Rezension

[Rezension] Lässt sich Rassismus humorvoll darstellen? – „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen“ von Shahak Shapira

Ich selbst bin eigentlich kein Fan von Shahak Shapira, genauer gesagt kannte ich ihn gar nicht, bevor ich sein Buch in die Hand nahm. Mein Freund hatte sich das Buch aber gekauft – und ironischerweise selbst noch nicht gelesen – und da mir (in seiner Wohnung) der Lesestoff ausging und ich ein neugieriger Mensch bin, dachte ich, ich wage mal was.

Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen

Shahak Shapira kommt als junger Teenager aus Israel nach Deutschland. Seine Eltern sind geschieden, zum Vater hat er kaum Kontakt. Die Mutter verliebt sich in einen Sachsen und so landen er und sein jüngerer Bruder in Laucha. Drei Juden in Sachsen. Erste Erfahrungen mit Rassismus lassen nicht alle auf sich warten. Doch davon unbeeindruckt lebt man eben sein Leben. Mit Höhen und Tiefen, Assimilation und Integration, alles ein schmaler Grat. Bis ein Vorfall Shahak gegen seinen Willen berühmt macht und zum Auslöser dieses Buches wird: Ein antisemitischer Angriff in der Neujahrsnacht 2015.

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Ist das nun lustig oder ernst?

Shapira erzählt von seiner Jugend in Tel Aviv und in Laucha und schafft es dabei eine bemerkenswerte Gratwanderung von ernsten Themen und Situationskomik zu bewahren. Der biographische Hintergrund lässt die Erzählung seiner Jugend nur umso wahrhaftiger erscheinen. Die Komik im Buch ist ein wenig gewöhnungsbedürftig – und ganz ehrlich: Mein Witz ist es nicht. Allerdings lässt sich das Buch sehr leicht lesen und ich denke, dass die Komik weniger gewollt wirkt, wenn man den Menschen Shapira (zumindest den öffentlichen) vorher kannte. Was ich als gelungen empfand waren die Verknüpfung der ernsten mit den lustigen Themen, wobei dies durchaus manchmal gewollt grenzwertig wurde, etwa wenn historische Schilderungen mit Vergleichen zur heutigen Zeit konterkariert werden. Durch die Mischung aus Witz und Ernst lässt sich das Buch gut nebenbei lesen, dennoch lohnt es sich ebenso länger über die beschriebenen Vorfälle und Problematiken nachzudenken.

Und wie so oft bei Rechtsextremen spielt auch in Battkes ambitioniertem politischen Programm die Höchststrafe für Kinderschänder eine große Rolle. Die Verfolgung von Sexualstraftätern ist neben „Ein Herz für Tiere“ und „Kein Herz für Ausländer“ das beliebteste Engagement unter Neonazis: Kaum ist das Kind fertig missbraucht, schon kommt ein Neonazi blitzkriegschnell daher und fordert die Todesstrafe. […] Dabei geht es natürlich nicht um die Opfer selbst oder darum, wie denen geholfen werden könnte, sondern um härteste Strafen für aus der Volksgemeinschaft Auszusondernde.

Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!, Seite 22 und 23

Shapira beweist dabei nicht nur Witz, sondern ebenso auch einen kritischen Blick auf aktuelle gesellschaftliche Probleme wie Rassismus oder dem Unvermögen Neonazis einschätzen zu können. Diese werden im Buch allzu klischeehaft dargestellt, doch in jedem Klischee steckt ja ein Körnchen Wahrheit. Gerade Alltagsrassismen werden nebenbei gelungen dargestellt. Ein Buch über Rassismus sollte man jedoch nicht erwarten: In erster Linie will der Autor unterhalten und nicht belehren und darin liegt der ganz eigene Reiz dieses Buches. Nach dem Lachen können wir uns über die Problemlösung immer noch Gedanken machen! Aber gerade in der heutigen Zeit wird es immer wichtiger, dass sich mehr Menschen Gedanken über Rassismus machen. Dazu bietet das Buch gute Gelegenheit, denn es ist dank der Komik sehr leicht verdaulich.

Fazit: Manchmal schmerzhaft lustig, bei gleichzeitiger ernsthafter Thematik. Ein Buch für Leute, die Shapiras Art von Komik mögen. Ich empfand es als mittelmäßig humorvoll, aber dennoch interessant zu lesen!

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Fragen an euch

Kennt ihr das Buch zufällig schon? Was haltet ihr von Shapiras Humor?

Habt ihr weitere Bücher gelesen, in denen (Alltags-)Rassismus nebenbei behandelt wird? Welche würdet ihr empfehlen?


Das Buch

Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen von Shahak Shapira
Rowohlt

2 Kommentare

  • Silvia

    Hallo Jennifer,
    Diesen Autor kenne ich noch gar nicht. Und diese Art Bücher lese ich auch nicht so gerne. Doch als Hörbuch wäre das sicher großartig!
    Viele Grüße
    Silvia

    • Jennifer

      Liebe Silvia,

      das denke ich auch! 🙂 Ich glaube, Shahak Shapira tritt auch viel als Komiker auf. Bei denen ist es ja meist so, dass vieles mit Situationskomik arbeitet und eben über das Erzählen funktioniert.
      Fand es aber dennoch interessant, wie er so total zwischen Ernst und Lustig wechseln konnte.
      Viele Grüße
      Jennifer

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