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[Montagsfrage] Ist Buch lesen oder Buch hören das gleiche?

Als ich vor gut einem Jahr anfing zu Bloggen half mir die Montagsfrage sehr eine Routine für mich zu entwickeln. Sie lehrte mich erste kürzere Beiträge zu schreiben und mit ihren immer neuen Fragen zum Lesen oder anderen Bereichen das Buch betreffend kamen mir viele Ideen, womit ich mich auf meinem Blog beschäftigen könnte. Irgendwann hatte ich so viele Ideen für Beiträge und Bücher, die ich vorstellen wollte, dass mir die Montagsfrage zu viel wurde und ich lange keine Energie mehr für sie hatte. Nun ist mein Blog umgezogen, mir selbst fehlt nach drei Monaten Praktikum viel Routine, da Beiträge unregelmäßiger kamen, und irgendwo weiß ich gerade nicht recht, in welche Richtung mein Blog sich in den nächsten Wochen entwickeln wird. Da erscheint es mir wie ein Zeichen, dass die Montagsfrage nach einer kürzeren Pause nun vom Buch-Fresserchen zum Blog Lauter und Leiser verzogen ist und es seit letzter Woche neue Fragen gibt. Denn schon einmal hat die Montagsfrage mir viele Anregungen gegeben, sowohl durch meine eigenen Gedanken als auch durch den Austausch und Input mit den anderen Teilnehmer*innen.

Die Frage diese Woche lautet:


Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Eine super spannende Frage, die vor kurzem sogar zu einem kleinen Disput auf Twitter führte! Doch dazu später mehr. Grundsätzlich kommt es bei der Antwort ein wenig darauf an, worauf die Frage abzielt. Ich lese sehr gerne Bücher. Seltener höre ich Hörbücher, vor allem, wenn ich Bahn fahre oder meine Hände anderweitig brauche. Allerdings kann ich nur bestimmte Hörbücher wirklich gut hören, denn sonst schweift meine Konzentration ab. Dann habe ich große Verständnisschwierigkeiten, da mir Teile der Handlung fehlen oder ich mir Dinge nicht vorstellen kann, weil der Erzähler einfach schon weiter ist mit seiner Fantasie als ich es bin.

In seltenen Fällen höre ich ein Hörbuch, das ich vorher bereits als Buch gelesen habe. Dann merke ich den Unterschied am stärksten, denn ein Buch liest man in seinem eigenen Rhythmus. Bei einem Sprecher ist man sehr abhängig von der Stimme. Bedeutet das also, dass Hörbücher schlechter sind? Auf Twitter entbrannte vor einigen Tagen die Diskussion um Buch und Hörbuch, weil jemand behauptet hatte, dass man Hörbücher ja hören und nicht lesen würde (sie meinte es auf einer ganz semantischen Ebene, also von der Bedeutung der Wörter hören vs. lesen aus gesehen). Darüber entwickelte sich dann die Lesart, dass Hörbücher keine Literatur seien und quasi die schlechtere Form. Dem wurde sofort heftig widersprochen. Im Kern drehte sich die Diskussion sehr schnell darum, ob man nicht die Geschichte trotzdem „kennt“, wenn man nur das Hörbuch gehört habe. Und das stimmt natürlich absolut! Man kennt die Geschichte, gut genug, um sich einen Eindruck von ihr zu verschaffen. Auch wenn viele Hörbücher (aufgrund der Länge) eingekürzt werden. Die Diskussionsgeberin zielte aber darauf ab, dass man sich für Hörbücher weniger konzentrieren müsse, das Lesen verlerne und überhaupt seien die Folgen ganz schlimm. Dem würde ich vehement widersprechen. Natürlich ist die Form der Konzentration beim Hörbuch eine gänzlich andere. Aber ich bezweifle, dass man ein Hörbuch nebenbei hört, wenn man eigentlich etwas ganz anderes macht. Ich muss mich direkt auf die Handlung konzentrieren, springe oft zurück, weil mich etwas ablenkte und ich so einige Sätze verpasst habe. Und ich glaube nicht, dass das an fehlender Konzentration meinerseits liegt. Hörbücher höre ich am besten in einer absolut ruhigen Umgebung ohne Ablenkungen. Ich frage mich, ob nicht alleine schon das konzentrierte Hören die Konzentration stärker trainiert als ein Buch zu lesen (da kann ich mitunter meinem Freund noch eine abwesende Antwort geben, ohne den Satz zu unterbrechen).

Antonia von Lauter und Leiser hat die Frage übrigens vor allem auf die Präferenz zur Sprecherstimme bezogen. Auch dort finden sich interessante Überlegungen!


Wie seht ihr das? Hört ihr Hörbücher und wenn ja, nur bestimmte oder querbeet alles?

