Bücher in Büchern,  Rezension

[BücherinBüchern] „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan

Bei einer Bücherbestellung war Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra das von mir liebevoll bezeichnete „Porto-Buch“. Gekauft habe ich es vor allem wegen des Titels und einem kurzen Blick auf dem Klappentext, die Erwartungen lagen also nicht allzu hoch. Dennoch hat mich das Buch zwischenzeitlich mehr als enttäuscht. Insgesamt bleibe ich ein wenig ratlos zurück:

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

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Clay Jannon arbeitet in einer durchgehend geöffneten Buchhandlung. Er hat die Nachtschicht – doch weder nachts noch tagsüber scheinen viele Kunden die Buchhandlung zu besuchen. Stattdessen kommen hin und wieder ältere „Mitglieder“ und leihen Bücher aus dem geheimnisvollen Hinterzimmer aus. In diese Bücher darf Clay nicht hereinschauen. Doch eines Tages siegt die Neugier und Clay will herausfinden, was es mit der sonderbaren Buchhandlung seines Chefs, Mr. Penumbra, auf sich hat.

Eine rätselhafte Suche beginnt, die bald allzu fantastisch wird!

Bücherliebhaber gegen Computer-Nerds

Sie hat es tatsächlich getan.
„- und dann habe ich erklärt, dass es da diese gemeinnützige Organisation gibt, die versucht, den Code zu knacken – “
„Gemeinnützig?“
„Das klingt besser als, naja, Geheimgesellschaft. Jedenfalls habe ich gesagt, sie versuchen den Code zu knacken und natürlich haben die Leute da aufgehorcht, denn alle bei Google stehen auf Codes -“
Bücher: langweilig. Codes: abgefahren. Das sind die Leute, die das Internet regieren.

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra, Seite 248

Ein Webdesigner, der in einer Buchhandlung arbeitet? Das klang erstmal nicht schlecht. Besonders, wenn es um diese Buchhandlung auch noch ein Rätsel gibt. Leider entwickelte sich die Geschichte dann bald zu einer fantastischen Suche nach einem versteckten Code in alten Büchern. Prinzipiell keine schlechte Idee! Aber: Das Lesen und Bücher als altmodisch darzustellen und es dem modernen Technik-Zeitalter gegenüber zu stellen, greift meiner Meinung nach zu kurz. Hier wurde viel über einen Kamm geschoren, um die beiden Seiten als total gegensätzlich und unvereinbar darzustellen. Dabei wurden nicht nur jede Menge Klischees bedingt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes vieles logisch verdreht um die Story bauen zu können. Das mit einem Geheimbund und dessen Suche nach unendlichem Leben dann auch noch allzu fantastische Elemente in diese ansonsten eher auf Klischee angelegte Geschichte rutschten, half nicht wirklich weiter. Zudem wirkten durch die oft allzu gestelzt wirkenden Dialoge die Kapitel nicht flüssig. Es gab einige schöne Momente, etwa wenn über Bücher und das Schreiben bzw. Lesen reflektiert wurde. Statt Entwicklungen aber auf unsere schnelllebig werdende Zeit zu beziehen, wurden wiederum oft nur Klischees bedient.

„Aber ich finde, die Literatur war lange genug am Ruder“, sagte sie, „und jetzt sind die Programmierer dran, das menschliche Betriebssystem upzugraden.“

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra, Seite 80

Fazit: Ein Geheimbund, ein verschlüsselter Code und Bücherliebhaber gegen Computer-Nerds. Gute Idee, leider mäßige Umsetzung: Gestelzte Dialoge und zu viel Klischee. Schade für das verschenkte Potential!


