Rezension

[BücherinBüchern] Wie trickst man den Literaturbetrieb aus?: „Bestseller“ von Klaus Modick

Über den Literaturbetrieb

Es ist schon eine Weile her, dass der Schriftsteller Lukas Domcik einen erfolgreichen Roman veröffentlicht hat. Sein Verleger rät ihm zu einem medial heißen Thema, beispielsweise dem Nationalsozialismus. Doch Domcik will seinen guten Namen für so etwas nicht hergeben.

Als er jedoch die attraktive Rachel am Theater trifft, die so gerne berühmt würde, und seine Großtante ihm ein altes Manuskript vererbt, kommt ihm ein genialer Plan – und ein ein brisantes Spiel mit dem Literaturbetrieb beginnt.

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Man beachte den schönen Aufkleber 😉 Mehr zu Aufklebern

Entlarvend, lustig, ehrlich

Modick nimmt mit diesem kurzen wie kurzweiligen Roman den Literaturbetrieb, vor allem auch die Literaturkritik, aufs Korn. Der Klappentext täuscht ein wenig, denn tatsächlich spielt der Schreibprozess – wer würde das ahnen bei einem Schriftsteller – eine große Rolle. Eine weit Größere übrigens, als ich selbst erwartet hatte. Dennoch ist der Roman amüsant und sehr entlarvend. Auf humorvolle Weise wird die Handlung geschildert, der Leser ahnt schon früh, wie der Hase läuft – alleine, Lukas bekommt nicht mit wie die schöne Schauspielerin Rachel ihn an der Nase herumführt. Dennoch verliert das Buch dadurch keinen Reiz!

Sprachlich kommt das Buch anfangs ein wenig „hölzern“ her, was aber sehr gut zu dem etwas ältlichen Schriftsteller passt. Er erzählt in der Rückschau, verspinnt sich anfangs auch immer wieder in kurzen Abschweifungen, die jedoch im weiteren Verlauf notwendig werden:

Höchste Zeit, die Wahrheit zu sagen. “ Nichts als die Wahrheit“ (Dieter Bohlen) Um falschen Erwartungen vorzubeugen, gebe ich allerdings zu bedenken, dass es „die“ Wahrheit nicht gibt, sondern bestenfalls meine subjektive wahrheit der leidigen und extrem dumm gelaufenen Affäre. Die „volle“ oder „ganze“ Wahrheit ergäbe sich vielleicht, wenn alle Beteiligten ihre Sicht der Sache darlegten; aber es wäre von mir zu viel verlangt und Ihnen als Leser nicht zuzumuten, all diese Hochstapler und Schwadroneure, Schaumschläger und Betriebsnudeln noch einmal zu Wort kommen zu lassen.

Bestseller, S. 7

Man merkt dem Erzähler einfach das Schriftstellerische an (oder zumindest, was ich mir darunter vorstelle): Eloquent, ehrlich und präzise wird hier erzählt und nichts geschönt, allenfalls werden pikante erotische Details mit dem Hinweis auf die Privatsphäre verkürzt. Durch die kurzen Kapitel war es eine perfekte Urlaubslektüre 🙂

P. S. Hat jemand Konzert ohne Dichter gelesen? Ist das auch so gut?

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Zum Buch

Bestseller von Klaus Modick

Kiepenheuer & Witsch

 


Wenn im Titel irgendwo das Wort Buch vorkommt. Wenn die Geschichte sich in einer Bibliothek abspielt. Wenn es sich um eine Geschichte über Bücher, Buchhandlungen, Literatur oder das Lesen handelt. Dann werde ich meist sehr, sehr neugierig…

In dieser kleinen Serie möchte ich ein paar dieser besonderen Schätze vorstellen. Außerdem würde ich mich freuen, wenn ihr noch weitere Bücher kennt, die ihr mir empfehlen könnt!

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