Macht Buch oder Hörbuch für euch einen Unterschied?

6 Kommentare

  • Mein Senf für die Welt

    Sei gegrüßt!

    Ich persönlich muss mich für Hörbücher viel mehr konzentrieren. Zumindest fühlt es sich so an. Sobald ich nur kurz gedanklich abschweife, habe ich wieder die Hälfte verpasst…
    Bei Büchern schweife ich zwar auch ab, aber da lese ich ja weiter wo ich aufgehört habe. Das Buch macht nicht ohne mich weiter. .oO(Es wäre aber auch ganz schön gruselig, wenn das Abspielgerät fürs Hörbuch mitbekommen würde, wenn ich nicht mehr zuhöre…)

    Naja, da ich Hörbücher daher viel anstrengender finde – und auch mein Kopfkino nicht läuft – höre ich sie eigentlich nicht. Mir persönlich sind Bücher lieber. Besser oder schlechter ist kein von beidem.

    Montagsfrage: Hörbuch = klassisches Buch? || Mein Senf für die Welt

    Liebe grüße
    Marina

    • Jennifer

      Liebe Marina,
      ja, so wie du es mit deiner Konzentration bechreibst, geht es mir auch!
      Und ja, das wäre sehr gruselig. Ich stelle mir gerade vor, wie das Hörbuch mittendrin sagt „Du hörst aber nicht mehr zu! Jetzt hör ich auf zu lesen!“ 😀

      Ich mag Bücher auch generell lieber. Höre sehr selten Hörbücher und dann meist Bücher, die mir zum Lesen zu dick sind, wo mich aber die Geschichte dennoch interessiert.
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Lili Bücherwürmchen

    Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag!
    Ich selber wurde auch schon oft mit dieser Frage konfrotiert und habe darüber nachgedacht. Angefangen hat es, als meine Schwester mir vorwarf, ich würde beim Zählen meiner gelsesenen Seiten fuschen – immerhin zähle ich auch Hörbücher dazu, und nicht nur die Worte auf Papier. Das sehe ich selber nicht so. Im Gegenteil – wenn ich ein Buch lese, dann kaufe ich mir oft dazu das Hörbuch und lade es auf meinem Handy runter, damit ich weiter lesen / hören kann, egal wo ich bin. Vor allem nach der Schule muss ich oft Kleinigkeiten erledigen, wie zum Beispiel mein Zimmer aufzuräumen, die nicht meine Konzentration erfordern, doch meine Hände binden. Dann finde ich es immer toll, wenn ich die Zeit gleich als Entspannungsphase nutzen kann, um mein Buch „weiterzulesen“. Trotzdem würde ich das Lesen natürlich nie durch das Hören ersetzten. Ich denke, allen Buchbloggern ist klar, dass das niemals passieren würde!

    Eine besondere Form des gesprochenen Wortes muss man doch noch erwähnen: Das Vorlesen. In unserer Familie ist es, vorallem in der Weihnachtszeit, Tradition, dass wir uns oft zusammen hinsetzten und mein Vater der ganzen Familie gemütlich bei Kerzenschein vorliest, was ja auch irgendwie wie ein persönliches Hörbuch ist. Das hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen ist einem die Stimme bekannt, man wird also nicht durch immer neue Sprecher abgelenkt. Außerdem bringt es gemütliche Stunden mit der Familie, die gut gefüllt sind und eine entspannte, gemeinsame Auszeit bieten. Außerdem kann man – wie bei jedem anderen Hörbuch auch – seine Hände nutzen. Ich handarbeite immer gerne und bin so richtig produktiv. Und außerdem ist die ganze Familie immer auf dem gleichen Lesestand, d.h. unsere gemeinsamen Abendessen sind oft gefüllt mit hitzigen Diskussionen über Charaktere und Handlung, mit Spekulationen über das, was noch kommen könnte und über den Schreibstil des Autors. Jeder hat dann seinen eigenen Lieblingscharakter, den er streng verteidigt, und wir alle können uns gut austauschen, ohne das der eine den anderen spoilern könnte. Es ist einfach wunderbar und ich liebe diese Zeit des Jahres zum einem großen Teil wegen dieser Tradition.

    So, nun ist dieser Kommentar doch länger geworden, als gepant, aber da musste ich einfach mal meine Meinung zu loswerden.

    Liebe Grüße

    Lili

    • Jennifer

      Liebe Lili,
      ich antworte demnächst nochmal ausführlich auf deinen Kommentar, aber ich wollte dich kurz wissen lassen, dass dein Kommentar nicht verschluckt wurde! Durch den neuen Blog müssen jetzt alle Kommentarschreiber wieder neu von mir freigegeben werden und daher war dein Kommentar einfach noch nicht zu sehen. Er ist aber da!
      Herzlich
      Jennifer

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