Rezension

[Rezension] Von Stigmatisierung: „Väterland“ von Christophe Léon

Die liebe Mademoiselle Facettenreich hat mir das Buch Väterland zugesandt, nachdem sie es ausgelesen hatte. Eigentlich lese ich wenige Jugendbücher, dieses hatte mich aber aufgrund der Thematik neugierig gemacht:

Väterland

Frankreich in einer (hoffentlich) dystopischen Welt: Die junge Gabrielle wurde von einem homosexuellem Paar adoptiert, sie hat zwei Väter. Für sie eine Selbstverständlichkeit, für viele Menschen ein Affront. Ein neues Gesetz gegen Homosexualität macht sie zu Ausgestoßenen, die sich in einem Ghetto am Rande von Paris mit vielen Anderen wenig teilen müssen. Zu Gabrielles Geburtstag möchten ihre Väter ihr ein besonderes Geschenk machen und wagen sich dafür illegalerweise mitten in die Stadt, in der sie nicht  mehr willkommen sind.

Die rosa Raute als Symbol

Die Parallelen sind eindeutig und müssen nicht weiter erklärt werden: Die rosa Raute, die sie angeblich tragen sollen um homosexuelle Anfeindungen schneller erkennen zu können, macht sie zu Gebranntmarkten. Auch die sonstige Stigmatisierung wirkt geradezu platt in ihrer Eindeutigkeit. Die Übertragung von Religion auf Sexualität ist gelungen und wirkt gleichzeitig viel zu simpel. Die kindliche Perspektive durch Gabrielles Augen lässt viel Raum für Naivitäten, im starkem Gegensatz dazu stehen die intellektuellen Impulse durch die beiden Vaterfiguren. Erläutert wird jedoch leider wenig und daher würde ich das Buch Kindern und Jugendliche ohne weitere Diskussion oder Hintergrundinformationen nicht empfehlen. Denn nur mit dem nötigen Hintergrundwissen lassen sich Verbindungen ziehen und wirkt die Stimmung im Buch.

Was ich als sehr gelungen empfand, waren die zeitlichen Sprünge zwischen der furchtbaren Gegenwart zu einer sich stückweise verändernden Vergangenheit. Leider wird das Buch ausschließlich durch Gabrielle erzählt, eine erwachsenere Perspektive hätte sicher noch einiges an Potenzial gebracht. Die Veränderungen, die beschrieben werden, sind schleichend und oftmals aus kindlicher Perspektive nicht nachvollziehbar. Zudem erzählt die Erzählerin Gabrielle auch munter, wenn sie an Geschehnissen nicht direkt beteiligt, gar nicht einmal anwesend, ist. Eine weitere Perspektive, eine andere Familie beispielsweise, hätte dem Buch aber so oder so gut getan: So verharrt es leider und erzählt weder die ganze Geschichte noch bildet es die kleine Familie akkurat ab. So verharrt das Buch leider zwischen den beiden Thematiken der Ausgrenzung und des Familienbildes und kann sich weder dem einen noch dem anderen in Gänze widmen.

Fazit: Ein Buch mit dystopischem Charakter, das leider ein wenig Potenzial  durch die Perspektive verschenkt. Ein packendes Thema, das vor allem durch die Angst vor der beschriebenen Zukunft wirkt. Ich empfehle für Jugendliche die weitere thematische Beschäftigung (etwa mit den Unterrichtsmaterialien, die vom Verlag zur Verfügung gestellt werden).


Weitere Meinungen

„Leider hat das Buch gerade mal 116 Seiten und konnte so zwar die Idee vertiefen und auch in den wenigen Seiten schon Entsetzen und Verständnislosigkeit in mir auslösen, ich finde aber, es hätte ruhig noch ausführlicher sein dürfen.“ bei Mademoiselle Facettenreich

Deine Meinung fehlt? Lass mir einen Kommentar da, dann verlinke ich dich noch nachträglich! 🙂

Zum Buch

Väterland von Christophe Léon
aus dem Französischen übersetzt von Rosemarie Griebel-Kruip
Mixtvision (#Indie)
Beim Verlag sind Unterrichtsmaterialien zum Download vorhanden!

3 Kommentare

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