde einen Artikel von dir zu dem Thema übrigens auf jeden Fall lesen, weil ich solche Diskussionen immer super finde! 🙂
      Viel Erfolg bei deinen Prüfungen!
      Jennifer

  • Jenny

    Hi Jennifer!

    Ein toller Beitrag und eine richtige Aussage!
    Ich finde es auch immer schwer, wenn sich so hitzig darüber aufgeregt wird, wer denn jetzt angeblich das Recht hat etwas zu einem Buch sagen zu dürfen oder nicht.
    Diese Argumentation ist schlichtweg falsch am Platz, denn wie du schon selbst sagtest: Ich kann auch an wenigen Sachen schon feststellen, ob ich etwas mag oder nicht. Dafür muss ich nicht alles davon kennen.
    Natürlich spielt die Art und Weise der Argumentation eine Rolle, abgesehen davon, dass man sowieso immer freundlich und sachlich bleiben sollte.
    Ich kann halt nicht etwas zu dem Gesamten sagen, wenn ich das Gesamte nicht kenne.
    Ich kann aber sehr wohl sagen, welche Stichpunkte mich dazu veranlassen gewisse Schlussfolgerungen zu ziehen.
    Wie du schön treffend sagtest: Meinungen und Diskussionen sind trotzdem möglich, natürlich kann ich keine umfassende Rezension abgeben.

    Liebste Grüße
    Jenny

    • Jennifer

      Liebe Jenny,
      da kann ich dir nur voll zustimmen. Natürlich sollte man sagen können, warum man zu einer Meinung kommtund woher man seine Informationen bezieht. Aber das hindert ja nicht daran, sich trotzdem zu äußern. Manchmal hat man von außen ja auch einen ganz frischen Blick 😉
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Diana

    Hallo,
    das ist mal ein toller Beitrag. 🙂
    Ich kann mich auch immer sehr gut mit Menschen über Bücher unterhalten oder meine Meinungen bilden, auch wenn ich das Buch nicht ganz gelesen habe. Wie du schon sagst, meist reicht mir eine Leseprobe (oder in manchen Fällen der Klappentext) und schon weiß ich worum es in dem Buch geht und wie es Enden könnte.
    Natürlich kann man eine bessere Meinung abgeben, wenn man das ganze Buch kennt, aber gerade bei dem Fall mit Harry Potter musste ich lachen, denn das ist bei mir genauso. Ich kenne so viele Dinge und Facetten aus den Büchern und habe weder einen Band gelesen noch einen Film gesehen, aber wenn ich das nicht erwähnen würde, würden das kaum Leute merken.
    Gerade bei meinem Beruf ist es manchmal wichtig, dass ich über Bücher reden kann, die ich nicht selber gelesen habe. Ich arbeite in einer Bibliothek und dort erwarten die Leute einfach Beratungen.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    • Jennifer

      Liebe Diana,
      dein Beruf (ebenso wie der der Buchhändler*innen) ist wohl das beste Beispiel dafür, dass man sehr viel zu ungelesenen Büchern sagen kann und dies auch ständig tut 😉 In dem Buch „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“ beschreibt Bayard es auch so, dass man ein Buch in eine Bibliothek einordnen können muss, um es einschätzen zu können, das fand ich eigentlich ein treffendes Bild!
      Ich glaube Harry Potter, Herr der Ringe, Star Wars und einige andere sind so klassische Beispiele von denen man eben „erwartet“ das das Gegenüber die Geschichte immer kennt (unabhängig davon, ob man es je gelesen/gesehen hat). Aber bei beliebigen Büchern (die sich ja auch gut miteinander vergleichen lassen, frei nach dem Motto, kennst du einen Krimi, kennst du alle Krimis) soll man nicht mehr mitreden dürfen, wenn man es nicht bis zum Ende gelesen hat? Wie absurd!?
      Ich finde die ganze Diskussion jedenfalls sehr spannend!
      Liebe Grüße
      Jennifer

      • Diana

        Da sagst du was.
        Ich lese sehr gerne Krimis und Thriller und meistens brauche ich nur den Klappentext zu lesen um mir sofort ein Bild machen zu können, wie dieser wohl ausgehen könnte. Ich finde das allerdings sehr schade, denn das heißt ja eigentlich das sich viele Krimis von der Geschichte her ähneln. Oder ich habe einfach schon zu viele gelesen. 😉

