Rezension

[HateSpeech] Von Hass und Stimmungsmache: „Fake News“ von Karoline Kuhla

Als ich mich mit dem Thema zu beschäftigen begann und erste Recherchen zu interessanten Büchern anstellte, da kam mir auch dieses kleine Büchlein aus der Carlsen Klartext-Reihe unter. Zuerst wollte ich es mir gar nicht genauer ansehen, da es das Thema eben nicht ganz genau trifft. Aber je tiefer ich mich einarbeitete und dachte, desto mehr wurde mir bewusst: Ganz so themenfern wie zuerst von mir angenommen ist das Gebiet Fake News nicht. Bereits in meiner zweiten Buchvorstellung wurde von der Kommunikationswissenschaftlicherin Gina Schad eine neue Medienkompetenz gefordert. Dazu gehört natürlich auch ein Verständnis von Medien und das kritische Einordnen können:

Fake News von Karoline Kuhla

Nachrichten und Informationen bilden den Grundpfeiler von Meinungsbildung. Umso wichtiger ist es, falsche Nachrichten von richtigen unterscheiden zu können. Dieses Buch möchte einordnen und liefert zugleich Hintergründe zu Journalismus und Medien in Deutschland. Dabei hält es eine gute Mischung aus nachvollziehbaren Beispielen, die viele bereits aus Zeitungen kennen könnten, und dem theoretischen Hintergrund. In einem Grundkurs Medien werden vor allem die Medienlandschaft Deutschlands und Redaktionsprinzipien für Anfänger verständlich erklärt. Wahrheit und Lüge, Fakten und Fakes stehen in enger Relation zueinander. Die Frage, was Politik, aber auch Gesellschaft in Form von sozialen Medien und jedem einzelnen von uns, gegen Fake News tun können, wird dann am Ende noch kurz angerissen und ist der Grund, warum ich euch dieses Buch dennoch nicht vorenthalten wollte.

„Das Wichtigste ist, zu erkennen, dass ihr als Konsumenten von Medien nicht zur Passivität gezwungen seid. Ihr alle könnt einen Beitrag gegen Fake News leisten. […] Indem ihr kommentiert, teilt, verlinkt, kritisiert, verbreitet und abstimmt, seid auch ihr Multiplikatoren. Darum müsst ihr euch einer Verantwortung stellen“

Fake News, Seite 157

Was sind Fake News?

Leider wurde der Begriff Fake News in vielen Debatten immer wieder falsch eingesetzt und verwässert damit zunehmend. Welche Arten von „falschen Meldungen“ könnte es geben?

  1. Eine Nachricht, die nicht meiner Meinung entspricht und die ich daher für falsch halte.
  2. Eine Nachricht, die im Ganzen oder in Teilen Fehler enthält, weil beispielsweise nicht sauber recherchiert wurde.
  3. Eine Nachricht, die bewusst irreführend ist und entweder mit falschen Fakten oder mit falschen Zusammenhängen operiert um eine negative Stimmung zu erzeugen und Meinungsbildung negativ zu beeinflussen.

Einzig letztere ist eine Fake News im klassischen Wortsinne. Der Begriff wurde jedoch insbesondere von jenen, die selbst allzu gerne Fake News streuen inflationär genutzt, um Berichterstattung zu diskreditieren und den Begriff zu verwässern. So ist es inzwischen gar nicht mehr so einfach, über Fake News zu reden, da viele Menschen sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was dieser Begriff eigentlich bedeutet. Tatsächlich ist jedoch gerade der bewusste Einsatz von falschen Nachrichten mit Fake News gemeint. Keine schlechte Recherche oder andere Fehler im Journalismus. Sondern die gezielte Irreführung, die ja meist nicht mit irgendwelchen zufälligen Nachrichten sondern in ganz bestimmten Nachrichtenfeldern betrieben wird.

Wie hängen Fake News und Hate Speech zusammen?

Fake News sind vor allem eines: Falsch. Warum das problematisch ist, erkennt man schnell, wenn man sich einmal unter bekannten Fake News in den Kommentaren umschaut. Mit Fake News werden Stimmungen beeinflusst und es wird ein Klima erzeugt, in dem es oft nicht mehr um Fakten, sondern um Emotionen geht. In diesem Zuge ist dann auch der Sprung von negativer Kritik zu Hate Speech schnell gemacht. Eine Fake News bringt jedoch nicht zwangsläufig Hate Speech hervor, sondern kanalisiert sie nur in einem besonderen Maße. Durch Filterblasen, in welchen Menschen mit ihrer eigenen Meinung bestärkt werden, können sie sich schneller radikalisieren. Darum ist es wichtig, Fake News nicht unbedacht zu verbreiten. Denn indem man sie verbreitet und gegebenenfalls aus engen Filterblasen heraushebt, verleiht man ihnen nicht nur Aufmerksamkeit sondern auch Glaubwürdigkeit. Und das ist das Fatale an einer schnellen Weiterverbreitung: Das ihr sie eurem Umfeld (und sei es nur in den sozialen Medien) als vertrauenswürdig präsentiert. Daher kann es nie schaden vor einem Teilen einmal kurz inne zu halten. Denn wenn ihr mit eurer Person eine Glaubwürdigkeit herstellt, teilen Leute, die euch kennen und vertrauen, sehr viel schneller. Natürlich können und sollen Dinge in den Sozialen Medien geteilt werden. Aber es ist eben sinnvoll, Tweets nicht nur zu teilen, sondern auch einzuordnen: Wie stehe ich als Person dazu? Finde ich den Tweet gut? Finde ich den Tweet furchtbar? Oder vielleicht die zugrunde liegende Information? Oder die Form von Hetze, die ich erkenne und offen legen möchte? Gerade in den letzten Kapiteln stellt Fake News nicht nur journalistische Prinzipien vor, sondern schlägt einen Bogen zur Mediennutzung eines jeden Einzelnen und stellt sich damit in eine Reihe der anderen vorgestellten Bücher mit der Forderung nach persönlicher Verantwortung.

Wer sollte Fake News lesen?

Jeder, der Wissen über Medien, Journalismus und Nachrichten erwerben oder auffrischen möchte! Das Buch ist verständlich geschrieben und vereint kompakt viel Wissen. Einiges sagt einem bereits der gute Menschenverstand, aber in diesen Zusammenhang und mit viel Wissen auch für Neueinsteiger bietet das Buch eine gute Zusammenfassung. Besonders das letzte Kapitel, dass wiederum mit einem moralischem Aufruf startet fand ich gelungen im Zusammenhang mit Hate Speech!


Das Buch

Fake News von Karoline Kuhla
Carlsen Klartext

Dieses Buch wurde mir vom Verlag für meinen Themenmonat kostenfrei zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

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