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Ein Jahr lang #WirLesenFrauen – Ein kleines Fazit

Vor fast einem Jahr hat Eva-Maria die Aktion #WirLesenFrauen ausgerufen, an der sich zahlreiche Blogger:innen beteiligt haben. Auch ich habe mitgelesen und möchte das Jahr nun einmal an mir vorbeiziehen lassen um zu sehen, ob sich an meinem Leseverhalten etwas geändert hat!

Warum überhaupt die Aktion #WirLesenFrauen?

Die Idee hinter der Aktion liegt darin begründet, dass Bücher von Frauen im Literaturmarkt noch immer unterrepräsentiert sind. Natürlich könnte man meinen, dass es viele Leserinnen und damit auch viele Autorinnen gibt. Allerdings täuscht dieser Eindruck ein wenig darüber hinweg, dass Frauen oftmals nur in ganz bestimmten Genre Fuß fassen können und bestimmte literarische Preise weitaus seltener an Autorinnen als an Autoren vergeben werden. Auch gesellschaftlich ist die Bewertung von weiblichem  und männlichem Schreiben durchaus unterschiedlich.

Mit der Aktion #WirLesenFrauen wollte Eva-Maria auf diesen Missstand der Repräsentation aufmerksam machen. 12 Monate lang war die Aufgabe, jeden Monat mindestens ein Buch einer Frau zu lesen. Um das ganze noch ein wenig spannender zu machen, hat Eva-Maria zudem noch einige Aufgaben gestellt, z.B. einen Literaturklassiker einer Frau zu lesen oder ein Self Publisher-Buch. Wie bei einer klassischen Lesechallenge kamen also schnell einige Leselisten zusammen, die man mehr oder weniger fleißig abarbeiten konnte. Auch ich selbst habe hier eine öffentliche Leseliste geführt.

Wie sieht meine Leseliste am Ende der Challenge aus?

Auch wenn es sich für mich gar nicht anfühlte, als ob ich an der Challenge wirklich aktiv teilgenommen hätte, habe ich schlussendlich 12 Bücher in den verschiedenen Kategorien gelesen. Allerdings oftmals zwei Bücher pro Kategorie. Viele Aufgaben, z.B. ein Buch einer nicht-europäischen und nicht-amerikanischen Autorin zu lesen, konnte ich nicht erfüllen, weil mir die Zeit und Energie fehlte, die Hintergründe der Autorinnen zu recherchieren und ein geeignetes Buch auszuwählen. Auch wenn das natürlich enttäuschend ist, zeigt es mir doch wie wenig ich bisher auf das Verhältnis von Autoren und Autorinnen in meinem Regal geachtet habe.

Zusätzlich zu den oben erwähnten 12 Büchern habe ich noch 11 weitere Bücher gelesen, die in keine Kategorie passten oder bei denen die Kategorie einfach irrelevant war. Es handelt sich dabei vor allem um Bücher, die ich nicht speziell für die Challenge gelesen habe, sondern die ich im Rahmen von anderen Aktionen oder einfach aus privatem Interesse gelesen habe. Insgesamt also fast zwei Bücher pro Monat von Autorinnen. Allerdings muss ich dazu einschränkend feststellen, dass ich oft deutlich mehr als 2 Bücher pro Monat lese, beim Rest handelt es sich also augenscheinlich um männliche Autoren.

Greife ich nun bewusster zu Büchern von Frauen?

Auf jeden Fall achte ich bereits darauf, mindestens ein Buch einer Autorin pro Monat zu lesen. Auch kaufe ich mehr Bücher von Autorinnen als von Autoren, auch wenn das keine gänzlich neue Entwicklung ist. Durch Rezensionsexemplare und all meine ungelesenen Bücher greife ich aber oftmals unterbewusst mehr zu Autoren. Daran wird sich wohl ohne Leseliste nicht allzu schnell etwas ändern. Dennoch finde ich es gut, dass ich deutlich reflektierter lese. Noch stärker könnte ich mich wohl nur kontrollieren, wenn ich Leselisten führen würde. Da ich mich an diese aber meist eh nicht halte und mir das Lesen nach Liste auch keinen Spaß bereitet, werde ich einfach ein weiteres Jahr an der Aktion #WirLesenFrauen teilnehmen und bin gespannt, wie sich das Verhältnis in einem weiteren Jahr darstellt.