Das Buch

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra von Robin Sloan
Heyne
(inklusive der Kurzgeschichte Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra, die ich aber nicht gelesen habe)

8 Kommentare

  • Domics Pinnwand

    Oh, Du hast auch eine „Bücher in Büchern“-Rubrik! Habbich auch, guckstu:
    http://domicspinnwand.blogspot.de/p/belletristik-buchtipps.html#Buecher
    Mir hat der Penumbra ganz gut gefallen, ich hab ihn aber auf Englisch gelesen, vielleicht ist die Übersetzung einfach nicht so dolle? Und jetzt geh ich nochmal die anderen Posts in dieser Rubrik durchlesen. Das letzte Buch in der Rubrik war für mich „Winter in Wien“ von Frau Hartlieb, da kommt auch ein Buchhändler vor – aber das kennst Du vermutlich schon?

    • Jennifer

      Hallo Dominic,
      das kann auch sein. Manche Dialoge wirkten wirklich merkwürdig auf mich, aber eigentlich ist das Buch recht beliebt und es gibt meines Wissens nach sogar einen 2. Teil.
      „Winter in Wien“ sagt mir noch gar nichts, dass muss ich einmal anschauen. Ich kenne von Frau Hartlieb „Meine wundervolle Buchhandlung“ über die Eröffnung ihres Buchladens. Die fand ich sehr angenehm zu lesen 🙂

      In deiner Rubrik schau ich demnächst mal rein 🙂 Wenn du bei mir stöbern willst, findest du auch eine Übersichtsseite oben, falls du die nicht schon entdeckt hast 😀
      Viele Grüße und schönes Wochenende
      Jennifer

  • fraggle

    Für mich hat sich das Buch gelesen wie eine Werbebroschüre für Google. In erster Linie scheiterte es für mich aber an meiner Erwartungshaltung, denn angesichts des Titels und des Covers habe ich ein Buch erwartet, das etwas bibliophiler ist. Eigentlich war aber fast das genaue Gegenteil der Fall.

    • Jennifer

      Hi Fraggle,
      Werbebroschüre für Google trifft es ganz gut. Wobei es dann eher unter „nicht gelungene Werbung“ fällt 😀
      Du warst also auch eher enttäuscht?
      Schönes Wochenende, Jennifer

  • Tina

    Hey Jennifer, ich hab das Buch vor längerer Zeit gelesen und fand es nicht schlecht. Auch die Nutzung von Klischees fand ich recht witzig. Nur ab dem Zeitpunkt als die Sache mit dem Code voran ging, war es doch langatmig. Ich bin davon ausgegangen, dass es einen 2. Teil gibt, bin mir aber gerade nicht mehr so sicher.
    Liebe Grüße Tina

    • Jennifer

      Liebe Tina,
      ja, ich meine auch, von einem 2. Teil gelesen zu haben. Aktuell habe ich aber erstmal andere Wunschbücher auf der Liste. Ich leg den Penumbra mal meinem Freund hin und warte sein Urteil ab. Vielleicht holen wir uns Band 2 dann irgendwann mal.
      Mit witzigen Klischees ist es so eine Sache – vielleicht war ich einfach nicht in der richtigen Stimmung? Ich fand das Buch auch ganz nett, aber ich würde es eben nicht unbedingt noch einmal lesen müssen. Besonders weil es sich, wie du ja auch meintest, einfach zu dolle zog.
      Viele Grüße und schönes Wochenende
      Jennifer

  • valarauco

    Hey 🙂

    Das Buch klingt wirklich gut 🙂 schade nur, dass es deine Erwartungen nicht erfüllen konnte und du nicht überzeugt werden konntest :/

    Vielleicht werde ich es auch noch lesen, denn die Idee klingt wirklich toll ^

    Liebe Grüße,
    Marion

    • Jennifer

      Hallo Marion,
      Ich fand die Idee grundsätzlich auch spannend, aber hab mir von der Umsetzung mehr erwartet.

      Falls du es liest, lass mich gerne wissen, was du davon hältst. Es interessiert mich sehr, ob dies hier nur meine Meinung widerspiegelt oder ob andere ähnlich denken! 🙂
      VG Jennifer

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