Rezension

Der Erzähler wird zum Zuhörer in „Der Bücherdrache“ von Walter Moers

Walter Moers beschert uns mit Der Bücherdrache eine kurze Pause vom Warten auf den nächsten Zamonien-Band. Ob wir wohl jemals mit der Veröffentlichung des Schloss der träumenden Bücher rechnen können? Jedenfalls macht Der Bücherdrache im Gegensatz zu Weihnachten auf der Lindwurmfeste einiges richtig!

Worum geht es in Der Bücherdrache?

Der Buchling Hildegunst von Mythenmetz, benannt nach seinem literarischen Vorbild dem gleichnamigen legendären Autor, erzählt nun selbst eine spannende Geschichte: In seinen jungen Jahren machte er sich auf den Weg in die Sümpfe der Unterwelt um den sagenumwogenen Bücherdrachen zu finden. Seit Jahrzehnten haust dieser angeblich in den Sümpfen und im Laufe der Jahre wanderte das Orm unter seine Schuppen – oder ist etwa doch alles ein Märchen für kleine Buchlinge?

Wenn der Erzähler zum Zuhörer wird

Hildegunst von Mythenmetz ist mir ja schon lange ans Herz gewachsen. Aber solange nicht bald mal Das Schloss der träumenden Bücher erscheint, wüsste ich nicht, welche Geschichte ich noch von ihm erwarten sollte. Umso mehr überrascht dieser Kurzroman: Mythenmetz wird darin vom Geschichtenerzähler zum Zuhörer degradiert, auch wenn er dies eindeutig noch ein wenig üben muss! Stattdessen erzählt der Ormling Hildegunst eine Geschichte aus seiner Jugend. Damals machte er sich auf der Grundlage einer Sage vom Bücherdrachen auf den Weg in die Sümpfe der Unterwelt.

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Dort wo den Erzählungen nach der Bücherdrache in den Sümpfen haust, liegt des Buchlings Hildegunsts Ziel. Denn der Bücherdrache badete sich so lange in Geschichten und Erzählungen, dass er am Ende von Orm durchdrungen war. Von dieser sagenhaften Gestalt erhofft Hildegunst sich Antworten über das Wesen des Orm und die Dichtkunst.  Außerdem muss er seinen Mit-Buchlingen beweisen, dass er kein Feigling ist. Aber ein hungriger Bücherdrache, der seit Jahrzehnten alleine in den Katakomben umherstreift ist keine gute Gesellschaft für einen jungen Buchling. Und schneller als es ihm lieb ist, wird Hildegunst von diesem gefunden. Kann er sich – mithilfe seiner Mitsuchenden – aus der Gewalt des Bücherdrachens befreien?

Gewohnt detailliert bebildert und mit einigen unerwarteten Moerschen Wendungen erzählt Hildegunst von seiner Reise und der Begegnung mit dem Bücherdrachen. Oder war am Ende etwa alles nur ein wilder Traum?

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Bekannt für seine Erzählungen mit einer gewissen Metaebene was die Erzählfigur angeht, geht Moers dieses Mal noch einen Schritt weiter: Wer ist Erzähler? Kann man dem Erzähler glauben? Und spielt das alles eigentlich eine Rolle, wenn man dafür eine tolle Geschichte aus Zamonien erhält? Diese Entscheidungen muss jeder Leser ganz für sich alleine treffen…

Fazit: Eine kurzweilige Geschichte aus Zamonien. Ein Drache aus Büchern, die Suche nach dem Orm und ein neuer Geschichtenerzähler: Was für eine gelungene Mischung für gute Unterhaltung!


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Der Bücherdrache von Walter Moers
192 Seiten, Hardcover
erschienen im März 2019
Penguin Verlag

Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das kostenfreie Exemplar!

9 Kommentare

  • LeseWelle

    Hallo Jennifer,
    ich fand Der Bücherdrache war endlich mal wieder ein echt tolles Zamonien Buch. Aber wie du schon erwähnst, wäre es sehr schön, wenn endlich mal Das Schloß der Träumenden Bücher erscheinen würde.
    Auf jeden Fall ist deine Rezension sehr schön und gefällt mir sehr gut. 😀
    Wenn es okay, ist verlinke ich dich gerne bei meiner Rezension.
    Liebe Grüße
    Diana

    • Jennifer

      Liebe Diana,
      ich fand den Bücherdrachen auch im Vergleich mit dem Weihnachtsbuch viel, viel besser.
      Leider fürchte ich, dass wir auf das Schloss wohl noch ewig warten werden, seufz. Der Termin wird ja vom Verlag seit Jahren verschoben…

      Freue mich sehr über die Verlinkung 🙂
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Emma Zecka

    Hi :),
    ich habe den „Bücherdrachen“ ebenfalls gelesen und bin noch etwas hin- und her gerissen. Einerseits hat mir die Erzählung gut gefallen. Ich fand das Abenteuer der Buchlinge spannend. Andererseits wurde mir auch „zu“ viel erzählt und hier und da wirkte die Handlung auf mich etwas zäh.
    Dennoch war es eine kurzweilig, schöne Geschichte.
    viele Grüße
    Emma

    • Jennifer

      Liebe Emma,
      danke für deinen Kommentar! 🙂
      Was genau meinst du mit zu viel erzählt? Meinst du die Meta-Geschichte zwischen Hildegunst und Hildegunst Zwei? Das fand ich gerade klasse, weil einfach so Moers ist 😀
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Tina

    Hallo Jennifer,

    ich habe so lange nichts von Walter Moers gelesen, kann mich aber noch sehr gut an „Die Stadt der träumenden Bücher“ erinnern. Es sollte alles nochmal gelesen werden, damit ich wieder auf den aktuellen Stand bin. Über die Jahre habe ich doch den Faden verloren, was den Autoren angeht, obwohl ich seine Art zu schreiben absolut faszinierend finde.
    Danke für die Buchvorstellung.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Hi Tina,
      ich finde Moers fantastisch, aber man muss ihn schon hochkonzentriert lesen, sonst entgeht einem so einiges 😀
      Wir haben übrigens alle Bücher von Moers, wenn du dir mal was leihen möchtest… 😉
      Liebe Grüße
      Jennifer

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