Wie sieht es bei euch aus?

Habt ihr auch an der Lesechallenge teilgenommen? Hattet ihr den Eindruck, dass sich euer Leseverhalten dadurch verändert hat?

Oder habt ihr noch nie darauf geachtet, ob ihr mehr Autorinnen oder Autoren lest? Was schätzt ihr, wie sieht das Verhältnis der Geschlechter bei euch aus?

4 Kommentare

  • Johanna

    Wie interessant, in meinem Buchclub kam auch neulich die Frage auf, ob wir uns nicht nur auf weibliche Autorinnen konzentrieren wollen. Ich bin da noch etwas Zwiespalten, fand allerdings deine Argumentation am Anfang deines Beitrages sehr interessant. Die Challenge hört sich außerdem super spannend an, schon krass, wie wenig nicht europäische und nicht amerikanische Literatur man liest, oder? Da werde ih auf jeden Fall auch mal drauf achten. 🙂

    • Jennifer

      Ich bin selbst nicht ganz sicher, wie ich es fände, komplett nur noch Frauen zu lesen. Daher sehe ich die Challenge auch so ein wenig als Selbstversuch. Ich habe vorher einfach nie wirklich drauf geachtet, wie viele Frauen und Männer ich jeweils lese. Aber irgendwie habe ich immer vermutet, dass das Verhältnis viel ausgewogener wäre und war daher selbst irritiert über das Ungleichgewicht.

      Anderswo, zum Beispiel in meinen Kursen in der Uni, ist mir schon häufiger aufgefallen, dass maximal 1-2 Frauen pro Semester gelesen wurden. Habe bewusst auch immer eher Seminare gewählt, in denen das Verhältnis aufgrund der Themen ausgewogener war.

      Wie habt ihr euch denn für deinen Lesekreis entschieden? Das würde mich sehr interessieren und auch, wie sich euer Leseverhalten ggf ändert in Laufe der Zeit!
      LG Jennifer

  • Taaya

    Huhu,

    ich hab festgestellt, dass sich mein Leseverhalten ein bisschen verändert hat. Bei Ausleihsystemen wie der Onleihe und Prime Reading achte ich jetzt mehr darauf, eher Bücher von Autorinnen zu leihen, das auf jeden Fall. Bei Prints ist das allerdings noch nicht angekommen. Da kauf ich vor allem weiter meine Lieblinge, die oft genug nun mal Männer sind. Aber da, wo ich mehr ausprobieren kann, ohne Geld zu verlieren, weil mir fremde Autorinnen nicht gefallen, versuche ich mich an mehr Diversität. (So bin ich auch an die nicht-nordwestlichen Autorinnen gekommen. Wobei da leider immer noch fast alle afrikanischen und asiatischen Autorinnen irgendwann in die USA umgezogen sind. Aber immerhin haben sie oft genug noch nicht den amerikanischen Pass, so dass sie hoffentlich noch zählen.)

    Ansonsten war es aber auch ein bisschen zwanghaft. Wenn es Punkte zu sammeln gibt, zwing ich mich immer, möglichst viel zu sammeln … auch, wenn ich eigentlich gar keine Lust auf die Bücher habe. Ein Grund, warum ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob ich dieses Jahr wieder mitmache. Auch, wenn ich die neuen Aufgaben teilweise verdammt toll finde. (Die anderen finde ich auch gut, aber schwer.)

    LG
    Taaya

    • Jennifer

      Liebe Taaya,
      interessant wie es sich bei dir entwickelt hat. Ich hatte zwar schon immer im Hinterkopf, dass ich Frauen lesen möchte, aber von einem Zwang habe ich nichts gespürt. Mir waren allerdings die Punkte auch relativ egal und ich habe die eher so nebenbei gesammelt. Das sieht man auch schon daran, dass ich noch einige Aufgaben offen hatte. Vielleicht hätte ich deutlich energischer gesammelt, wenn nicht die Masterarbeit einen guten Teil meiner Energie aufgesogen hätte …

      Hast du dich denn inzwischen entschieden, ob du mitmachst?
      LG Jennifer

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