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[Kolumne] Über die Schwierigkeit Bücher zu verschenken

Weihnachten, das ist die Zeit in der sich auf einmal viele wieder dazu besinnen Bücher zu verschenken. Zumindest sagen das verschiedene Studien. Ich selbst denke auch immer wieder darüber nach, wem ich welches Buch schenken könnte. Auch an dem einen oder anderen Geburtstag treibt mich diese Frage um. Da überlege ich dann, welches Buch die Person am meisten erfreuen könnte, welches sie sich vielleicht lange wünscht. Die besondere Schwierigkeit an Weihnachten besteht jedoch darin, dass man auf einen Schlag sehr viele verschiedene Menschen beschenken möchte oder muss. Und da zieht es dann den einen oder anderen in die Buchhandlung. Doch der Büchergeschenkkauf  ist nicht ganz tückenlos: Was sind nun die Schwierigkeiten beim Bücherschenken?

Buchgeschenke für Vielleser

Zu dieser Gruppe zählen wohl die meisten meiner Blogleser! Vielleser sind in der Regel sehr umgängliche Personen. Die Schwierigkeit ist bloß: Sie haben nahezu schon alle Bücher, die sie dringend lesen möchten. Und sie reden in der Regel auch eher über bereits gelesene Bücher als über diejenigen, die sie sich zum Feste wünschen. Das macht es schwierig im Gespräch unauffällig herauszufinden, welches Buch sie erfreuen würde. Zudem sind Vielleser keine Wahllosleser – oh nein! Sie wissen ganz genau, was sie lesen wollen und was nicht. Das wilde Auswählen eines beliebigen Buches, gar eines vom Vielleser nicht gelesenen Genre kann nur schief gehen…

Buchgeschenke für Wenigleser

Nicht leichter sieht es im Gegenzug mit den Weniglesern aus. Natürlich, diese Leser kennen den Buchmarkt vielleicht nicht so gut wie die Vielleser und die Chance ein Buch zu schenken, dass sie noch nicht gelesen haben ist ungleich größer. Doch haben Wenigleser oft weniger Zeit für Bücher und wählen daher umso bewusster aus, welches Buch sie unterhalten darf. Oder sie interessieren sich schlicht nicht für Bücher. Wer sich für Dokumentationen interessiert, freut sich nicht automatisch über ein Sachbuch, auch wenn da eine gewisse inhaltliche Nähe besteht. Vorsichtiges Nachfragen nach Schwerpunkten führt in der Regel jedoch nur zu Verwirrung. Harry Potter? Nie gehört oder gelesen, was soll das sein?

Buchgeschenke für diejenigen, deren Bücherregal man leider nicht genau kennt

Eine weitere Tücke beim Geschenkekauf sind die Personen, denen man zwar vielleicht eine Freude machen möchte oder nahe steht, deren Bücherregal und Geschmack man aber überhaupt gar nicht kennt. Da  ist es fast egal, ob die Person zu den Viel- oder den Weniglesern gehört, man kann eigentlich nur daneben greifen. Ob Neuerscheinung oder Klassiker, wenn man gar nicht weiß, was die Person so im Buchregal stehen hat, ist man eigentlich aufgeschmissen und kann sich maximal an Interessen (am besten aus den häufigsten Gesprächsthemen schließen) oder Hobbys orientieren. Klassischerweise zählen zu dieser Kategorie entfernte Verwandte, der Chef (für die Berufsschleimer) oder die freundliche Nachbarin, die immer die Pakete vom Postboten annimmt.

Buchgeschenke von Büchern, die man selbst noch nicht gelesen hat

Die wohl größte Falle von allen ist das Buch, das man selbst noch nicht gelesen hat. Natürlich können alle die Kritiken richtig liegen und natürlich kann der Star-Autor nicht enttäuschen. Im Zweifel ist es aber immer gut, wenn man selbst von der Qualität der Geschichte überzeugt ist und in der zu verschenkenden Liebesgeschichte die Hauptfiguren nicht der Reihe nach wegsterben. Vielleicht wäre es sinnvoller vor dem heimischen Regal stehend zu überlegen, welche Bücher einem selbst am meisten Freude machten und dann erst zu entscheiden, zu welchem Freund diese passen würden? Statt im Laden stehend zu grübeln von welchem Buch man zuletzt gehört oder gelesen hat. Im Zweifelsfalle kann man jedoch auch mal ein Buch für ein gemeinsames Leseprojekt verschenken, da ist es natürlich ungünstiger, wenn man das Buch bereits ausgelesen hat.

Und was schenk ich nun?

Im Zweifel vielleicht ein Lesezeichen? Oder gemeinsame Zeit, schließlich ist Weihnachten das Fest der Liebe und nicht des Kapitalismus. Ich selbst treffe mich beispielsweise seit Jahren mit meiner besten Freundin in der Buchhandlung (natürlich nach dem Weihnachtsstress im Januar), wir trinken einen gemeinsamen Kaffee und wir suchen uns Bücher aus, die wir uns dann direkt gegenseitig schenken. So waren wir in den letzten Jahren noch nie enttäuscht von einem Buchfehlkauf. Und spart im Sinne der Nachhaltigkeit auch am Geschenkpapier! Eine Win-Win-Situation!


Dieser Text ist mit einer Prise Humor gewürzt.

Was waren eure Tops und Flops beim Bücherschenken? Ich bin gespannt auf eure Anekdoten!

4 Kommentare

  • Yanthara

    Interessanter Eintrag

    Ich muss bei sowas jedesmal an meine Mutter denken und daran, dass sie mir zwei mal Bücher geschenkt hat mit den Worten: „Das haben sie bei Sat1 im Frühstücksfernsehn vorgestellt! Ich dachte das könnte dir gefallen.“
    Wobei ich sagen muss, dass ein Buch von Sergej Lukianenko dabei war und ich seine Bücher sehr gut finde
    Trotzdem ist sowas sehr gewagt

    • Jennifer

      Das ist ja auch eine Logik: Nur weil man gerne liest, liest man ja nicht alles…^^

      Aber schön, dass dennoch ein für dich gutes Buch dabei war! 🙂
      Amüsant ist deine Geschichte auf jeden Fall!
      Viele Grüße, Jennifer

    • Jennifer

      Ja, kann man beides machen 🙂
      Wobei manche das auch nicht mögen, ist also manchmal auch ein heißes Eisen!
      Ich hoffe, du bist gut ins neue Jahr gerutscht.
      Viele Grüße
      Jennifer

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