Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Rezension

Mord im Seniorenheim: „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman | Cosy-Crime-Hörbuch

Ein Mordfall im Seniorenheim und vier schrullige Senior*innen, die schneller als die Polizei ermitteln? Das klingt nicht nur nach einer perfekten Geschichte für den nächsten Urlaub – das ist sie auch! Und mit zwei wunderbaren Sprecher*innen ist insbesondere das Hörbuch sehr empfehlenswert. Darum möchte ich euch heute in eine ganz besondere Seniorenresidenz entführen:

Willkommen bei dem Donnerstagsmordclub

Man möchte meinen, so eine luxuriöse Seniorenresidenz in der idyllischen Grafschaft Kent sei ein friedlicher Ort. Das dachte auch die fast achtzigjährige Joyce, als sie in Coopers Chase einzog. Bis sie Elizabeth, Ron und Ibrahim kennenlernt oder, anders gesagt, eine ehemalige Geheimagentin, einen ehemaligen Gewerkschaftsführer und einen ehemaligen Psychiater. Sie wird Teil ihres Clubs, der sich immer donnerstags im Puzzlezimmer trifft, um ungelöste Kriminalfälle aufzuklären. Als dann direkt vor ihrer Haustür ein Mord verübt wird, ist der Ermittlungseifer der vier Senioren natürlich geweckt, und selbst der Chefinspektor der lokalen Polizeidienststelle kann nur über ihren Scharfsinn staunen.

Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman, Klappentext

Mordermittlung über Tee und Keksen

Eigentlich beschäftigen Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim sich mit alten, ungelösten Mordfällen. Wie könnte man sich schließlich besser die Langeweile vertreiben als donnerstags bei Tee und Keksen über alten Mordakten zu sitzen? Aber irgendwas stimmt nicht in Coopers Chase und da müssen die vier natürlich ein Auge auf alles werfen. Schließlich konnten sie schon den einen oder anderen Mordfall lösen und sind im Gegensatz zur Polizei stets vor Ort. Die ist zwar nicht allzu begeistert über die privaten Ermittlungen, aber was sollen die beiden ermittelnden Beamten schon tun? Den Senioren den täglichen Spaziergang verbieten? Richard Osman erschafft in Coopers Chase ein wirklich zauberhaftes Grüppchen, bei dem wirklich alle von den Senioren bis hin zum (mutmaßlichen) Mörder herzerwärmend schrullig sind.

Das Hörbuch wird dabei wunderbar von Johannes Steck und Beate Himmelstoß gelesen, die jeweils abwechselnd die Sichtweise von Joyce, Elizabeth, Ron und Ibrahim schildern. Dabei hat jede Figur ihre ganz eigene Erzählweise: Während Joyce meist in Form von Tagebucheinträgen ihre Erlebnisse zusammenfasst und dabei ab und an leicht vom Thema abkommt, unterhält sich Ron eher kurz und knapp mit seinem Sohn. Ibrahim führt oftmals einen inneren Monolog, während Elizabeth, zugegebenermaßen der strategische Kopf der vier, ganz klassisch ermittelt: Sie trifft sich mit diesem und jenem, verhört ganz unauffällig ihre Gesprächspartner und sammelt Informationen. Zusammen kommen sie dabei dem Mörder immer näher, nur unterbrochen von dem einen oder anderen privaten Problemchen. Mein persönlicher Liebling unter den vieren war übrigens Joyce, deren herzliche Art sich auch in ihren Erzählungen widerspiegelt. Doch auch die eine oder andere wichtige Nebenfigur, vom Polizisten bis zum Inhaber von Coopers Chase, kommt hin und wieder zu Wort. Durch die regelmäßigen Sprecherwechsel ist das Hörbuch ideal geeignet für zwischendurch, da man für die einzelnen Abschnitte nicht viel Zeit benötigt. Gleichzeitig gelingt auch stundenlanges Zuhören, da durch den Wechsel in Stimme und Tonfall die Aufmerksamkeit beim Hören stets erhalten bleibt. Ich selbst habe das Hörbuch eher in den Abendstunden gehört, aber ich kann mir vorstellen, dass es sich auch beim Spazierengehen oder der Hausarbeit wunderbar hören lässt.

Die Geschichte selbst fesselt dabei ebenso wie die beiden talentierten Sprecher: Durch die Vielzahl an unterschiedlichen Figuren wird die Geschichte sehr langsam und unzusammenhängend erzählt. Erst durch die Kombination aller Informationen ergibt sich am Ende ein Gesamtbild – und dies kann man als Leser nur teilweise schneller erkennen als die Figuren. Dementsprechend stellt sich auch kein Ungeduldsgefühl beim Zuhören ein. Und durch die vielen persönlichen Nebengeschichten aller Figuren ist das Erzähltempo zusätzlich sehr gemütlich. Wobei das Hörbuch mit knapp über 10 Stunden Hörzeit auch nicht unnötig lang für die erzählte Geschichte ist. Dennoch habe ich die vier Senioren und eigentlich alle Bewohner von Coopers Chase ins Herz geschlossen – und freue mich sehr, dass es mit Der Mann, der zweimal starb bereits eine veröffentlichte Fortsetzung gibt!

Fazit: Den Donnerstagsmordclub muss man einfach lieben! Schrullige Figuren mit mehr oder weniger Ermittlungstalent gelesen von zwei talentierten Sprecher*innen. Die Mordermittlung plätschert gemütlich vor sich hin und die Handlung ist unaufgeregt ohne allzu vorhersehbar zu sein. Ideal für den nächsten Urlaub.

Fun Fact 1: Bei diesem Senioren-Krimi handelt es sich um einen Cosy Crime-Roman. Warum das ein wunderbares Genre zum Abschalten ist, habe ich euch in diesem Beitrag über die Bunburry. Ein Idyll zum Sterben-Reihe bereits erzählt.

Fun Fact 2: Mein Freund fragte mich während des Hörens regelmäßig, ob ich wieder meinen Mittwochsraubüberfallclub hören würde. Das hatte sich mir so eingeprägt, dass ich zwischendurch tatsächlich länger überlegen musste, wie die Reihe nun eigentlich heißt.


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Hörbuch
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Gekürzte Lesung mit Johannes Steck und Beate Himmelstoß
Hörzeit: 10 Stunden 17 Minuten
Erschienen Mai 2021
HörbucHHamburg

Roman
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Orginal: The Thursday Murder Club
Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Roth
464 Seiten
Hardcover
Erschienen Mai 2021
List

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