How to be an antiracist von Ibram X. Kendi
Rezension

Ein Leben voller Selbstreflektion: „How to be an antiracist“ von Ibram X. Kendi

Auf der Suche nach lehrreicher Literatur haben wir uns in meinem Lesekreis im Webshop der bpb umgesehen. Wer die Bundeszentrale für politische Bildung nicht kennt, dem sei einmal ein Blick auf die Seite empfohlen. Denn dort finden sich, neben Info-Material zum Beispiel für Schulklassen, jede Menge spannende Bücher zu verschiedenen gesellschaftlich relevanten Themen. Eines dieser Bücher war How to be an antiracists von Ibram X. Kendi, das ich euch heute vorstellen möchte.

Wer ist Ibram X. Kendi?

Ibram X. Kendi ist amerikanischer Rassismusforscher und war unter anderem Gründer des Antiracist Research and Policy Center an der American University in Washington D.C. Zuvor war er beispielsweise Professor für Geschichte und Internationale Politik. Durch seine Arbeit hat er sich Zeit seines Lebens intensiv mit Rassismus und insbesondere mit alltäglichem Rassismus und dessen Einfluss auf das Leben beschäftigt. In seinem Buch How to be an antiracist zeichnet er seinen eigenen Lebensweg und seine persönliche Haltung zum Antirassismus nach und zeigt eindrucksvoll, dass „Antirassist sein“ eher ein Prozess im Sinne von „Antirassist werden“ ist.

Ein Leben voller Selbstreflektion

Manchmal ist es nicht einfach, den eigenen Idealen gerecht zu werden. Wir alle kennen diese Momente in denen unser Anspruch und unsere Handlungen sich nicht miteinander vereinen lassen. Dabei geht es ja gerade nicht darum, immer perfekt zu handeln. Stattdessen ist Antirassismus, wie so vieles im Leben, ein Prozess. Ibram X. Kendi zeigt das in seinem sehr persönlichen Lebensbericht eindrücklich. Und er wirbt dafür mit sich selbst – und anderen – nicht zu kritisch zu sein, denn Fehler sind absolut menschlich.

In seinem Buch begleiten wir Kendi durch seine ganz persönliche Entwicklung. Angereichert mit vielen beispielhaften Situationen aus seiner Schul- und Jugendzeit bis hin zu verschiedenen Stationen seines Erwachsenenlebens erzählt Kendi von seinen Erkenntnissen über Antirassismus und auch von persönlichen Fehlern. Vor allem aber, und darin liegt meiner Meinung nach die absolute Stärke dieses Buchs, zeigt er auf, dass das Antirassismus sein ein nie abgeschlossener Prozess ist. Die Frage, ob die eigene Handlung den eigenen Idealen entspricht, muss daher immer aus dem jeweiligen Blickwinkel der Situation bewertet werden. So beschreibt Kendi, welche Annahmen über Rassismus ihn als jungen Mann auf eine andere Art handeln ließen, als er es mit seinem späteren Wissen tun würde. Eigentlich wäre also Fehler das falsche Wort und man müsste stattdessen vom jeweiligen persönlichen Entwicklungsstand sprechen.

Neben seiner persönlichen Entwicklung gibt Kendi aber auch sein Wissen über Rassismus und seine Idee eines gelebten Antirassismus weiter. Denn bloßes „nicht rassistisches“ handeln gibt es nach Kendi gar nicht. Solange es für Schwarze und Weiße unterschiedliche Voraussetzungen im Leben gäbe, wäre jede neutrale Handlung in Wirklichkeit eine Bevorzugung Weißer. Dies alles untermauert er mit Beispielen und Studien und ordnet sowohl in den aktuellen amerikanischen Kontext ein wie in einen geschichtlichen. Statt für einen Kampf gegen Rassismus plädiert Kendi für ein Leben im Antirassismus um Rassismus zu überwinden.

Mit dieser Kombination aus persönlichem Lebensbericht und fundiertem Fachwissen, theoretischer Philosophie und konkreter Handlungsanweisungen hat Kendi ein sehr lesens- und lehrenswertes Buch geschaffen. Besonders geeignet ist das Buch meiner Meinung nach für Menschen, die sich bereits zuvor mit dem Thema Rassismus beschäftigt haben. Doch auch für Anfänger kann das Buch sehr lehrreich sein, da Kendi viel Grundwissen verständlich aufarbeitet und Zusammenhänge beschreibt. Vorwissen ist also für das Verständnis des Buches sicherlich hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.

Fazit: Ein wahnsinnig persönlicher Einblick in die eigene Entwicklung und den niemals abgeschlossenen Prozess des Antirassist werdens. Gespickt mit fundiertem Hintergrundwissen über Rassismus und zugleich sehr zugänglich liefert Kendi einen eindrucksvolle Grundsatzlektüre zum Thema.


Ebenfalls lesenswert ist deutschland schwarz weiß von Noah Sow, die sich speziell mit Alltagsrassismus in Deutschland beschäftigt hat und viele alltägliche Situationen schildert. Ein absoluter Einsteiger-Tipp!


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How to be an antiracist von Ibram X. Kendi
Aus dem amerikanischen Englisch von Alina Schmidt
413 Seiten
Taschenbuch
Schriftenreihe 10634
Sonderauflage der Bundeszentrale für politische Bildung
Auch erschienen im btb Verlag

2 Kommentare

  • Tina

    Hallöchen Jenny,

    ihr komt in eurem leseclub auf gute Ideen.
    An das Bundesministerium für Bildung habe ich nie gedacht.
    Und es ist ein lebenslanger Prozess, da gebe ich dem Autor recht. Mit vielen kleinen Schritten und Steinen, die im Weg sind.
    Schön ist, dass er betont, dass Fehler menschlich sind.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Hallo Tina,
      nun ist mein Urlaub rum, da kann ich dir auch endlich mal antworten. Ja, durch die vielen unterschiedlichen Interessen kommen interessante Gespräche zustande. Ich möchte meine Lesegruppe nicht mehr missen!
      VG Jennifer

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