Rezension

Hilft „Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ von Natascha Wegelin (Madame Moneypenny) beim Einstieg in die Altersvorsorge?

Seit mein Studium sich dem Ende näherte, denke ich vermehrt über den Einstieg ins Berufsleben, meine veränderte (finanzielle) Situation als Berufstätige und meine Altersvorsorge nach. Schon länger beschäftige ich mich daher auch mit dem großen und manchmal furchteinflössenden Thema Finanzen. Heute möchte ich euch ein wenig von meiner gedanklichen Entwicklung und einem Buch erzählen, dass dem einen oder anderen bei diesem Thema helfen könnte.

Warum brauchen Frauen überhaupt eigene Finanz-Bücher?

Die Angst vor einer zu niedrigen Rente dürften wohl viele verspüren. Gerade Frauen beschäftigen sich jedoch mit dem komplexen Thema Rente und Altersvorsorge tendenziell nur ungern. Dabei erwartet Frauen eine andere Erwerbsbiografie als Männer, da mitunter (längere) Elternzeiten genommen werden und statistisch häufiger in Teilzeit gearbeitet wird. So fällt es vielen Frauen eher schwer eine große Rentenrücklage aufzubauen. Das Problem ist altbekannt und keineswegs neu. Dennoch erregt das Thema nur hin und wieder Aufmerksamkeit, wenn etwa neue Zahlen bekannt werden. So liegt laut OECD-Studie „Renten auf einen Blick 2019“ die Rente von Frauen über 65 Jahren heute etwa 46 Prozent niedriger als bei Männern (Stand November 2019, Quelle: Focus). Insofern ist das Thema Altersvorsorge eigentlich ein wichtiges Thema, mit dem sich Frauen beschäftigen sollten. Und genau dort setzt das Buch von Natascha Wegelin an.

Was steht in Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können und wem nützt dieses Buch?

Während des Lesens habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, was dieses Buch eigentlich sein möchte? Ein Sachbuch über weibliche Altersarmut? Ein Ratgeber für die noch unentschlossenen, die sich nicht trauen, sich mit Finanzen zu beschäftigen? Oder ein Roman über eine Familie beim Grillen? Gespickt mit Infokästen und ganz grundlegenden Informationen über das Wesen von Banken, Beratern und Anlagestrategien und garniert mit kurzweiligen Interviews von inzwischen finanziell selbständigen Frauen ist das Buch niedrigschwellig und motivierend tiefer ins Thema einzusteigen. Der Aufbau ist dabei augenscheinlich recht simpel: Die Erzählerin Natascha ist bei ihrer Familie zum Grillen und über die Verschuldung der Schwester Lara kommt das Thema auf Schuldenabbau und Vermögensaufbau. Und so nutzt Natascha die Gelegenheit ihrer Familie einiges über das Thema Finanzen beizubringen. Zwischen Küchenvergleichen und immer wieder unterbrochen durch diverse Essensvorbereitungen werden diverse finanzielle Themen angeschnitten. Durch diesen Aufbau bleibt das Buch sehr, sehr niedrigschwellig, wobei ich gestehen muss, dass ich mir mitunter weniger Familiengespräche und mehr Finanz-Informationen gewünscht habe. Das Ziel der Buches ist es eindeutig eher Ängste vor dem Thema Finanzen abzubauen und weniger eine Anleitung zum Einstieg in die Altersvorsorge zu geben. Dennoch werden viele grundsätzliche Dinge auf einfache Art erklärt, sodass man sich sicherer im Thema fühlt. Das Buch ist damit eher als Hilfe für das nötige Mindset geeignet und bietet nur einen ersten Ansatzpunkt zur weiteren Informationssuche. Dennoch fühlte ich mich nach dem Lesen motiviert und zugleich auch mit ausreichenden Informationen ausgestattet, um mir weitere Informationen zu suchen und mir Gedanken um meine eigene Altersvorsorge zu machen.

Auch wenn die Zielgruppe von Natascha Wegelin ganz grundsätzlich alle Frauen sind, die sich mit dem Thema Finanzen beschäftigen müssen, so ist das Buch vom Stil her eher an ein älteres Publikum gerichtet. Durch die Frage-Antwort-Situation mit der in finanziellen Fragen unwissenden Schwester sowie deren Mann, die generelle Unwissenheit der Mutter über Finanzielles und die teilweise generösen Einwürfe des Vaters wirkt das Gespräch mitunter sehr konstruiert und zugleich behäbig. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Art der Aufbereitung Hemmungen abbauen kann, hätte mir selbst jedoch manchmal ein mehr sachlich orientiertes Buch gewünscht. Dennoch konnte selbst ich vieles an Wissen und Mindset aus dem Buch mitnehmen.

Auch wenn das Buch viele nützliche Kenntnisse bereithält, bleibt eine Tatsache bestehen: Vermögensaufbau muss man sich erst einmal leisten können. Natürlich kann man nur Geld sparen, wenn man dieses auch zur Verfügung hat. Insofern gehören auch die Themen Schuldenabbau und allgemeines Sparen (bzw. Sparverhalten) in das Buch und werden zu Anfang thematisiert. Schlussendlich lautet das Credo des Buches: Frauen, nehmt eure Finanzen in die eigene Hand!, ganz unabhängig davon, was dies für die Einzelne bedeuten mag.

Fazit: Einfach erklärte Fakten und Zusammenhänge aus der Welt der Finanzen und des Vermögensaufbaus im Gewand eines Grillabends. Manchmal enervierend langsam, aber dafür stetig führt Wegelin durch Begriffe und baut dabei Ängste und Hemmungen ab, sich mit komplexen Themen zu beschäftigen. Für absolute Einsteiger als erste Informationsquelle geeignet!

Als Madame Moneypenny betreibt Natascha Wegelin unter anderem einen Blog, einen Youtube-Kanal und eine Women-only-Facebookgruppe. Einmal im Monat lädt sie auf Youtube, aber auch als Livestream auf Facebook und Instagram sowie als nachträglichen Podcast, einen einstündigen Talk zu wechselnden Themen hoch. Dort dreht sich alles um das nötige Mindset für eine Beschäftigung mit den eigenen Finanzen. Diese Talks bieten einen guten Einstieg ins Finanzthema, da sie sehr niedrigschwellig gestaltet sind. Für weitere Informationen aus den Bereichen Geldanlage und Altersvorsorge muss man jedoch kostenpflichtige Onlinekurse bieten, was ich voraussichtlich nicht tun werde.


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Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können von Natascha Wegelin (aka Madame Moneypenny)
240 Seiten, Taschenbuch
erschienen August 2018
Rowohlt

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