Rezension

[Rezension] Schrullige Figuren und eine zauberhafte Sprache: Drei Romane von Mariana Leky

Ich habe drei Romane von Mariana Leky gelesen. Während einer mir ans Herz ging, konnten die anderen beiden mich leider nicht berühren, auch wenn ich sie sprachlich mochte. Warum das so war, erfahrt ihr in meinen Kurzrezensionen:

Was man von hier aus sehen kann

„Als Selma sagte, sie habe in der Nacht von einem Okapi geträumt, waren wir sicher, dass einer von uns sterben musste, und zwar innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden. Das stimmte beinahe. Es waren neunundzwanzig Stunden. Der Tod trat etwas verspätet ein, und das buchstäblich: Er kam durch die Tür. Vielleicht verspätete er sich, weil er lange gezögert hatte, über den letzten Augenblick hinaus.“

Was man von hier aus sehen kann, Seite 13

Nicht ohne Grund wurde dieses Buch 2017 als „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ von Buchhändler*innen ausgezeichnet. Wir Leser*innen begleiten Selma und ihre Nichte Luise durch ihr Leben. Es geht um die Wichtigkeit des Lebens und um Alltägliches, in der für Leky so bezaubernden Sprache. In gewisser Hinsicht ist diese Geschichte absurd, aber sie berührt und man kann sich dem Zauber der Sprache gar nicht entziehen.

Fazit: Auch für mich eine absolute Entdeckung! Anrührend und zugleich ruhig erzählt Leky hier von Veränderungen und Beständigkeit mithilfe schrulliger Figuren, die man ins Herz schließen muss. 

Erste Hilfe

„Mathilda dachte, sie könne nicht über die Straße gehen, weil vielleicht mitten auf der Straße ein Verrücktsein ausbricht, das wahllos hinter ihr her ist.“

Erste Hilfe, Seite 44

In Erste Hilfe geht es um Freundschaft und Angst: Die Erzählerin und der Frauenschwarm Sylvester nehmen ihre Freundin Mathilda auf, denn diese hat Angst vor dem Verrücktswerden. Zu dritt versuchen sie ihr Leben zu meistern, die Angst zu besiegen und sich gegenseitig halt zu geben.

Fazit: Wer Lekys Sprache und ihre schrulligen Figuren mag, kommt hier auf seine Kosten. Wer allerdings bewusst nach einem Roman über Angst sucht, könnte von der literarischen Verarbeitung enttäuscht werden.

Als wunderbaren Roman über eine Angststörung empfehle ich: Rattatatam. Mein Leben mit der Angst von Franziska Seyboldt

Die Herrenausstatterin

Das wollen wir ja mal sehen“, sagte der Feuerwehrmann, er sagte das wie ein Zahnarzt, dem man bereits beim Reinkommen etwas versichert.
Er leuchtete mit der Taschenlampe in alle Zimmer. „Was suchen Sie denn?“, fragte ich. „Das Feuer“, sagte er.
Ich hatte keine Ahnung, dass es Feuer gibt, die man mit der Taschenlampe suchen muss, aber ein Feuerwehrmann kannte sich da sicherlich besser aus.

Die Herrenausstatterin, Seite 62

Erst verschwindet ihr Mann, sie verliert ihren Job und dann wird die Welt um sie langsam dunkler: Katja erblindet nach und nach. Da tauchen zuerst ein Geist und anschließend ein Feuerwehrmann auf, die sich bei ihr recht heimisch fühlen und einfach mal bleiben. Das holt Katja zurück ins Leben.

Leider konnte dieses Buch mich nicht mehr berühren. Ob sich der Zauber von Lekys Sprache bei mir abgenutzt hatte oder die Handlung dann doch zu skurril wurde, kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht waren mir auch einfach alle Figuren unsympathisch.

Fazit: Leider für mich enttäuschend. Die Figuren waren gar zu arg skurril, die Handlung einfach zu weit hergeholt, als dass sich bei mir die üblichen Emotionen einstellen könnten. Keine Empfehlung!


Welche der Romane kennt ihr schon? Habt ihr andere Romane von Leky gelesen?

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