Rezension

[Rezension] Von der Alltäglichkeit des Sterbens: „Bevor wir verschwinden“ von David Fuchs

Bevor wir verschwinden ist eines von fünf Büchern, die ich im Rahmen der Jury-Bewertung für den Bloggerpreis Das Debüt bewerte. Meine Gesamtbewertung und auch den Vergleich der Bücher veröffentliche ich ab dem 5. Januar.

Bevor wir verschwinden von David Fuchs

Ben absolviert sein Praktikum als angehender Arzt auf der Krebsstation. Dort ist er von viel menschlichem Leid umgeben und trifft zugleich auf seine Jugendliebe Ambros. Die beiden kommen sich langsam wieder näher, doch der Krankenhausalltag schiebt sich immer wieder in den Vordergrund. Der Autor David Fuchs ist selbst Arzt, sein Roman beschreibt mitleidslos und zugleich sehr sensibel vom Alltag mit menschlichem Leid und der Notwendigkeit der Abgeklärtheit als Selbstschutz. Sprachlich beeindruckend, wenn auch nicht immer ganz leicht zu lesen.

Von der Alltgäglichkeit des Sterbens

Ich selbst bin kein großer Fan allzu realistischer Krankheitsbeschreibungen, zudem habe ich noch zu gut die #Pflegenotstand-Debatte des letzten Jahres im Hinterkopf, sodass mich die Schilderung des Alltags im Krankenhaus keinesfalls kalt ließ. Dennoch wirkt das Buch nicht abgeschmackt, es stellt nicht das Leiden der Patienten in den Vordergrund. Selbst Ben hadert zwischendurch mit seinem eigenen Handeln und muss dennoch seinen Teil dazu beitragen, das System am Laufen zu halten. Sehr schade fand ich, dass Konflikte wie beispielsweise der Umgang zwischen Pflegerschaft und Ärzteschaft nicht stärker in den Vordergrund gestellt wurden, auch wenn natürlich das Buch schon vor der Debatte erschienen ist. Dennoch blieben für mich viele Lücken unbeleuchtet, auch wenn das Buch sprachlich durchaus berührt ohne allzu berührend daherzukommen. Ob die Beschreibung von medizinischen Vorgängen nun realistisch ist oder nicht, dies müssen andere beurteilen, für meinen Geschmack hätte die eine oder andere Szene nicht so ausführlich beschrieben werden müssen, auch wenn unappetitliche Szenen eigentlich nur am Rande beschrieben werden. Das zarte Aufkeimen der Liebesgeschichte dagegen kam vor lauter Krankenhausalltag fast zu kurz, aber auch das vermutlich eine realistische Beschreibung, denn nur in Krankenhausserien haben Ärzte und Pflege die Zeit und Energie für Zwischenmenschliches. Der Tod ist stets präsent, dennoch tritt er vielfach nahezu in den Hintergrund. In Bevor wir verschwinden schafft Fuchs es, dem Sterben dennoch in jedem Kapitel Platz einzuräumen, sodass man sich der Vergänglichkeit gar nicht verschließen kann.

Fazit: Nahbar und dennoch nicht beschönigend beschreibt Fuchs die Alltäglichkeit von Sterben und Leben. Nichts für schwache Gemüter und dennoch unglaublich zart beschrieben. 


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Das Buch

Bevor wir verschwinden von David Fuchs
216 Seiten, 19,90 Euro
Haymon Verlag

Das Buch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt!

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