Rezension

[Rezension] „Miss Gladys und ihr Astronaut“ von David M. Barnett

Auf der Suche nach seichtem Lesestoff zum Kopfabschalten fiel mir Miss Gladys und ihr Astronaut in die Hände. Sowohl von der Aufmachung als auch vom Klappentext klang das Buch nach gemütlichen Stunden mit liebenswerten Charakteren. Wie mir das Buch gefallen hat und ob ich es empfehlen würde, möchte ich euch heute erzählen!

Die Geschichte

Keiner darf wissen, dass Gladys eigentlich schon recht dement ist: Sonst würden ihre beiden Enkel Ellie und James aus ihrer Obhut genommen und ins Heim gesteckt werden. So jedenfalls fürchtet Ellie. Also kümmert sich die minderjährige Schülerin nicht nur um ihre Großmutter, sondern auch um ihren kleinen Bruder James. Doch selbst zwei Jobs können nicht genug Geld für die anstehenden Mietzahlungen einbringen, derweil Gladys Geld an jeden unseriösen Anrufer oder E-Mail-Schreiber schickt, der sich bei ihr meldet. Eines Tages erhält Gladys jedoch irrtümlich einen ganz besonderen Anruf: Der Astronaut Major Tom schwebt alleine durchs All und sucht – von Schuldgefühlen getrieben – doch immer wieder den Kontakt zur Erde. Langsam entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft…

Wer sind Miss Gladys und ihr Astronaut?

Die Geschichte mag seicht daherkommen, ist aber insgesamt so verstrickt, dass es schwer fällt den Inhalt knapp wiederzugeben. Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich erstaunt war, welch großen Raum Thomas Major (sein richtiger Name) bekommt. Sein persönlicher Hintergrund und auch wie es ihn ins All verschlagen hat, werden ausführlich geschildert. Dazwischen wird langsam auch die Situation um Gladys und ihre beiden Enkel aufgebaut. So wird zwar weitesgehend chronologisch, wenn auch auf zwei verschiedenen zeitlichen Ebenen, erzählt, denn der Erzählstrang um Thomas setzt bereits in seiner Kindheit an. Genau das macht wohl den besonderen Reiz des Buches aus, das langsam und fast gemächlich die Geschichte entwickelt. Mir persönlich war das Tempo irgendwann ein wenig zu langsam, ich wartete vergeblich auf die von mir erwartete Haupthandlung. Diese existiert in dem Sinne aber gar nicht: Während ich lange Telefonate zwischen Erde und All erwartet habe, passiert das meiste eigentlich auf der Erde oder in inneren Monologen. Das gilt für die Handlung ebenso wie für die gefühlsmäßige Entwicklung. Dennoch hat mich das Buch berührt und das langsame Erzähltempo zum Innehalten gezwungen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich ein paar mal mit dem Gedanken zum Abbruch spielte, weil sich gefühlt handlungstechnisch nichts bewegte. Erst in der zweiten Hälfte geschehen einige Dinge und entspinnt sich darauf eine Handlung, die ganz klar auf einen zeitlichen Punkt zusteuert. Ab diesem Moment steigerte sich auch das Erzähltempo und es wurde insgesamt spannender, da nicht mehr nur die Probleme der Familie von Gladys im Vordergrund standen, sondern aktiv nach einer Lösung gesucht wurde. Der Roman hat dabei durch die skurrilen Figuren einen ganz eigenen Witz und ist bewusst wenig realitätsnahe angelegt. Im Nachhinein betrachtet war das Buch zwar keines meiner Lieblingsbücher für 2019, aber eben auch kein Flop, und ich würde es womöglich sogar wieder lesen, zumindest wenn ich den Anfang überspringen könnte.

Fazit: Erzählerisch interessant gemacht, zwei chronologische Handlungsstränge, die sich aufeinander zu bewegen. Dennoch fehlte mir das gewisse (fesselnde) Etwas. Als Nebenbei-Lektüre oder für einen ruhigen Abend geeignet, aber keine Nicht-zum-aus-der-Hand-legen-Lektüre. 


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Miss Gladys und ihr Astronaut von David M. Barnett
410 Seiten
Taschenbuch
Ullstein Buchverlag

Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen!

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