Bücher in Büchern,  Was haltet ihr davon?

Das Phänomen der Buchhandlung als Handlungsort | Kolumne

In meiner Lieblingskategorie Bücher in Büchern gab es schon länger keinen Beitrag mehr. Das liegt nun wirklich nicht daran, dass ich keine Bücher gelesen habe, in denen Bücher oder das Lesen in irgendeiner Form thematisiert wurden. Aber genau da liegt das Problem: Allzu oft ist das Buch im Buch einfach nur billige Kulisse. Und darüber mag ich dann nicht jedes mal bloggen. Statt über einzelne Bücher möchte ich darum lieber über das Phänomen an sich schreiben – ich bin sicher ihr alle kennt unzählige eigene Beispiele.

Die Buchhandlung als Handlungsort

Das Prinzip ist relativ gängig und simpel zu erklären: Ein Teil der Romanhandlung findet in einer Buchhandlung statt. Entweder weil eine Buchhändlerin (ja, tendenziell handelt es sich eher um Protagonistinnen) zu den unmittelbar handelnden Figuren gehört. Oder weil eine junge Frau, maximal mittelalt, vor ihrer Vergangenheit auf eine Insel flieht und dort eine kleine Buchhandlung eröffnet – und ihren großen Traum lebt. Dazwischen gibt es eine gewisse Spanne, aber ganz grundsätzlich lässt sich das Setting so wohl beschreiben. Und daran ist ganz grundsätzlich auch gar nichts schlechtes. Wir Büchermenschen lieben ja Bücher über Bücher. Schade finde ich jedoch, dass die Buchhandlung in diesen Romanen allzu sehr Klischee wird. Der Alltag im Buchhandel ist sicherlich vieles – romantisch ist er in der Regel nicht.

Nun könnte man sich für einen Roman, beispielsweise für eine Liebesgeschichte, jedes exotische Setting und jeden ungewöhnlichen Handlungsort ausdenken. Warum also ausgerechnet eine Buchhandlung wählen? Und warum wird auf dem Klappentext oder gar im Titel der Handlungsort Buchhandlung explizit erwähnt, auch wenn nur ein Bruchteil der eigentlichen Handlung im Buchladen spielt?

Warum spielen so viele Romane in einer Buchhandlung?

Wenn das Setting der Buchhandlung also nicht dem Zweck dient den Buchhandel oder die Buchwelt realistisch darzustellen (und dazu gibt es ja auch genügend Beispiele in Form von Satiren auf den Buchmarkt), warum gibt es dann so viele Buchhandlungsromane? Ganz einfach: Weil wir Leser:innen sie scheinbar lieben. Wer liest nicht gerne von anderen Menschen, die Bücher toll finden, gar in einer Buchhandlung arbeiten? Und da ist es dann auch in Ordnung, wenn innerhalb von rund 300 Seiten aus einer schlecht besuchten und dunklen Buchhandlung ein beliebter Szene-Treff voller gut gelaunter Käufer und regelmäßiger Lesungen wird. Denn genau das ist es doch, was wir lesen wollen: Wir wollen nicht lesen, dass die charmante Buchhandlung in Italien mit der großen Buchhandelskette um die Laufkundschaft kämpft oder wie hart die Gründung eines Buchladens ist. Nein, lieber lassen wir uns von unseren klischeehaften Vorstellungen vom Buchhandelsalltag einlullen und drücken der gut aussehenden, aber sich ihres Aussehens sehr unsicheren, Buchhändlerin die Daumen bei ihrer beginnenden Romanze mit einem Stammkunden oder – noch besser – dem ganz in der Nähe wohnenden und zufällig auf einen Kaffee vorbeikommenden (huch, wo kommt denn das Café im Buchladen auf einmal her?) Autor. Und so erfreuen wir uns an Romanen, die uns eine erblühende Buchhandlung versprechen, auch wenn die charmante und liebenswerte Buchhändlerin eigentlich nur in zwei Kapiteln einmal in der Buchhandlung steht und den Rest der Seiten auf der Suche nach der großen Liebe durch Cafés und Dates stolpert.

Es wurde Abend. Nachdem der letzte Kunde gegangen war, blieb Anna allein in der Buchhandlung zurück. Inzwischen hatte sie eine starke innere Verbindung zu dem altmodischen, heimeligen Laden aufgebaut. Es war, als würde sie jeden Tag eine neue verborgene Seite entdecken. Kaum hatte sie die Musik angestellt, kam Giulia, eine Flasche Rotwein in der Hand und eine Tüte mit Essbaren in der anderen.

