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[Gastartikel] Spielsucht – jeden kann es treffen!

Vor kurzem erreichte mich eine E-Mail mit einer Rezensionsanfrage. Aktuell habe ich jedoch keine Zeit und Kraft, weitere Rezensionsexemplare anzunehmen, denn Masterarbeit und Umzug halten mich in Atem. Mo, der mich anschrieb, erklärte sich jedoch freundlicherweise bereit, einen Gastartikel für meinen Blog zu verfassen, denn sein Thema ist ein sehr wichtiges, dem ich gerne Raum einräumen möchte!

Im Artikel erklärt Mo euch wie Spielsucht aussieht, wie man selbst oder wie andere die Symptome erkennen können und was man gegen Spielsucht tun kann.


Spielsucht – jeden kann es treffen!

Was genau ist Spielsucht?

Spielsucht ist der umgangssprachliche Ausdruck, wenn man über pathologisches, also zwanghaftes oder krankhaftes Glücksspielverhalten redet. Es gibt die stoffgebundenen Süchte, beispielsweise die Alkohol- und die Drogensucht und dann noch die stoffungebundenen Süchte, wie die Spielsucht und die Kaufsucht. Von einer Sucht spricht man, wenn eine gewisse Handlung das gesamte Leben bestimmt. Genauer von Spielsucht kann man also sprechen, wenn der oder die Betroffene zwanghaft dem Glücksspiel nachgeht, ohne dieses noch kontrollieren zu können. Die Konsequenzen, wie Verschuldung, Verlust des Arbeitsplatzes, das Abgleiten in Beschaffungskriminalität (die illegale Beschaffung von Geld, um dem Glücksspiel weiter nachgehen zu können) und sogar der Verlust der Familie werden hierbei durch den oder die Betroffene in Kauf genommen.

Wie äußert sich Spielsucht?

Die Entstehung und der Krankheitsverlauf einer Spielsucht ist ein Prozess. Der Betroffene ist nicht von jetzt auf gleich spielsüchtig. Da es bei einer Spielsucht zuerst keine äußeren Anzeichen gibt, wie beispielsweise bei der Alkoholsucht die Alkoholfahne, ist es sehr schwer, ein problematisches Glücksspielverhalten zu erkennen. Selbst der Betroffene nimmt anfangs nicht war, dass sich unproblematisches Spielverhalten in einen zwanghaften und krankhaften Zustand verwandelt hat.

Äußere Anzeichen sind:

  • Unruhe und leichte Reizbarkeit
  • sozialer Rückzug
  • Aufnahme von Schulden
  • Fernbleiben von Terminen
  • Fernbleiben von der Arbeit
  • Abwesenheit von zuhause
  • Vermehrtes Lügen
  • Wechsel zwischen übertriebener Sparsamkeit und Völlerei
  • Entstehung von Beschaffungskriminalität

Anhand welcher Symptome kannst Du also erkennen, dass Du unter Spielsucht leidest?

  • Verlust der Kontrolle
  • Steigerung der Einsätze und Spieldauer
  • Überschreiten der selbst gesetzten Limits
  • Wunsch, Verluste ausgleichen zu müssen
  • Ständiges Denken an das Glücksspiel
  • Ignorieren der durch das Glücksspiel entstandenen Probleme
  • Flucht vor Problemen ins Glücksspiel

Hier kannst Du einen Selbsttest machen, der Dir zeigt, ob bei Dir ein problematisches Glücksspielverhalten vorliegt.

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Welche Faktoren führen dazu, dass man spielsüchtig werden kann? 

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Jeder Mensch ist unterschiedlich und seine Lebenssituation einzigartig. Es gibt jedoch einige Faktoren, die einer Spielsucht nicht gerade förderlich gegenüber stehen:

  • traumatische Erlebnisse in der Kindheit
  • Erfahren von Gewalt
  • Verlust eines geliebten Menschen
  • Erfahren von Sucht bei Angehörigen
  • Perspektivlosigkeit
  • einschneidenden Veränderungen im Beruf und Privatleben
  • finanzielle Notsituation

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Was kann man als Angehöriger eines Spielsüchtigen tun? 

