Rezension

[Rezension] „Nur drei Worte“ in Buch und Film

Unglaublich, dass dieser Hype um Love, Simon an mir vorüber gehen konnte! Zwar habe ich überall Rezensionen zu Simon vs. the Homo Saphiens Agenda und Love, Simon gesehen, das sonst eher unscheinbare Nur drei Worte von Becky Albertalli hätte ich wahrscheinlich nicht in die Hand genommen. Wer hätte gedacht, dass sich hinter all dem dasselbe Buch verbirgt? Zum Glück hatte mir Jasmin davon vorgeschwärmt und mir diese Geschichte mit einem anschließenden gemeinsamen Kinobesuch schmackhaft gemacht! Sonst wären mir ein zauberhaftes Buch und ein zuckersüßer Film entgangen!

Nur drei Worte

Die Handlung dürfte wohl den meisten längst bekannt sein, daher fasse ich sie ausnahmsweise mal wirklich kompakt zusammen:

Simon hat ein Geheimnis, das niemand wissen darf: Er ist schwul. Für ihn ist das kein Problem, aber er schreibt flirtige E-Mails mit einem anonymen Mitschüler und dieser ist nicht bereit sich zu outen. Simon möchte den Kontakt allerdings keinesfalls verlieren, hat er sich doch irgendwie in „Blue“ verliebt. Also lässt er sich von einem Mitschüler, der die E-Mails zufällig in die Hände bekam, zu allerlei Verkuppelei erpressen.

Ich hatte das Buch nach einem langen Tag nachmittags begonnen und konnte es kaum aus der Hand legen. An nur einem Abend (wenn auch nicht mehr vor Mitternacht) habe ich es ausgelesen. Oftmals wirken Jugendbücher sprachlich weniger schwerfällig, in diesem Falle sprachen mich der Mix aus Simons Innenleben und dem E-Mailverkehr  zwischen Simin und Blue sehr an. Simon muss man einfach sofort ins Herz schließen und ich mochte auch die Unaufgeregtheit in der Erzählweise. Das Buch vereint einige wirklich interessante Thematiken, vom Erwachsenwerden über die Schwierigkeit eines Outings bis hin zu Erpressung und auch Mobbing. Dennoch werden diese Themen sehr locker miteinander verwoben. Die Liebesgeschichte zwischen Simon und Blue bilden zwar einen Rahmen, doch eigentlich wird vor allem Simons innere Entwicklung gezeigt. Und die ist wunderbar erwachsen und aufgeklärt: Sein Schwulsein spielt für ihn nur eine nebengeordnete Rolle in seinem Leben, wird nicht zum Hauptinhalt verklärt. Stattdessen fragt sich Simon, warum denn eigentlich nur die Homosexualität peinlicherweise vor der Familie „gestanden“ werden muss und nicht auch die Heterosexualität. Auch seine Freunde sowie sein schulisches Umfeld werden sehr schön dargestellt und geben ihm Halt. So liegt der Schwerpunkt nicht hauptsächlich auf einer Liebesgeschichte, sondern vor allem auch auf Freundschaft, Akzeptanz und (Selbst-)Liebe.

Empfohlen habe ich das Buch bereits in Köln einigen Freundinnen und würde dies auch uneingeschränkt jederzeit wieder tun. Auf den Nachfolgeband der Autorin bin ich bereits sehr gespannt, da ich mir erhoffen, dass wiederum die Themen Freundschaft und Akzeptanz sehr im Vordergrund stehen werden und Simon als Freund noch einmal eine neue Komponente in der Darstellung erhält.

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Love, Simon – der Film

Nachdem ich das Buch so zuckersüß fand, waren die Erwartungen an den Film entsprechend hoch. Insgesamt hat er mir auch sehr gut gefallen, wenn auch nicht ganz so gut wie das Buch.

Besonders schön fand ich, dass auch die Stimmung des Buches filmisch gut widergespiegelt wurde. Simons Liebe zu Musik bestimmte die Filmmusik und viele Übergänge waren musikalisch gut untermalt. Auch die Darstellung des E-Mail-Schreibens, die filmisch ja besonders schwierig ist, fand ich gut gelöst. Obwohl ich aus dem Buch schon wusste, wer Blue war, fieberte ich noch einmal richtig mit Simon mit, als er versuchte Blue in der Schule zu identifizieren.

Ein Punkt, den ich gleichermaßen gut wie schlecht fand, war das Ende. Einerseits finde ich es prinzipiell nicht schlimm, wenn Filmenden im Vergleich zum Buch verändert werden (dadurch entsteht genau genommen auch eine gewisse Spannung, selbst wenn man das Buch bereits kennt). Doch so süß das Jahrmarktstreffen vor der gesamten Schulstufe auch sein mag, mir wirkte dies zu voyeuristisch. Ich hätte mir hier ein wenig Privatsphäre für die beiden Verliebten gewünscht, denn durch dieses öffentliche Treffen war Blue im Zugzwang und hat sich streng genommen nicht freiwillig vor der Schule geoutet. Damit hat Simon ihn in eine – für meinen Geschmack – zu ähnliche Situation gebracht, für die er Martin (seinen Erpresser) vorher moralisch verdammt: Das er nicht selbst bestimmen konnte, wann und wem gegenüber er sich als Schwul offenbart.

Dennoch fand ich auch den Film mehr als sehenswert und hatte lange nicht so viel Freude beim Kinobesuch!


Diskussion

Wie fandet ihr denn Buch und Film? Mochtet ihr die Umsetzung? Und wie habt ihr das Filmende gedeutet?

Welche ähnlichen Bücher könntet ihr mir denn empfehlen? Sehr gerne möchte ich mehr Bücher mit diversen Charakteren lesen!


 

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