Rezension

[Rezension] „Und du kommst auch drin vor“ von Alina Bronsky

Du kommst in dem Roman vor!

Klassenausflug in die Bibliothek zu einer Lesung. Was eine langweilige Schulstunde zu werden versprach, entwickelt ungeahnte Konsequenzen: Die 14-jährige Kim erkennt sich in der Hauptfigur des vorgelesenen Romans wieder! Sie ist schockiert, weiß nicht, was sie tun soll. Mit ein wenig zusammengerafften Mut und der Hilfe ihrer besten Freundin traut sie sich in die Buchhandlung und kauft sich das vermaledeite Buch. Fortan kämpft sie mit sich und dem Buch, jede Seite liest sie mühsam, die Geschichte liegt ihr schwer im Magen. Denn nicht nur sie wird haargenau beschrieben, auch ihr Klassenkamerad Jasper. Und für den hat die Geschichte kein gutes Ende vorgesehen… Kann die Autorin das vermaledeite Buch nicht umschreiben?

Traum oder Alptraum?

Die Grundidee fand ich schon einmal klasse: Nicht nur findet sich ein Teenager im Roman, der ansonsten ein Buch nur eines müden Blickes widmen würde. Die Frage, wer sich eigentlich in einer Romanfigur selbst wiedererkennt wird an mehreren Stellen sehr interessant gestellt.

Die Hauptfigur Kim ist dabei klassischer Teenie – es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte Chantal heißen können. Umso realistischer aber ihre Verzweiflung, ihre Hilflosigkeit gegenüber der Autorin, die sich so einfach weigert, das gedruckte Buch jetzt irgendwie umzuschreiben und ein besseres Ende zu erfinden. Kim ist ein typischer Problem-Teenager, die Eltern geschieden, die beste Freundin intelligent, aber nicht hübsch. Ihre Versuche, Wirklichkeit und Fiktion auseinanderlaufen zu lassen sind zum Teil komisch, zum Teil aber auch einfach nachvollziehbar in ihrer Naivität.

Das Sich-selbst-finden-im-Buch ist für sie keine Identitätshilfe, sondern absoluter Alptraum. Interessant ist dabei besonders ihre beste Freundin, die zuerst als Gegenpol ihrer Angst ist und schließlich zu ihrer größten Unterstützerin wird, soweit, dass die Freundschaft sich fast entzweit. Bronsky spinnt ein schräges Spiel um Fiktion und Wirklichkeit, das zu lesen große Freude bereitet hat.

Alina Bronsky - Und du kommst auch drin vor
Alina Bronsky – Und du kommst auch drin vor

Sprachlich ist dieser neue Bronsky natürlich an dieses jugendliche Milieu angelehnt, das er schildert. Da ich zuletzt gerade erst Baba Dunjas letzte Liebe von Bronsky gelesen hatte und von der sprachlichen Schlichtheit, von dieser völligen Akzeptanz und ruhigen Erzählart begeistert war, musste ich mich in diesen neuen Tonfall erst ein wenig reindenken. Nachdem dies gelungen war, konnte ich mich jedoch voll auf das Realitätsspiel einlassen und von dem Witz der Geschichte verführen lassen.

Fazit: Interessante Idee, aber sprachlich irgendwie nicht ganz rund für mich – Wer „Baba Dunjas letzte Liebe“ las und liebte, könnte enttäuscht sein. Dennoch bietet Und du kommst auch drin vor ein interessantes Jugendbuch – für Jugendliche, aber auch über Jugendliche geschrieben.

Andere Meinungen:

Bei diesem Buch gehen die Meinungen stark auseinander. 

Deshalb hier noch ein paar eher negative Rezensionen.

Lili, das Bücherwürmchen, passt noch ein bisschen besser als ich in die Zielgruppe und hat sich besonders die jugendliche Sprache angeschaut.

Und Ivy von book-ilicious war ganz allgemein enttäuscht von den Figuren, ihrem Handeln und Auftreten. Sie fand im Buch die erwartete interessante Geschichte gar nicht wieder…


Hier geht’s zum Buch

Und du kommst auch drin vor von Alina Bronsky

dtv, Erscheinungstermin: 8. September 2017

190 Seiten // 16,95 Euro

ISBN 978-3-423-76181-9

Herzlichen Dank an Vorablesen und dtv, dass ich das Buch vorab lesen durfte!

9 Kommentare

  • felia (libraryoflittleworlds)

    Liebe Jennifer,
    Dieses Buch steht schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste, aber ich hadere immer noch mit mir, ob ich mich heranwagen sollte, wenn es erscheint!
    Die Grundidee klingt zwar echt toll und deine Rezension hat mir eigentlich auch Lust auf mehr gemacht, aber was die Sprache angeht… ich weiß nicht, irgendwie habe ich da bedenken. Ich kann es gar nicht ab, wenn Autoren daran scheitern Jugendliche Sprache zu imitieren… Und das kommt leider sehr häufig vor😕…
    Die Rezension ist toll geschrieben und es hat großen Spaß gemacht sie zu lesen🤗
    Alles Liebe❤️❤️
    Felia💕

    • Jennifer

      Hi Felia,
      ich fand die Sprache am Anfang auch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Allerdings kommt man schnell rein. Es ist etwa vergleichbar mit der Jugendsprache in „Fuck you Goethe“, zumindest kam es mir so vor (ich kenne den Film nicht ganz). Es sind halt Jugendliche unterer Schichten dargestellt und das gar nicht so schlecht. Nur bin ich es eben nicht gewohnt. Ich fand es aber weniger der Jugend-Sprache wegen, sondern der Innensicht und inneren Gedanken wegen sehr authentisch gemacht. Es steckt viel zum Thema Selbstfindung und Selbsterkenntnis drinne..
      Falls du es mal liest, würde ich mich über eine Rückmeldung freue, wie es dir gefallen hat.
      VG Jennifer

  • Kat

    Hallo Jennifer,
    ich habe bisher noch gar nichts von dem Buch gehört, aber die Grundidee hört sich ja zumindest schon mal ziemlich gut an 🙂 Vielleicht werfe ich da ja mal einen Blick rein…
    Liebe Grüße,
    Katja 🙂

    • Jennifer

      Liebe Katja,
      Schau dir vielleicht einmal die Leseprobe an und lies dir noch ein paar andere Rezensionen durch. Wie ich gesehen habe, gehen die Meinungen hier stark auseinander.
      Falls du generell mit Bronsky anfangen willst, empfehle ich dir auf jeden Fall Baba Dunjas letzte Liebe 🙂
      Vg Jennifer

  • Anni

    Hallöle💙Ich wollte dich nur mal kurz wissen lassen dass ich dich bei dem Mystery Blogger Award nominiert habe und mich voll freuen würde wenn du mitmachen würdest.✨Wünsche dir einen schönen Abend .
    Anni🌊

  • readinghoneycutt

    Liebe Jennifer,
    echt tolle Rezension! 🙂 Hab schon länger überlegt ob ich mir das Buch holen soll und freue mich, nun auch eine positive Stimme dazu zu hören. 🙂

    Liebe Grüße und schönes Wochenende,
    Jessi 🙂

    • Jennifer

      Hi Jessy,
      ja, viele waren enttäuscht. Aber ich denke, sie haben einfach etwas anderes erwartet (von Erwartungen hängt ja beim Lesen viel ab). Ich fand es als Jugendbuch gar nicht schlecht! Wenn du dir unsicher bist, lies doch einfach mal in die Leseprobe beim Verlag rein. Wenn dich die Sprache stört, merkst du das ja wahrscheinlich recht schnell…
      VG Jennifer

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