Rezension

[Rezension] „Old School“ von John Niven

Old School habe ich bei der lieben Nela von Livricieux gewonnen. Ich hatte mich tierisch darüber gefreut und nun nach dem Lesen bin ich umso glücklicher über dieses Buch! Vielen lieben Dank daher an dieser Stelle noch einmal an Nela und auch an Heyne Hardcore!

Old School von John Niven
Old School von John Niven

Old School

Älter werden ist ja sowieso schon nicht so spaßig. Wenn dann noch ein Schicksalsschlag daherkommt und den ruhigen Ruhestand bedroht, dann geht es erst recht bergab! Diese Erfahrung machen auch die beiden etwas in die Jahre gekommenen Freundinnen Susan und Julie. Während erstere ihr Leben als Hausfrau fristet, kämpft letztere im Altenheim gegen den sozialen wie finanziellen Abstieg. Doch als Susans Mann unter unwürdigen Umständen verstirbt und ihr nicht nur einen kleinen Skandal, sondern auch noch einen hohen Schuldenberg, hinterlässt – da beschließt Susan sich gegen das System aufzulehnen.

„Und außerdem liegst du falsch“, erklärte Susan und nahm einen weiteren tiefen Zug von ihrer Zigarette. „Das ist nicht das Schlimmste, was passieren kann. Gefängnis? Ganz sicher nicht. Weißt du, was das Schlimmste ist, was passieren kann? Dass ich zum Unwillen meiner Schwiegertochter als Hausgast bei Tom und Clare lande, während du die nächsten zehn Jahre Exkremente im Altenheim aufwischst, bis wir beide dort einziehen, um auf unseren Tod zu warten.

Old School, Seite 100

Die Bank will ihr Haus verpfänden? Ihr ihr Zuhause, ihren letzten Halt nehmen? Dann holt sie sich das Geld von der Bank eben zurück. Im Nu versammeln Susan und Julie eine nicht mehr ganz so fitte Truppe um sich und marschieren bewaffnet in die örtliche Bank. Damit beginnt eine rasante Verfolgungsjagd mit der britischen Polizei.

Britischer Humor

Die Idee an sich fand ich schon witzig, die Umsetzung ist es umso mehr. John Niven erzählt äußerst kurzweilig und sehr amüsant. Die Kapitel sind knackig kurz und erinnerten mich sehr an filmisches Erzählen – kein Wunder, ist doch John Niven auch Regisseur, wie ich beim Lesen anderer Rezensionen feststellte. Der häufige Perspektivwechsel erhöht den schnellen Lesefluss, dennoch wird man nicht aus der Szenerie gerissen. Die eigentlich erwartete Handlung entwickelt sich zwar anfangs langsam, die Charaktere werden ausführlich eingeführt – allerdings las sich selbst der lange Beginn so flüssig, das es nur mäßig störte. Da sich die Handlungsstränge der einzelnen Figuren stark miteinander verflechten, hat man das permanente Gefühl kollidierender Handlung – ein bewusst gesetzter Effekt. Nicht nur die Alten selbst werden hier begleitet, auch der Gegenspieler in Form eines abgehalfterten alten Polizei Sergeant. Der eilt – immer einen Schritt zu langsam – den gesuchten vermeintlichen Schwerverbrechern hinterher. Mit Verstand, Frechheit und einer guten Portion Glück können diese sich ihm immer wieder im letzten Moment entziehen. Die Mischung der skurrilen Alten ist dabei sehr ausgewogen: Von der sehr nonnenhaften ältlichen Matrone bis zur mit Obszönitäten um sich werfenden ehemaligen Möchtegern-Berühmtheit ist alles dabei.

„Wie meinen?“

„Vergessen Sie’s. Die Dame in Verhörraum C, ist das die Frau des Toten?“

„So ist es.“ Boscombe unterstrich in einem der Dokumente etwas mit gelben Textmarker und legte es oben auf den Stapel in dem beigefarbenen Ordner. Den legte er wiederum auf einen roten Ordner. Darin befanden sich ein paar ausgesuchte Beweisstücke vom Tatort – gerade genug, um seine These zu unterstreichen.

„Er ist drüben in der Pathologie. Der Befund sollte bald hier sein.“

„Die Dame wirkt sehr sympathisch.“

Boscombe stöhnte. Wesley war noch jung. Wo fing jede Ermittlung an, wenn ein Ehepartner ermordet wurde? Bei dem überlebenden Partner. „Denken Sie immer daran“, sagte Boscombe, stand auf, zog sich sein Jacket an und nahm die Ordner, „stille Wasser sind tief. Lassen Sie uns gehen.“

Old School, Seite 60

Der Roman las sich wunderbar schnell, trotz meiner hausarbeitsstressigen Zeit. Die wilde Verfolgungsjagd über die Grenzen der Kleinstadtidylle hinweg war dabei wirklich grandios. Die Wendungen sind teils vorhersehbar, teils sehr, sehr überraschend, genau die richtige Mischung, um sich mitreißen zu lassen. Zudem muss man die etwas schrulligen Alten einfach ins Herz schließen. Eine spannende Geschichte, schrullige Charaktere, einen Schuss britischen Humor, was will man mehr?

Fazit: Klare Leseempfehlung für humorvolle Stunden!


Hier geht’s zum Buch

Old School von John Niven

Heyne Hardcore

400 Seiten, 10,99 Euro

ISBN 978-3-453-67721-0

Weitere Meinungen:

Alte Ladies auf Abwegen – John Nivens Old School auf Feature’s Fundgrube (sehr, sehr lesenswert! Enthält aber leider Spoiler)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.