Rezension

[GenderStudies] Mehr als graue Theorie und Begrifflichkeiten: „Queer – Eine illustrierte Geschichte“ von Meg-John Barker und Julia Scheele

Die Queer Theory ist ein weites und manchmal kompliziertes theoretisches Feld. Queer – Eine illustrierte Geschichte stellt die Entwicklung der Queer Theory dar und versucht sich an einer Einordnung der verschiedenen inner-theoretischen Strömungen.

„Queer-Theory hinterfragt Identität selbst“

Das Buch bietet eine umfangreiche Zusammenfassung von Queer Theory und spart auch nicht an kritischen Kommentaren. Auf meist einer Seite wird ein Begriff, ein Konzept oder eine Strömung dargestellt und eingeordnet, einzelne Zeichnungen sorgen für ein wenig Auflockerung. Sehr hilfreich finde ich beispielsweise, dass Theoretiker*innen durch Bilder und Sprechblasen dargestellt werden und man so wiederkehrende Persönlichkeiten schneller wiedererkennen kann.

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Foucault und Butler

Rein inhaltlich steigt das Buch mit einer Erläuterung zur Herkunft des Begriffes Queer ein und beschreibt grundlegende Züge und Problematiken der Queer Theory. Anschließend wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der Sexualität gegeben und Verknüpfungen zwischen Gender, Sexualität und Identität aufgezeigt. Recht schnell werden dann Strömungen bzw. einzelne Theoretiker*innen vorgestellt. Diese Vorstellungen sind natürlich im Rahmen dieses geschichtlichen Überblickes teils sehr kurz, schaffen aber ein grundlegendes Verständnis für die Entwicklung und bieten einen Ansatz für eigene Recherche. Trotz der knappen Zusammenfassungen wird auf problematische Ansätze hingewiesen oder es werden Bezüge zu anderen Strömungen aufgezeigt. Sehr gelungen fand ich die Breite der vorgestellten Theoretiker*innen, da sich hier nicht nur auf ausgewählte Vordenker*innen beschränkt wurde. Ebenso gelungen finde ich, dass zum Ende hin der Blick auf angrenzende Forschungs- und Aktivismusfelder geworfen wird, indem die reine Fokussierung auf Gender aufgebrochen und um andere identitätsstrukturierende Merkmale wie beispielsweise Alter, Behinderung, Klasse oder Rasse ergänzt wurde.

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Auch komplexe Konzepte werden gut dargestellt

Das Buch stellt theoretische Ansätze dar und ist folgendermaßen keine Nebenbei-Lektüre. Obgleich ich bereits Vorkenntnisse durch verschiedenste universitäre Studien hatte, musste ich mich teilweise sehr konzentrieren, um den vorgestellten Entwicklungen folgen zu können. Dies ist jedoch nicht in der Darstellung, sondern in der Komplexität des Themas begründet. Empfehlen kann ich das Buch als umfassende geschichtliche Zusammenfassung dennoch, da durch die Reduzierung auf die grundlegendsten Aspekte viele Themenkomplexe abgebildet wurden. Besonders gut gefiel mir, wie sensibel mit Sprache sowie den Ansätzen umgegangen wurde. Immer wieder werden unterkomplexe Darstellungen von Begriffen wie Ansätzen aufgebrochen, eingeordnet und kritisch hinterfragt. So war die Lektüre für mich sehr lehrreich ohne allzu dogmatisch daherzukommen.

Fazit: Ein umfassender Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Diskurse Identität, Sexualität und Gender. Eignet sich hervorragend zum Nachschlagen und als erster Ansatz für weitere umfassende Studien. 


Das Buch

Queer – Eine illustrierte Geschichte von Meg-John Barker und Julia Scheele
aus dem Englischen übersetzt von Jen Theodor
Unrast Verlag

Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

2 Kommentare

  • Ida

    Dieses Buch wandert direkt auf meine Wunschliste – danke für die Empfehlung!
    An der Uni bin ich mit dieser Thematik auch schon in verschiedenen Kursen in Berührung gekommen und finde es immer noch unglaublich spannend. Und so, wie du es beschreibst, hilft es sicherlich dabei, das Wissen zum Thema zu vertiefen und ein wenig aufzufrischen – man vergisst ja doch leider wieder einiges, wenn ein Kurs schon eine Weile zurückliegt. ;D
    Liebste Grüße,
    Ida

    • Jennifer

      Liebe Ida,
      zum Auffrischen eignet sich das Buch hervorragend! Vieles wird dir dann schon bekannt vorkommen, aber die historischen Zusammenhänge so präsentiert zu bekommen und wie ein Ansatz auf dem vorherigen aufbaut, hat mir noch einmal viel Neues erschlossen 🙂
      Ich wünsche dir ganz viele spannende Gedanken beim Lesen!
      Liebe Grüße
      Jennifer

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