Rezension

Keine Scheu vor der eigenen Sexualität: „Eine neutrale Tüte bitte. Menschen im Sexshop“ von Candy Bukowski

Sexualität, ob nun die eigene oder die von fremden Personen, ist in unserer Gesellschaft weitgehend schambehaftet. Dabei handelt es sich um etwas völlig natürliches. Candy Bukowski schreibt über den Sexshop Boutique Bizarre auf der Hamburger Reeperbahn, über schamhafte und schamlose Kunden und all die kleinen Alltagsgeschichten eines nicht ganz typischen Arbeitsortes. Ein Buch, das schlüpfrig sein könnte, es aber nicht im Mindesten ist!

Anekdoten aus dem Sexshop 

Auch wenn der Titel natürlich neugierig macht, wusste ich nicht direkt, was mich in diesem Buch erwartet. Grundsätzlich bin ja auch ich nicht von Schamhaftigkeit befreit. Der Tonfall ist jedoch sehr locker und das Buch richtet sich nicht explizit nur an erfahrene Sexshop-Besucher:innen. Die auf dem Cover beworbenen Gastbeiträge sind eher zusätzliche Vorworte von bekannten Kiez-Persönlichkeiten. Die Einführung ist jedoch sehr knapp gehalten, dann geht es auch schon mit dem eigentlichen Inhalt los. Literarisch und sprachlich handelt es sich nicht unbedingt um ein Meisterwerk – das war aber auch gar nicht das Ziel! Stattdessen ist das Buch unterhaltsam geschrieben und erzählt aus dem Verkäufer:innenalltag in der Boutique Bizarre und von skurrilen und alltäglichen Kunden. Die Aufteilung der Kapitel wirkt zwar manchmal ein wenig merkwürdig, aber insgesamt führt Bukowski souverän durch Sex-Toys und Fetische, erzählt von Junggesell:innenabschieden, von Touristengruppen und von einzelnen oder paarweisen Besucher:innen. 

Ich hatte erwartet, dass das Thema Sexualität eine weitaus größere Rolle im Buch spielen würde, als es dies schlussendlich tat. Denn auch wenn man es angesichts von Beschreibungen diverser Sexspielzeuge, absurd anmutender Fetische oder auch einfach nur durchschnittlicher Pornos kaum glauben mag, ist die Grundaussage der Autorin eigentlich eher: Sexualität ist was feines, aber jede:r muss für sich selbst schauen, was eine.n anmacht oder abtörnt. Und wie es deshalb auch kein richtig oder falsch geben kann, so gibt es eben auch keine richtigen oder falschen Kunden im Sexshop. So unterschiedlich wie die Geschmäcker sind auch die Kunden in der Boutique Bizarre und das ist doch eigentlich eine ganz schöne Lehre.

Ich selbst habe mich im Urlaub übrigens ausgezeichnet unterhalten gefühlt und werde beim nächsten Hamburgbesuch unbedingt mal einen Blick in die Boutique werfen! In dieser Hinsicht war das Buch also ein perfekter Marketing-Coup.

Fazit: Unterhaltsame Anekdoten aus dem Verkaufsleben im Sexshop. Erfrischend unaufgeregt und wenig anrüchig. 


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Eine neutrale Tüte bitte. Menschen im Sexshop von Candy Bukowski
203 Seiten, Taschenbuch
erschienen 2019
acabus Verlag

Dieses Buch wurde mir kostenfrei zur Besprechung zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank!

4 Kommentare

  • Tina

    Liebe Jennifer,

    schönes Foto 😉
    Ich denke, die Message ist ein gutes Ding, und die Autorin spricht im Endeffekt aus Erfahrung bzw. für vielerlei Menschen. Dass es dann nicht allzu schlüpfrig wird, sehe ich positiv. Man kann es einfach auch mal als alltäglich betrachten. Gerade aus den Augen einer Person, die täglich damit zu tun hat.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Liebe Tina,

      alltäglich ist tatsächlich ein gutes Wort zur Beschreibung des Buches! Ich finde das auch eher positiv, aber ich wollte es zumindest herausstreichen, falls jemand das Buch wegen schlüpfriger Beschreibungen lesen will. Man will ja keine Enttäuschungen provozieren 🙂

      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Maxi

    Hallo! Toller Artikel ist das hier mit einer coolen Message. Es ist schön, dass es solche Variationen gibt und jeder etwas für sich finden kann, wenn man sich denn nur traut. Ich mag diesen Blog sehr und er hat mich schon oft zum reflektieren gebracht!
    Danke dafür 🙂

    Beste Grüße!

    • Jennifer

      Hallo Maxi,

      vielen Dank für den lieben Kommentar! 🙂
      Ich finde, Buchblogs sind eine tolle Möglichkeit verschiedene Themen anzusprechen, wie es ja auch in der Literatur getan wird 😉
      Freut mich, dass das so gut ankommt bei meinen Leser:innen,

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Jennifer

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