Bücher in Büchern,  Rezension

[BücherinBüchern] Der blinde Literaturbetrieb: „Ein Bär will nach oben“ von William Kotzwinkle

Dieser Roman wurde mir auf Twitter empfohlen und ich bin sehr dankbar dafür, alleine über den Titel wäre ich wohl niemals darauf gekommen, ihn zu lesen. Dabei ist der Titel wirklich nicht schlecht gewählt, er lässt nur nicht auf den ersten Blick erkennen, welche Geschichte sich da verbirgt:

Ein Bär will nach oben

Arthur Bramhall ist Literaturdozent an einer amerikanischen Universität. Und er schrieb ein Buch: Sein erstes Buch verbrannte im Feuer, um sich davor zu schützen, legt er die zweite Version in einer Aktentasche unter einen Baum. Dort findet ein Bär die Tasche und dieser Bär, der findet die Idee Autor zu werden selbst gar nicht schlecht. So stellt er sich aufrecht hin, sucht sich einen guten Namen aus (Hal Jam, Marmelade, lecker) und macht sich auf die Suche nach einem Agenten. Das Buch wird ein Bestseller und Hal wird äußerst begehrt. Obgleich seine Antworten kurz und mysteriös sind, seine tierischen Instinkte mitunter durchschlagen, wird er als naturnaher Autor verehrt.

Arthur dagegen sucht sein Manuskript und kämpft derweil mit einer Wintermüdigkeit. In einer nahen Höhle rollt er sich für einen tiefen Schlaf zusammen. Ob er sein Buch jemals wiederfindet – und seine Menschlichkeit gleich mit?

Sinn und Unsinn von Autorenvermarktung

Ich hatte über Twitter Bücher gesucht, die den Literaturbetrieb ein wenig auf die Schippe nehmen und in denen Autoren und auch Möchtegern-Autoren präsentiert werden. Dieser Roman ist ein Paradebeispiel! Offenbar ist ein gelungenes Manuskript zu haben gar nicht die Grundvoraussetzung um als Autor zu brillieren. Im Gegenteil, sofern man nur ein Manuskript hat und jemand im Literaturbetrieb Interesse zeigt, entwickelt sich ein Eigenleben. Vermarktet werden kann alles, über die Qualität des Manuskriptes wird zwar nebenbei debattiert, die Schaffung eines vermarktungsfähigen Autors steht jedoch klar im Vordergrund. Das nimmt dann bisweilen auch bizarre Züge an, denn der Autor in Spe kämpft noch ein wenig mit der Sprache und vor allem mit menschlichen Verhaltensweisen.

Natürlich geht es bei der Bekanntmachung und Anpreisung des Buches weniger um den Inhalt als um Verkaufszahlen, das ist auch im wahren Literaturbetrieb ein starker Motor, denn ohne Verkäufe auch keine Gehälter. Interessant finde ich hier einerseits, dass niemand den Bären als Bär erkennt, alle halten ihn für einen, zwar merkwürdigen, aber eben erfolgreichen Autoren. Der Bär wird ein wenige menschlicher durch seine Rolle, Arthur als Gegenstück dazu verliert mit dem Roman gleichsam seine Menschlichkeit und wird nach und nach immer tierähnlicher. Selbst als er sich dieses Kreislaufes bewusst wird, kann er nicht dagegen an. So werden Sprache und Zivilisation miteinander verbunden und im Roman, dem Arthurs bzw. Hals, miteinander verknüpft. Amüsant ist das Buch allemal, wenn mir auch die Rolle der Menschlichkeit noch nicht ganz schlüssig geworden ist.

Fazit: Amüsante Einblicke in einen Literaturbetrieb, der Autoren erhebt und Merkwürdigkeiten nicht in Frage stellt.


Das Buch

Ein Bär will nach oben von William Kotzwinkle
gebundene Ausgabe: Eichborn Verlag
Taschenbuch: rororo


In der Reihe Bücher in Büchern stelle ich regelmäßig Bücher über Literatur und den Literaturbetrieb vor.

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2 Kommentare

  • Sabrina | Lesefreude

    Hallo Jennifer!

    Das Cover und den Titel assoziiere ich eher mit einem Kinderbuch. Der Aufstieg des Bärs klingt interessant. Es hat sich in der Geschichte schon sehr oft gezeigt, dass gutes Marketing wichtiger ist als das eigentliche Produkte. Nicht nur wenn es Literatur geht. Aus diesem Blickwinkel interessiert mich das Buch.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    • Jennifer

      Hallo Sabrina,
      ja, ich hätte alleine aufgrund des Covers auch nie zu dem Buch gegriffen, wenn ich es nicht empfohlen bekommen hätte! Aber dann war es wirklich amüsant. Ja, Marketing ist alles! Das ist überall so, aber in der Literaturbranche lügt man sich ja gerne was wegen dem „Kulturgut“ Buch in die Tasche… 😉
      Ich kann dir das Buch auch gerne leihen, wenn du magst 🙂
      Viele Grüße
      Jennifer

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