  • Isabel

    Liebe Jennifer,
    Was ein toller Artikel! Inn vielem stimme ich Dir sehr zu. Ich habe vorallem zu oft den eigenen Kritiker im Kopf, der mich daran hindert etwas dazu zu sagen, manchmal sogar, wenn ich das Buch gelesen habe. Gerade eine gute Diskussion über ein Buch kann richtig bereichern! Dein Beispiel zu VOX fand ich richzig gut, da geht es mir auch so, dass ich schon einige Informationen habe und eine Meinung dazu, ob ich das Thema und letztlich das Buch gut oder schlecht finde, ohne den kompletten Inhalt zu kennen.
    Liebe Grüsse
    Isabel

    • Jennifer

      Liebe Isabel,
      interessant, dass es dir mit VOX ähnlich geht. Ich habe lange überlegt, ob ich so in ein konkretes Beispiel gehe, weil ich die Diskussion dann nicht in eine Diskussion zu VOX kippen lassen wollte. Jetzt bin ich froh, dass ich das Beispiel doch genommen habe!
      Generell bin ich sehr froh über die viele positive Ressonanz hier, es ist schön, dass es nicht nur mir so zu gehen scheint!
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Elena

    Ich habe zwar nicht den Artikel oder die Kommentare gelesen, möchte aber unbedingt sagen, dass es doch überhaupt nicht angeht, über Bücher zu diskutieren, die man nicht gelesen hat! Kleiner Scherz.

    Im Ernst: Aus meiner Sicht kann, darf und sollte sich jeder Mensch zu ungelesenen Büchern äußern, wenn er da etwas beizutragen hat. Wichtig ist da nur, dass bei Aussagen zu einem konkreten Buch transparent gemacht wird, ob das Buch tatsächlich gelesen wurde oder die Meinung beispielsweise auf Hörensagen aufbaut. Nehmen wir „Leah on the Offbeat“, wo einige queere Menschen Rezensionen geschrieben haben, dass Leahs Umgang mit einen anderen bisexuellen Charakter nicht okay ist (z.B. hier: https://boricuanbookworms.com/2018/05/06/leah-on-the-offbeat-very-very-offbeat-and-hurtful-to-me/). Wenn es passt, werde ich daher in Diskussionen dann anbringen, dass das Buch keine gute Repräsentation liefert.

    Es ist nämlich einfach so, dass Bücher nicht in völlig luftleeren Raum entstehen: Die Autor*in hat vielleicht schon mal was veröffentlicht, dann gibt es schon zahlreiche Bücher aus dem Genre, auch werden Bücher von anderen Menschen rezipiert usw. … Und in vielen anderen Bereichen erlauben wir uns mit viel weniger Wissen ein umfassendes Urteil.

    • Jennifer

      Liebe Elena,
      ich liebe deinen Einstieg! 😀

      Da kann ich mich dir nur absolut anschließen, besonders zu deinem letzten Punkt. Also, sowohl, dass Bücher nicht im luftleeren Raum exisiteren, als auch, dass wir uns in vielen anderen Bereichen viel schneller ein Urteil erlauben. Das fällt mir besonders in den sozialen Netzen zuletzt wieder sehr auf! Erstaunlich, dass ich an diesen Punkt beim Schreiben so gar nicht denken musste. Na ja, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, wie man so schön sagt!

      Ganz liebe Grüße
      Jennifer

  • Lisa

    Hey 🙂
    Ich muss zugeben, dass der Beitrag mich im ersten Moment verwundert hat, ganz nach dem Motto: Was? Über Bücher reden, die man nicht gelesen hat? Wie soll das gehen? Aber während des Lesens des Beitrages habe ich mich dann an viele Situationen erinnert, in denen ich im Studium aber auch privat über Bücher sprach, die ich (noch) nicht gelesen habe – und das war auch gut so! Und das Thema „VOX“ kann ich z.B. auch aufgreifen. Ich habe es nicht gelesen und habe auch nicht das Gefühl, dass es etwas für mich wäre. Dennoch habe ich sehr viel ÜBER das Buch gelesen, viele Kommentare, viele Meinungen. Ich habe natürlich auch geschaut worum es geht und so weiter. Ich kann mit Sicherheit nicht den Inhalt widergeben, aber darüber mit anderen ins Gespräch zu kommen sollte absolut kein Problem darstellen.

