Rezension

[Sachbuch] „Wie gut soll ich denn noch werden?!“ von Isabell Prophet

In Die Entdeckung des Glücks hat die Journalistin Isabell Prophet sich bereits mit der täglichen Work-Life-Balance befasst. In ihrem neuen Buch nimmt sie nun den Konsumwahn und die Selbstoptimierung in den Blick. Ein Sachbuch voller Anregungen und Hintergründe, das mich wieder sehr nachdenklich gemacht hat.

Selbstoptimierung und innere Zwänge

Im ersten Teil des Buches setzt sich Prophet mit dem Mensch auseinander. Sie erklärt den Drang zur Selbstoptimierung und warum wir uns diesem so schlecht entziehen können. Außerdem beschreibt sie bereits vorwegnehmend, wie in unserer heutigen Gesellschaft durch die steigende Mediennutzung (insbesondere die sozialen Medien) das gegenseitige Vergleichen und der Drang zur Perfektion immer stärker zunehmen. Dabei fragt sie sich auch, wie die Wirtschaft unsere Konsumentscheidungen zu beeinflussen versucht. Denn, so ihre These: Nur wer unperfekt ist und sich verbessern möchte, kauft auch Fitnessprogramme, schickere Kleidung oder Feng Shui-Vasen.

Big Data und Konsumwahn

Weiter geht es mit Big Data und dem Drang zu konsumieren: Immer stärker werden Daten, auch sehr persönliche, heutezutage verknüpft. Dabei gaukeln die Daten und Zahlen eine Objektivität vor, die gar nicht existiert. Doch die vermeintliche Erleichterung, Entscheidungen abgenommen zu bekommen, trügt. Wir selbst werden anhand unserer Daten zur Handelsware. Der Drang zur Selbstoptimierung setzt sich dabei online fort und verstärkt sich sogar noch. Die einfache Lösung unserer Probleme ist dabei vermeintlich immer nur einen Klick entfernt: Selbst wenn der abgeschlossene Probe-Fitness-Vertrag uns kein Stück fitter macht, solange wir nicht ins Fitnessstudio gehen…

Anregungen für ein gelasseneres und unperfektes Leben

Abschließend gibt Prophet noch einige Anregungen zu einem gelasseneren Leben. Es geht dabei jedoch nicht um ein 10-Punkte-Programm zum Unperfektionismus. Stattdessen beschäftigt sie sich in verschiedenen Teilkapiteln mit unterschiedlichen Formen von Gelassenheit: Vor allem geht es ihr um die Freiheit vom Selbstoptimierungswahn durch eine veränderte innere Einstellung. Denn es geht im Leben nicht darum, sich immer weiter in allen möglichen Disziplinen zu verbessern. Schon gar nicht, wenn wir dazu immer neue Kurse oder Produkte benötigen, wie man manchmal unterschwellig vermittelt bekommt…

Fazit: Ein Plädoyer gegen die Selbstoptimierung und den daran anknüpfenden Konsumwahn. Mit jeder Menge Anregungen, die eigene Einstellung zur Perfektion zu überdenken. 

Mein Leseeindruck:
Wie gut soll ich denn noch werden?! hat mich in vielen Punkten sehr nachdenklich zurückgelassen. Die einzelnen Teilkapitel sind sehr kurz und knapp, sodass ich mir einzelne Leseabschnitte gut einteilen konnte. Dennoch verknüpft Prophet die Kapitel inhaltlich sehr gut, sodass ich das Buch oftmals kaum weglegen konnte. Meiner Meinung nach eignet sich das Buch eher zum Alleine lesen, auch wenn man natürlich allgemein über das eigene Verständnis von Selbstoptimierung und Gesellschaft diskutieren kann. Allerdings wird es doch recht schnell persönlich, sodass ich es eher nicht in einem offenen Lesekreis lesen würde. 


Vorsätze haben – ja oder nein?

Letztes Jahr hatte ich sehr große Vorsätze, von denen ich die meisten nicht umsetzen konnte. Für dieses Jahr habe ich beschlossen, deutlich kleiner zu planen und meine Ziele dafür bequemer zu erreichen. Und alles andere ergibt sich sicherlich nebenbei 🙂
Habt ihr auch Vorsätze für 2020? 


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Wie gut soll ich denn noch werden?! Schluss mit übertriebenen Ansprüchen an uns selbst von Isabell Prophet
272 Seiten; Taschenbuch
erschienen im Juli 2019
Goldmann

Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank!

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