Zunächst einmal müssen Angehörige erkennen, dass eine Spielsucht vorliegt. Dies ist, wie bereits zuvor erwähnt, sehr schwierig. In der Regel geschieht dies nur, wenn sich der Betroffene von alleine öffnet, oder aber beispielsweise durch äußere Einflüsse dazu gezwungen wird, sich zu offenbaren. Hier wäre es denkbar, dass der Betroffene dabei beobachtet wird, wie er ein Etablissement für Glücksspiel betritt oder Gläubiger sich an ihn wenden.

Wichtig ist, dass ein Angehöriger den Spielsüchtigen nicht mit Geld versorgt, da so die Spielsucht nur unterstützt und sogar gefördert wird. Das Geld ist im Falle einer Spielsucht das Suchtmittel. Dieser Umstand erschwert das Erhalten einer Abstinenz, da Bargeld im alltäglichen Leben eine wichtige Rolle spielt.

Kommt der Betroffene auf einen Angehörigen zu, sollte er sich mit dem Thema Spielsucht auseinandersetzen. Hierzu gibt es im gesamten Bundesgebiete Anlauf- und Beratungsstellen für Glücksspielsucht. Eine Auflistung dieser Anlauf- und Beratungsstellen findest Du hier.

Als Angehöriger ist es wichtig, eine unterstützende Rolle einzunehmen, jedoch niemals als Puffer zu fungieren. Der Betroffene muss die Konsequenzen der Spielsucht selbst erfahren. Wenn ein Angehöriger ständig alles abfängt, sei es durch das Bezahlen der Schulden oder die Wahrnehmung von wichtigen Terminen des Betroffenen, erfährt er niemals die negativen Folgen und hat auch keinen Grund, etwas am Verhalten zu ändern.

Was kann man als Betroffener von Spielsucht tun?

Zunächst einmal ist es das Allerwichtigste überhaupt, dass Du als Betroffene Dir selbst eingestehst, dass Du spielsüchtig bist. Ohne diese Erkenntnisse werden alle weiteren Maßnahmen nicht greifen. Diese Erkenntnis kommt jedoch nicht von heute auf morgen. Es dauert meist einige Jahre, bis die Folgen der Sucht so dramatisch sind, dass der Wunsch nach Veränderung aufkeimt. Wie schnell dies geschieht, hängt vom Steigerungsgrad des Spielverhaltens ab.

Im Internet gibt es diverse Ratgeber und auch Foren, in denen Du Dir Hilfe suchen kannst. Um Dir einen ersten Überblick zu verschaffen und unmittelbar Hilfe zu bekommen, empfehle ich Dir ein solches Onlineangebot wahrzunehmen. In Foren oder speziellen Facebookgruppen kannst Du Dich mit anderen Spielsüchtigen austauschen, die teilweise schon das geschafft haben, was Du auch erreichen möchtest. Tritt beispielsweise der Glückszone Selbsthilfegruppe bei. Hier wird Dir geholfen!

Anschließend ist das Aufsuchen von einer Anlauf- und Beratungsstelle für Glücksspielsucht empfehlenswert. Hier wird in einem ersten Beratungsgespräch sondiert, welche Maßnahme für Dich das Richtige sein kann. Je nach Grad der Spielsucht ist eine ambulante oder stationäre Therapie angebracht.

Es gibt verschiedene Vorgehensweise, wie Du Deiner Spielsucht Herr werden kannst, es ist jedoch unerlässlich, dass Du tätig wirst. Die Sucht verschwindet nicht einfach von alleine, im Gegenteil, sie wird immer stärker und bleibt ein Leben lang. Das soll Dich nicht entmutigen, sondern Dir einfach bewusst machen, dass ein schnelles Tätigwerden angesagt ist. Handele jetzt, sonst bestimmt die Spielsucht Dein Leben und auch das Deiner Angehörigen.

Dieser Artikel wurde von Mo von Glückszone verfasst.


Mo von Glückszone ist Gründer der Seite https://www.glueckszone.de      

Glückszone_4x-100aGlückszone ist ein Projekt eines Spielsüchtigen, der es geschafft hat spielfrei zu werden und auch zu bleiben. Mit der Glückszone möchte der Gründer anderen Spielsüchtigen dabei helfen, das zu schaffen, was auch er geschafft hat. Tipps und Tricks aus der Praxis, die funktionieren. Alle Maßnahmen, die dazu geführt haben, dass Mo spielfrei geworden und geblieben ist, findest Du in seinem Buch [Link zu Amazon].

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Herzlichen Dank an Mo für seine Mühe!

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