Rezension

[Rezension] „Die Naturgeschichte der Drachen“ von Marie Brennan

Ich lese heute nicht mehr so viel Fantasie, weil ich allzu oft das Gefühl hatte, dass mich die nach immer gleichen Muster in den oft durch eine Liebesgeschichte aufgepeppten Geschichten einfach nicht mehr abholen. Bei Anabelle entdeckte ich dann aber das wunderschöne Cover von Die Naturgeschichte der Drachen und als ich zufällig einen Thalia-Gutschein zur Verfügung hatte (und eine Bahnfahrt vor mir lag), dachte ich, ich gebe dem Buch einfach mal einen Versuch, mich zu begeistern.

Die Naturgeschichte der Drachen

Lady Trent lässt uns in ihren Memoiren zurück auf ihr aufregendes Leben blicken: Obgleich die Erforschung der Drachen natürlich eine wenig damenhafte Betätigung ist, kann sie sich diesen Geschöpfen einfach nicht entziehen. Von frühester Jugend an hegt sie nur einen Wunsch: Einen echten Drachen zu sehen. Und als sich ihr die Gelegenheit bietet, an einer Exkursion zur Erforschung der Felswyrme teilzuhaben, da setzt sie ihre ganze weibliche List ein, sich diese einmalige Gelegenheit im Leben nicht entgehen zu lassen.

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Marie Brennan erschafft mit Lady Trent eine starke Frau, die auf ihr Leben zurückblickt. Die Form der fiktiven Autobiografie fand ich dabei schlicht genial. Durch die Ich-Perspektive und die altertümliche Sprache bekommt dieses Buch etwas ganz besonderes. Nicht durch aufregende Passagen, sondern im Gegenteil durch die langsame Erzählweise zeichnet sich der Roman aus. Ein besonderer Höhepunkt waren dabei die Drachen! Auch ich kann mich der beschriebenen Faszination nicht entziehen aber im Vergleich zu viel zu vielen (Liebes-)Fantasyromanen sind die Drachen hier weder attraktiv, noch sprechen sie oder machen Männchen: Die Drachen sind Raubtiere. Manche weniger listig als andere, manche blutrünstiger, aber dennoch sind die fleischfressende und unberechenbare Tiere, deren Erforschung sich in diesem Buch eine neu aufstrebende Forscherriege widmet.

Wir folgen Isabella, der späteren Lady Trent, durch ihre Jugend und auf ihre erste Expeditionsreise. Durch eine schöne Karte im Buch kann man sich dabei besser orientieren, zudem gibt es (leider zu wenig!) schöne Zeichnungen der Drachen. Die Beschreibungen sind eher ruhig und das Buch vermisst dadurch ein wenig Spannung, wenngleich die eigentliche Geschichte durchaus von Intrigen und Überraschungen geprägt ist. Durch ihre pragmatische Art, die ich sehr schätzte, erzählt Isabella als Erzählerin jedoch alles sehr gelassen und mit dem einen oder anderen spitzen Kommentar versehen. Ein besonderer Lichtblick war für mich am Ende die Information, dass im Englischen bereits vier weitere Bände dieser Reihe erschienen sind, die ich garantiert weiterlesen werde!

Fazit: Endlich mal Drachen ohne Romantik! Der perfekte Mix zwischen Fantasy und Jane Austen


Weitere Meinungen

„Epische Schlachten gegen Drachen braucht man nicht zu erwarten, viel eher Expeditionen, die Ergründung eines unergründeten Wesens, einen starken Frauencharakter, der sich gegen Widrigkeiten zu beweisen weiß, zwischenmenschliche Beziehungen und ganz viel Gefühl für Sprache.“ auf Stehlblüten

„Alles in allem war für mich „Die Naturgeschichte der Drachen“ ein Auftakt der Memoiren Lady Trents, der mich durch seine Andersartigkeit überzeugen konnte.“ bei Herz dein Buch

„Eine unterhaltsame Drachengeschichte in einer früheren Epoche mit einer eigenwilligen, risikofreudigen Protagonistin.“ bei Tiefseezeilen

„Es hat mir beim Lesen viel Spaß gemacht, auch wenn ich kleine Abstriche machen muss weil es ein bisschen an Spannung gefehlt hat und ich einfach mehr über die geflügelten, mythischen Wesen erwartet hatte.“ auf Weltenwanderer

„Das Werk selbst kann mit einer soliden Geschichte aufwarten, ist aber so etwas wie die Vorgeschichte zur eigentlichen Reihe. Insofern ist der Roman leider nur durchschnittlich gelungen, enthält aber viel Potenzial für die in Arbeit befindlichen Folgebände.“ auf Janetts Meinung

„Alles in allem ist das Buch eine ausgesprochene Empfehlung für alle Liebhaber der Fantasy und vor allem für die, die endlich mal wieder einen vernünftigen Drachen-Roman lesen wollen. Eine starke Frauenfigur, Abenteuer satt und Drachen obendrauf. Was will man mehr?“ bei Der Buchdrache

„Nichts desto trotz eine spannende Erzählung über eine Expedition in die Welt der Drachen, aber auch in das Verhalten der Menschen und ein gelungener – und zum Glück dennoch mehr oder weniger in sich geschlossener – Auftakt der Reihe.“ bei Let ‚em eat books


Hier geht’s zum Buch

Die Naturgeschichte der Drachen. Lady Trents Memoiren 1 von Marie Brennan
CROSS CULT
360 Seiten, 14 Euro
Taschenbuch
ISBN 978-3-95981-503-1

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