Rezension

[HateSpeech] #ichbinhier und Handlungstipps für sichere Diskussion im Netz

Bei der Recherche zum Thema HateSpeech trieb mich immer wieder die Frage um: Welche Initiativen oder Organisationen gibt es, die im Internet gegen Hass im Netz vorgehen? Mit #ichbinhier möchte ich euch eine von ihnen vorstellen:

#ichbinhier – Zusammen gegen Fake News und Hass im Netz von Hannes Ley

Die Idee kommt aus Schweden: Unter dem Namen #jagärhär schlossen sich Menschen zusammen, die gegen den Hass im Netz vorgehen wollten. Hannes Ley nahm die Idee auf und übertrug sie ins Deutsche, äußerst erfolgreich wie man sagen kann. Im Dezember 2016 gegründet, haben sich im Januar 2017 bereits 5000 Mitglieder angeschlossen. Anfang Februar 2017 sind es 13.000. Sie schließen sich auf Facebook als Gruppe zusammen und gehen gemeinsam gegen Hasskommentare vor. Nicht das Widerlegen von Meinungen, sondern der Dialog und das Aufbrechen von starren Fronten sind ihr Ziel. Natürlich geht es auch darum, Fakten richtig zu stellen, Unwahres nicht unkommentiert zu lassen. Aber bei #ichbinhier möchte man die Personen hinter ihrem Hass ernst nehmen. Nur dadurch würden sie bereit zum Dialog sein, denn auch im Internet erkennen Menschen, ob sie ernst genommen werden. Dafür suchen sich die Mitglieder gezielt Zeitungsartikel mit heiß diskutierten Themen auf Facebook aus, um in den Kommentaren für eine bessere Diskussionskultur zu sorgen. Sie wollen nicht mit Fakten um sich werfen, sondern die Hassschreiber wieder zu Diskussionspartnern machen – wenn es denn passt und Dialogbereitschaft vorhanden ist. Durch das gemeinsame kommentieren und liken verdrängen die Gruppenmitglieder den Hass aus den Kommentarspalten und tricksen die Algorithmen von Facebook aus.

Das Buch #ichbinhier beschreibt die Geschichte der Gruppe und ihrer Bewegung (die hoffentlich noch lange nicht an ihrem Ende angekommen ist). Es analysiert aber auch, warum Anbieter wie Facebook kein Interesse haben, im Netz zu moderieren und warum die klassischen Medien bei dieser Aufgabe versagen. Und schlussendlich zeigt Ley einen Weg, wie man dem Hass im Netz auf ruhige und unaufgeregte Art begegnen kann. Wie man diskutieren kann, ohne seinen eigenen Selbstschutz zu vernachlässigen oder seine Energie an Trolle zu verschwenden.

Das Prinzip von Counterspeech, von Gegenrede, ist deshalb so mächtig, weil sich bei #ichbinhier so viele Menschen zusammenschließen. Menschen mit verschiedensten sozialen Hintergrunden, aus verschiedenen Bildungsschichten, mit verschiedenen politischen Hintergründen. Dadurch bleibt die Gruppe ausgewogen, es geht nicht darum gegen oder für eine bestimmte politische Richtung anzuschreiben. Leider ließe sich das Konzept nicht so einfach auf Twitter oder andere Soziale Medien übertragen, da dort andere Algorithmen vorherrschen und die Kommentare sich anders aufeinander beziehen. Die Idee hinter #ichbinhier und die Handlungstipps dagegen lassen sich auch anderweitig anwenden und dies macht das Buch sehr wertvoll zu lesen. Hannes Ley erhielt übrigens am 22. Mai den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für seinen „Beitrag zum Schutz von Meinungsfreiheit im digitalen Zeitalter“ (Quelle: Dumont Buchverlag).

Wer sollte #ichbinhier lesen?

Das Buch stellt in erster Linie die Gruppe #ichbinhier vor und beschreibt ihr Vorgehen. Wer sich dafür interessiert oder sich vielleicht sogar anschließen möchte, erfährt allerlei Wissenswertes. Aber auch wer sich allgemein dafür interessiert, wie sich im Internet ein besseres Diskussionsklima herstellen lässt, erhält viele Anregungen!


Das Buch

#ichbinhier – Zusammen gegen Fake News und Hass im Netz von Hannes Ley
Dumont Buchverlag

Dieses Buch wurde mir für meinen Themenmonat vom Verlag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

HateSpeech2

Kleine Handlungstipps für den sicheren Umgang im Netz:

Frei nach Hannes Ley

Schützt euch selbst!

Gebt nicht zu viel Persönliches preis, macht euch nicht angreifbar und achtet auf eure Gesundheit. Zu blocken bedeutet auch, euch unangenehmen Situationen zu entziehen!

Meldet Hass!

Wenn ihr direkt betroffen seid, habt ihr die Möglichkeit strafrechtliche Konsequenzen in die Wege zu leiten. Nutzt Online-Meldestellen der Polizei und sichert Beweise.

Wenn ihr nicht direkt betroffen seid: Meldet Hasskommentatoren bei der entsprechenden Plattform. Das ist anonym und unterstützt Betroffene. Selbst wenn es keine direkten Konsequenzen für die Kommentatoren gibt, lernt die Plattform langfristig daraus, dass Hass im Netz erkannt und nicht geduldet wird.

Bleibt nicht alleine!

Sucht euch Hilfe in Form von Gegenrede durch Andere, organisiert euch oder teilt Probleme und Zweifel miteinander. Eine einfache Form gegen Hasskommentare anzugehen ist es, sie an Organisationen zu melden, die beispielsweise für jeden Hasskommentar einen Euro gegen Hass spenden (eine solche Aktion ist beispielsweise Hass hilft). Darüber wird der Hasskommentator unter seinem Beitrag informiert und ärgert sich sicher sehr.

Gegenrede, wenn ihr die Kraft habt

Ihr könnt euch auch direkt mit Hasskommentatoren auseinandersetzen. Achtet jedoch darauf, eure Energie nicht sinnfrei zu verbrennen. Diskutiert nur, wenn euer Gegenüber auch diskutieren will. Und: Nehmt euer Gegenüber ernst. Fragt nach der Motivation und den Hintergründen seines Kommentars. Seid nicht von oben herab und beleidigt nicht, dadurch schaukeln sich Diskussionen nur hoch.


Diskussion

Kennt ihr noch weitere Tipps, wie man mit Hass im Netz umgehen könnt? Wie sind eure Erfahrungen? 

Welche Gruppen oder Organisationen kennt ihr noch, die sich gegen den Hass im Netz stellen? Sammelt gerne mit, denn demnächst wird es dazu eine kleine Übersicht geben 🙂


Dieses Buch wurde mir für meinen Themenmonat vom Verlag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

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