Rezension

Ein bisschen Kitsch: „Cinder & Ella“ von Kelly Oram

Manchmal braucht der Kopf einfach mal ein seichtes Buch zum Abschalten und Nicht-Nachdenken-Müssen. Cinder & Ella hatte ich auf diversen Blogs bereits gesehen, mich aber bisher einfach nicht dafür interessiert. Ganz spontan wollte ich es dann aber doch lesen und konnte es mir glücklicherweise schnell ausleihen… Ein Hoch auf die Buch-Community auf Twitter und lieben Dank nochmal an Antonie!

Eine Bloggerin, eine tragische Geschichte und ein Filmstar

In Cinder & Ella steckt so ziemlich alles drin, was man für eine klischeehafte und kitschige Geschichte benötigt: Da ist die wunderschöne, aber dennoch schüchterne und sich ihrer Schönheit unbewusste, Außenseiterin Ella. Sie liebt Bücher und Geschichten, betreibt einen Buchblog (kein Wunder, dass dieses Buch in der Bloggerwelt so beliebt war) und lebt nach der Scheidung ihrer Eltern bei ihrer fürsorglichen und fantastischen Mutter. Doch dann passiert ein tragischer Autounfall, ihre Mutter verstirbt und Ella muss nach monatelangem Koma, unzähligen Operationen und einer langen Reha zu ihrem Vater ziehen. Dort fühlt sie sich ungeliebt und unwillkommen und sie möchte am liebsten allem entfliehen. Weil sie sich einsam fühlt, ergreift sie schließlich wieder den Kontakt zu ihrem Internet-Freund Cinder, den sie über ihren Blog kennt. Cinder gegenüber kann sie sich anvertrauen und schon bald stellt sich die Frage, ob sie sich nicht im echten Leben treffen wollen. Aber Cinder hat Ella nie erzählt, dass er eigentlich ein Filmstar ist…

Kitsch, Klischee und dennoch herzerwärmend

Nun könnte man vermuten, dass dieses Buch wie oben beschrieben vor Kitsch und Klischee nur so trieft und das tut es in gewisser Hinsicht auch. Ein bisschen märchenhaft angehaucht könnte die Handlung und die Figuren wohl auch einer Soap entsprungen sein. Dennoch ist der Stil des Buches überraschend herzerwärmend. Während all diese dramatischen Elemente eigentlich nach einer Tragödie schreien, glänzt Ella als Figur vor allem durch Nüchternheit. Natürlich ist das eine oder andere Drama um Jungs und die erste Liebe ganz genretypisch gefühlsintensiv und weltbewegend. Aber unterschwellig schwingen auch viele ernste Töne mit: Die Frage, ob Schönheit nur eine Sache von Äußerlichkeiten ist etwa oder die Themen Trauer/Verlust, traumatische Erlebnisse, Mobbing und Privatsphäre. Dass diese nicht von der Seichtigkeit des Romans überdeckt werden und dennoch nicht vom Lesefluss ablenken, finde ich einen beeindruckenden Spagat. Schlussendlich möchte Cinder & Ella schließlich unterhalten und all die ernsteren Elemente sind nur Beiwerk für das dramatische Setting.

Spannend fand ich besonders, wie Ella als Figur sich selbst entwickelt, aber auch Einfluss auf die Entwicklung der anderen Figuren nimmt. Dass vieles vorhersehbar ist, stört an der Stelle kaum, denn wie schon gesagt möchte das Buch vor allem unterhalten. Und das tut es ganz fantastisch, ohne die Figuren allzu sehr als wandelndes Klischee darzustellen. Schlussendlich gibt es mehr Kitsch als Klischee, und manchmal brauchen wir doch alle ein bisschen Kitsch.

Fazit: Herzerwärmend, unterhaltsam und dabei immer wieder überraschend ernste Themen in einer seichten Umgebung. Ein seichtes Buch zum Entspannen und als Ferienlektüre!


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Cinder & Ella von Kelly Oram
übersetzt von Fabienne Pfeiffer
444 Seiten, Taschenbuch
erschienen im September 2018
One (Lübbe)

Das Buch wurde mir von Toni ausgeliehen,
herzlichen Dank!

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