"Ausgestorben um zu bleiben" von Bernhard Kegel
Rezension

Was wir alles falsch über Dinosaurier wissen, oder: Ausgestorben, um zu bleiben von Bernhard Kegel

Die Faszination für Dinosaurier ist bis heute ungebrochen – bei Kleinen wie Großen. Aber inwieweit stimmt das geläufige Bild der urzeitlichen Riesen überhaupt mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen überein? Oder sind Dinos vielleicht gerade deshalb so beliebt, weil wir uns längst unser eigenes Fantasie-Bild von ihnen gemacht haben – und von diesem gar nicht mehr weg wollen?

Ausgestorben, um zu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfahren

Der Biologe Bernhard Kegel nimmt uns in seinem unterhaltsamen Sachbuch mit auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte. Dabei liegt sein Fokus weniger auf den beliebten Urzeitriesen selbst, sondern eher auf dem Bild, das wir uns über die Jahre von diesen gemacht haben. Ganz chronologisch beginnt er dabei mit den Anfängen der Paläontologie und beschreibt zunächst wie sich die Forschung langsam entwickelte und welche Konflikte es mit der Öffentlichkeit gab. Hier ist insbesondere die Rolle der Kirche hervorzuheben, denn natürlich stimmten die ersten Schlussfolgerungen wenig mit der biblischen Erzählung der Schöpfungsgeschichte und vor allem des Erdzeitalters überein. Interessant ist, dass bereits in den Anfängen der Paläontologie Bilder die Öffentlichkeit viel stärker beeinflussten als akademische Texte und die heutigen (Falsch-)Darstellungen von Dinosauriern nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren wie frühe Abbildungen. Aber dazu später mehr.

Weitgehend chronologisch beschreibt Kegel wie Botanik und Geologie die Paläontologie über die Jahrzehnte ergänzten und stellt zugleich die Höhepunkte an spektakulären Dino-Knochenfunden vor. Dazwischen geht er immer wieder auf einzelne Themengebiete ein wie Atmung, Knochenstruktur, Fortpflanzung oder vermutliches Verhalten. Dabei erläutert er an bekannten und weniger bekannten Beispielen aus Kunst und Medien, welche Falschdarstellungen von Dinosauriern bis heute das öffentliche Bild prägen – und erklärt zugleich worauf diese falschen Darstellungen beruhen. Zum Beispiel ist für viele Dinosaurierarten, auch für den allseits bekannten T-Rex, zu erwarten, dass diese viele Kilometer täglich liefen und nicht permanent auf Beutezug waren. Um allerdings öffentliche Gelder für Forschungen zu erhalten und die Paläontologie bekannt und beliebt zu machen, stellten Zeichnungen Dinosaurier von Anfang an häufig ausschließlich in Kampfsituationen dar. Das prägt unsere Vorstellung bis heute. Am Ende schlägt Kegel den Bogen zu den Jurassic Park-Filmen, die unser öffentliches Bild von Dinosauriern endgültig festschreiben, obwohl bereits während der Dreharbeiten neueste Erkenntnisse auf Dinos mit Federn hindeuteten und man sich während der Dreharbeiten aus Gründen der Vereinfachung entschied einige Tiere wie beispielsweise die Raptoren gänzlich anders darzustellen als sie laut Wissenschaft wären. Denn was uns im Film als Raptor gezeigt wird, ist eigentlich ein Deinonychus, aber das könne ja wirklich niemand aussprechen, so die damalige Überlegung.

Ein Sachbuch nicht nur für Dino-Fans

Ich persönlich habe zwar alle Jurassic Park (und Nachfolger) Filme gesehen, würde mich jedoch nicht als allzu versessenen Dino-Fan bezeichnen. Dennoch habe ich das Buch mit Spannung gelesen. Der Mix aus Geschichte, Biologie und Kulturwissenschaft verspricht eine spannende Reise, die auch zeigt wie sich Wissenschaft über die Jahre entwickelt hat. Und nebenbei erfährt man tatsächlich ziemlich viele spannende Fakten über überholte und aktuelle Erkenntnisse und die umfassende Veränderung, die dieser Planet über die Jahrmillionen schon hinter sich hat…

Fazit: Bernhard Kegel beschreibt die Entwicklung der Paläontologie von ihren Anfängen bis heute und räumt dabei mit so manchem veralteten Dino-Wissen auf, das sich bis heute hartnäckig in Kunst und Medien hält. Ein Buch nicht nur, aber vor allem, für Dinosaurier-Fans voller Wissen, Hintergründe und Zusammenhänge. Lese- und Geschenkeempfehlung!

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