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[MF] Mutterfiguren: Von Selbstaufgabe und Stärke

Gestern saß ich mit der lieben Tina bei einem Kaffee zusammen und unterhielt mich unter anderem auch über das Bloggen (den Rest der Zeit musste sie sich leider mein Leid über meine Masterarbeit anhören, aber sie hat es tapfer ertragen!). Unter anderem kam das Gespräch auch auf die Montagsfrage, bei der ich nun schon so lange nicht mehr mitgemacht habe. Aus Neugier habe ich mir die gestrige Frage einmal angesehen und seitdem kreist sie mir im Kopf herum. Die Frage lautet:

Tolle Bücher, starke Mütter: Welche Mutter in einem Buch ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Und ich muss ehrlich sagen, dass ich mich sehr schwer damit tue eine Mutter auszuwählen, die ich als besonders stark bezeichnen würde. Ich bin an meinem Bücherregal entlanggestrichen und auf Anhieb fielen mir mehrere Bücher ein, in denen die Mutter entweder sehr unverantwortungslos ist oder einfach gar nicht mehr vorhanden. Entweder ist sie tot oder sie ist in einer Klinik oder sie hat die Familie verlassen. 

Versteht mich bitte nicht falsch, es gibt natürlich auch die Mütter, die für ihr Kind da sind. In einer Antwort zu dieser Montagsfrage (ich weiß leider nicht mehr bei wem ich es gelesen hatte) wurde beispielsweise Narzissa Malfoy genannt, weil sie versucht ihren Sohn zu beschützen und dabei auch rücksichtslos vorgeht und die Konsequenzen in Kauf nimmt. Ich selbst habe vor kurzem Superhero von Anthony McCarten gelesen. Auch dort, versucht die Mutter für ihren Sohn da zu sein und beschäftigt sich ununterbrochen mit seiner Krankheit. Warum mir solche Schilderungen nicht sonderlich stark vorkommen? Weil diese Frauen sich selbst aufgegeben haben, zugunsten ihrer Mutterrolle. Versteht mich nicht falsch, starke Mütter sind toll, aber warum dürfen sie nicht mehr als nur Mutter sein?

Als ich so über starke Frauen und nicht mehr über starke Mütter nachdachte, sprangen mir gleich viel mehr Bücher in meinem Regal ins Auge. Einige von ihnen hatten keine Kinder, daher passten sie nicht so gut. Ein Buch, was ich ebenfalls vor kurzem gelesen habe ist Der Wendekreis der Schlangen von Marie Brennan. Lady Trent, die nicht davor zurückschreckt in fremde Länder zu reisen und ihren großen Traum zu leben, ihr Leben zu leben!, kann man wohl recht einfach als starke Frau bezeichnen. Alleine: Sie ist keine starke Mutter, denn obgleich sie ihren Sohn liebt, ist er ihr doch irgendwie auch gleichgültig, seine Erziehung überlässt sie gerne anderen. Starke Frau und starke Mutter, beides gleichzeitig scheint einfach nicht zu gehen – und das finde ich sehr bedauerlich.

Da ich selbst also in meinem Regal nicht fündig geworden bin – vielleicht bin ich auch einfach blind? – gebe ich die Frage einmal leicht verändert weiter:

Welche starken Mütter in Büchern kennt ihr, die ihre Kinder unterstützen und lieben und dennoch ihre eigenen Träume leben und ihr Leben nicht für die Familie hinten angestellt haben? Ich möchte gerne mehr von solchen Frauen lesen, darum empfehlt mir gerne alles was ihr kennt!


P.S. Jetzt habe ich diesen Text fertig geschrieben und da fällt mir Frau Einstein von Marie Benedict wieder ein, ein fantastisches Buch, eine starke Frau und kämpferische und liebevolle Mutter! Absolute Leseempfehlung. Aber ich möchte mehr davon, daher veröffentliche ich diesen Text einfach trotzdem…

4 Kommentare

  • Andreas Kück - LESELUST

    Moin Jennifer!

    Das eine schließt das andere doch nicht aus: Für mich sind starke Mütter automatisch auch starke Frauen! Es klingt für mich so, als wäre es verwerflich, dass eine Frau die Mutter-Rolle für sich annimmt. Niemand würde behaupten, dass eine starke Polizistin nicht auch eine starke Frau sein kann. Warum ist die Mutter-Rolle dann so negativ besetzt? Eine Freundin von mir musste sich von ihren berufstätigen Bekannten mal anhören „Du bist ja nur Mutter!“ NUR! Hallo! Ich finde, Kinder aufzuziehen und ihnen zu ermöglichen, selbstbewusste und starke Persönlichkeiten zu werden, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die unser aller Respekt und Wertschätzung verdient. Und das gilt für die Väter gleichermaßen wie für die Mütter.

    Lieben Gruß
    Andreas

    • Jennifer

      Lieber Andreas,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Nur zur Klarstellung: Ich halte die Mutterrolle keinesfalls für verwerflich. Kinder großzuziehen verlangt einem einiges ab, da ist es ganz normal, dass man sich selbst ein wenig hinten anstellt und das kann im übrigen auch nicht jeder.
      Ich vermisse aber in Romanen tatsächlich starke Mütter, die gleichzeitig starke Frauen sind. Oftmals ist die Mutter ja nur eine Nebenfigur oder gleich ganz abwesend und dann herrscht eben oft diese Selbstaufgabe für das Kind. Das finde ich viel zu kurz gedacht. An „Frau Einstein“, welches mir zugegebenermaßen auch erst recht spät wieder einfiel, mochte ich besonders, dass Milena intelligent ist, versucht wissenschaftlich zu arbeiten – und ihre Kinder dennoch liebt und sogar bereit ist, sich von ihrem Mann zu trennen um die Kinder zu schützen!

      In den meisten Romanen sieht das aber anders aus. Da dreht sich das Leben dann nur noch um das Kind und die Mutter verkommt zur Randfigur. Ich hätte so gerne einen Roman, in dem die Mutter ein strahlendes Vorbild für das Kind ist und dennoch liebevoll erzieht und nicht abwesend ist.
      Solche Romane suche ich. In denen eben nicht nur die Mutter gezeigt wird, sondern auch die Frau!

      Ich hoffe, es wirkt nicht so, als ob ich etwas gegen Mütter hätte, das habe ich nämlich wirklich nicht! Im Gegenteil bewundere ich alle mir bekannten Mütter und weiß, dass ich noch ein paar Jahre brauchen werde, bis ich selbst stark genug bin um das selbst so gut zu schaffen…
      Viele Grüße
      Jennifer

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