Der Buchladen der verlorenen Herzen, Seite 142

Und während sich die große Liebe anbahnt, läuft der Buchladen ganz von alleine. Was für ein Traumjob! Und natürlich könnte man nun sagen, dass sich (vielleicht insbesondere in Liebesromanen) Romanhandlungen sowieso nicht an der Realität orientieren. Wieso also diese Aufregung? Was mich stört ist tatsächlich weniger die Tatsache, dass diese Romane sich die Buchhandlung als Handlungsort auserkoren haben. Nein, was mich stört ist die Tatsache, dass ich mit dem Versprechen nach Buchladen gelockt werde, nur um mich dann unversehens in einem Café wiederzufinden. Denn es gibt auch unzählige Romane, die tatsächlich in einer Buchhandlung spielen und diese nicht einfach nur als Lockmittel benutzen. Gute Bücher, in denen wahlweise der harte Alltag in der Buchhandlung geschildert wird oder eben all die witzigen Begegnungen mit Menschen auf der Suche nach Literatur. Und darunter darf dann auch die Liebe des Lebens sein, wenn die beiden Protagonisten nicht nach Kapitel 1 den Buchladen verlassen und für den Rest des Romans nicht wieder betreten.

Lasst uns Beispiele sammeln!

Ich selbst habe jüngst einen Buchhandlungsroman gelesen, bei dem ich mich mit jedem weiteren Kapitel fragte, warum als Handlungsort nicht eine kleine Galerie, ein Schmuckladen oder vielleicht ein kleines Mode-Geschäft gewählt wurde. Für einen entspannten Frühlings- oder Sommerurlaub ist ein solches Buch übrigens durchaus gut geeignet. Ich möchte dieses Buch auch nicht schlecht reden, es ist nur eines von unzähligen Beispielen von Büchern, in denen Titel oder Klappentext mehr Buchhandlung versprechen, als die Geschichte am Ende bereithält. Für einen entspannten Nachmittag und den Traum vom eigenen Buchladen eignen sich solche Romane wunderbar. Wer mehr erwartet, wird dagegen unweigerlich enttäuscht…

Und weil ihr alle das Phänomen kennt, möchte ich hiermit zu einer kleinen Sammlung aufrufen: Welche Buchhandlungsromane kennt ihr und war der Buchladen darin nur ein Lockmittel oder tatsächlich ein gut gewählter Handlungsort?

2 Kommentare

  • Carole

    Oooh, mich nervt das auch immer. Ich hab das Gefühl, dass eben ganz viele von uns Büchermenschen von genau diesem Stting auch träumen. Mein letztes Buch, das in einem Bücherladen spielte, war „das Lavendelzimmer“ von Nina George. Ich hab es zwar abgebrochen, aber aus anderen Gründen. Denn DER Bücherladen ist eigentlich kein Bücherladen sondern ein Bücherboot bzw eine Bücherapotheke. Und das hatte tatsächlich seinen Reiz, weil es einfach mal was neues war!

  • Emma Zecka

    Hey Jennifer,
    ja, das Problem mit den Romanen, die mit einer Buchhandlung oder dem Thema „Bücher in Büchern“ locken und dann einen anderen Inhalt haben, kenne ich sehr gut. Ein Flop, von dem ich immer noch sehr genervt bin ist „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“. Da macht sich eine alleinerziehende Mutter mit dem Freund ihrer Tochter auf die Reise. Sie leben zwar in einem Bücherbus, allerdings geht es nicht wirklich um die Liebe zu Büchern.
    Bücher in Büchern, die mir aber sehr gut gefallen haben waren: „Stadt der Diebe“ von David Benioff. Hier müssen zwei junge Erwachsene innerhalb kurzer Zeit ein Dutzend Eier für eine Hochzeitstorte auftreiben. Mitten im zweiten Weltkrieg. Einer der Protagonisten zitiert immer wieder aus dem Buch „Der Hofhund“. Irgendwann war ich dann soweit, dass ich das Buch gegoogelt habe, in der Hoffnung, es anschließend lesen zu können.
    In „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ bezieht sich John Green immer wieder auf „Ein herrschaftliches Leiden“, was ebenfalls sehr gut in den Roman eingebaut wurde.
    Okay, jetzt fällt mir noch ein Titel ein. In „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafon entdeckt der Protagonist seine Liebe zu einem Autor. Hier gibt es immer wieder Szenen, die in einer Buchhandlung spielen. Toll fand ich auch, dass die Liebe zu dem Autor bzw. die Liebe zu dem Buch die Geschichte in Gang bringen.
    viele Grüße
    Emma

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