Buchbranche

[Interview] Konsequenzen aus der KNV-Insolvenz | #Indiebookday

Anfang des Jahres erschütterte die Meldung über die KNV-Insolvenz die Buchbranche. Die Insolvenz des Zwischenbuchhändler betrifft die Verlage ganz unterschiedlich. Besonders hart trifft sie aber diejenigen Verlage ohne große Rücklagen – das sind besonders kleine und unabhängige Verlage. Sebastian Wolter, einer der beiden Verleger des unabhängigen Verlages Voland & Quist, hat sich bereit erklärt mir einige Fragen zu beantworten.

Parallel zu meinem kleinen Interview hat auch Sarah von Studiere nicht dein Leben Sebastian Wolter ein paar Fragen gestellt. Dort verrät er unter anderem seinen Lieblingstitel aus der Voland & Quist Backlist


Jennifer: Sebastian, in eurem Blogartikel habt ihr euch als Verlag zur KNV-Insolvenz geäußert und betont wie hart euch die ausstehenden Zahlungen treffen. Kannst du kurz wiedergeben, was das Problem speziell für euren Verlag ist?

Sebastian Wolter: Das Problem ist, dass durch die Insolvenz ein Großteil unserer Forderungen an KNV aus dem Weihnachtsgeschäft Teil der Insolvenzmasse geworden sind und damit größtenteils verloren. Wir reden hier über 65.000 Euro oder 12% unseres Jahresumsatzes aus dem Buchgeschäft. Dass KNV im so wichtigen Weihnachtsgeschäft fleißig unsere Titel bestellt und verkauft hat und wir nun in die Röhre gucken, ist sehr frustrierend und macht uns auch wütend.


sebastian wolter_(c)_thomas bär_klein
2004 gründete Sebastian Wolter mit Leif Greinus den Indie-Verlag Voland & Quist. Foto: (c) Thomas Bär

Jennifer: Euer Blogbeitrag über eure Schwierigkeiten durch die KNV-Insolvenz und vor allem eure Ehrlichkeit haben viel Resonanz erzeugt. Von wem kamen Rückmeldungen, wie sahen diese aus und hat euch die große Aufmerksamkeit insgesamt überrascht?

Sebastian Wolter: Oh, das war eigentlich querbeet, wir waren selbst überrascht von der großen Resonanz. VerlagskollegInnen meinten, endlich sagt es mal einer und sie könnten jedes Wort unterschreiben, Buchhändler versicherten uns ihrer Unterstützung und bestellten extra bei uns direkt, manche richtig große Pakete. Viele Leute baten uns auf Facebook, Twitter usw. unbedingt weiterzumachen, boten uns Unterstützung an bei potentiellen Benefizaktionen etc. Allgemein wurde im Netz dazu aufgerufen, viel mehr Bücher unabhängiger Verlage zu kaufen, quasi den Indiebookday das ganze Jahr über zu feiern. Das finden wir gut. 


Jennifer: Ihr seid von der KNV-Insolvenz nicht als einziger unabhängiger Verlag betroffen: Kannst du ein kurzes Stimmungsbild abgeben und erklären, wo die Schwierigkeiten besonders kleiner Verlage liegen? 

Sebastian Wolter: Es war natürlich das Thema Nummer 1 auf der Messe. Betroffen sind alle, aber auf unterschiedliche Art und Weise. Es gibt Verlage, die eine Ausfallversicherung hatten, die hatten Glück. (Für die meisten ist so eine Versicherung aber zu teuer.) Manche hatten kürzere Zahlungsziele als wir (wir hatten Standardkonditionen mit 90 Tagen Zahlungsziel) und haben somit weniger Geld verloren, andere sind noch stärker betroffen, bis zu 20% des Jahresumsatzes. Viele haben einfach unangenehm viel Geld verloren. Die Schwierigkeiten für unabhängige Verlage sind allgemein, dass das Geld immer eher knapp ist, und da kann so ein Ausfall schnell existenzbedrohend sein. Und auch wenn es nicht so schlimm sein sollte – viele stellen sich auch die Sinnfrage an so einem Punkt. Und mal ganz allgemein gesprochen: Es sind vor allem die unabhängigen Verlage, die Risiken eingehen mit ihren Programmen, Neues entdecken, für Vielfalt (Stichwort Bibliodiversität) sorgen. Aber man darf sie auch nicht als gegeben hinnehmen, das zeigt die KNV-Pleite. Sie können auch wieder verschwinden.


Jennifer: Wie lange wird sich der Prozess um die Insolvenz und damit die Unsicherheit für euch hinziehen? Kann man aus Erfahrungswerten eine Prognose zur weiteren Entwicklung ziehen?

Sebastian Wolter: Am Ende eines Insolvenzverfahrens bekommen die Gläubiger in der Regel 3-5% zurück, aber das kann Jahre dauern. Das sagen Experten. Wir rechnen auch nicht mehr damit und schreiben das Geld ab.

Jennifer: Lieber Sebastian, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast!

Sebastian Wolter: Sehr gern!


Am Samstag ist #Indiebookday! 

header_ibd_2019_rgb_weiss.png

Mehr Informationen: https://www.indiebookday.de/

2 Kommentare

  • Mikka Gottstein

    Hallo,

    ich war wirklich geschockt, als ich das erste Mal von der Insolvenz hörte. Es ist leider unvermeidlich, dass es die kleinen Verlage am härtesten trifft… Ich frage mich, wie vielen dieser Verlage damit der Todesstoß versetzt wurde. 🙁

    LG,
    Mikka

    • Jennifer

      Liebe Mikka,
      ich war auch sehr betroffen! So richtig wird man die Konsequenzen wahrscheinlich nie überblicken können.
      Ich finde es auch sehr stark, dass man bei Voland & Quist so offen darüber spricht, das machen ja wirklich nicht viele!
      Wir werden sehen, wie es in Zukunft weiter geht…
      Viele Grüße
      Jennifer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.