    Liebe Grüße,
    Lisa

    • Jennifer

      Liebe Lisa,
      vielen Dank für deine Meinung!
      Du bist die erste, die sagt, dass sich während des Lesens der Blickwinkel verändert hat, das finde ich sehr spannend.
      Aber ich kann das sehr gut nachvollziehen, was du zum Beispiel über das Studium schreibst. Wenn ich alleine überlege, wie viele Autor*innen oder Bücher in einem Seminar mal so am Rande erwähnt werden. Manchmal frage ich mich, wer im Raum (einschließlich Dozenten) diese Bücher dann auch wirklich alle gelesen hat…
      Es geht mir auch gar nicht darum, vorzutäuschen, dass man das Buch gelesen hat. Sondern einfach seine Meinung, eine Art Einordnung zum Buch, abgeben zu können und ich denke, dass kann man bei weit mehr Büchern als man denkt! 🙂
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Evi

    Liebe Jennifer,

    das ist wirklich ein spannender Ansatz. Deine Argumente sind absolut nachvollziehbar. Als ich die Überschrift las, dachte ich gleich „Hä? Ich kann doch nicht über etwas reden, das ich nicht gelesen habe.“ Nach deinem Beitrag sehe ich ein, dass man das sehr wohl kann und auch sollte; nur leichtfertig urteilen sollte man nicht.

    Liebe Grüße
    Evi

    • Jennifer

      Liebe Evi,
      vielen Dank für die Rückmeldung, das freut mich sehr!
      Ich stimme dir absolut zu, verurteilen sollte man weder Bücher noch Menschen. Aber reden sollte man immer dürfen, am besten natürlich auch miteinander und nicht übereinander… 😉
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Kerstin Cornils

    Ein spannendes Thema. Ganz spontan wollte ich dir antworten, wie kann ich über ein Buch sprechen, wenn ich es nicht gelesen habe.

    Doch dann habe ich mich an meine eigene Nase gefasst. Ich Urteile das erste Mal über ein Buch, wenn ich es sehe. Ich schaue mir das Cover an und entscheide auf dieser kleinen Grundlage will ich lesen oder eben nicht. Zu dem Zeitpunkt kenne ich außer dem Titel und das Cover nichts. Oft lese ich noch nicht mal den Klappentext. Weil der an meiner Kaufentscheidung in der Regel nichts ändern würde.

    Für etwa 85 % der Bücher, die ich im letzten Jahr gelesen habe, könnte ich eine wunderbare Rezension schreiben auf Basis von Cover, Titel und Klappentext. Vielleicht noch ein wenig reinlesen und schon habe ich mir eine Meinung gebildet, die auch für das ganze Buch gelten kann. Und damit bin ich dann wieder an dem Punkt: Ja, ich kann mir eine Meinung zu einem Buch bilden, dass ich nicht gelesen habe.

    LG Kerstin

    • Jennifer

      Liebe Kerstin,
      hihi, genau solch eine Reaktion wie deine wollte ich hervorrufen 🙂
      Freut mich sehr, dass meine kleine Kolumne so viel Gesprächsanregung findet 😉
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Nadine

    Ein schön geschriebener Text! Kann man auch gut auf Filme übertragen, habe da auch nicht alle gesehen (auch hier ein Ding der Unmöglichkeit) und dennoch kann ich mich mit Freunden über sie sprechen, einfach weil ich die Story kenne, vereinzelnde Filmszenen…
    Liebe Grüße
    Nadine
    #litnetzwerk

    • Jennifer

      Hi Nadine,
      das stimmt absolut! Zwar hatte ich Filme beim Schreiben so gar nicht im Kopf, aber das funktioniert ja ähnlich. Mein Freund und ich haben letzt über „Der Pate“ geredet, haben wir beide nicht geschaut 😀
      Liebe Grüße
      Jennifer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.