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[Kolumne] Lesen im Freien. Ein Plädoyer dagegen

Es ist Sommer! Allerorten strömen die Sonnenbegeisterten zum nächstgelegenen See, zum nächsten Eisstand oder einem anderen schattigen Plätzchen. Auf anderen Blogs habe ich zahllose Lieblingsleseorte im Freien gefunden. Lesen draußen ist ja schön und gut, es birgt jedoch auch zahllose Nachteile. Diese möchte ich euch hier einmal zusammentragen. Mein Plädoyer: Lest drinnen! 😉


Licht ist nicht gut fürs Buch

Licht ist ja bekanntermaßen nicht gut fürs Buch. Die starke Sonneneinstrahlung bleicht die Tinte aus und die Seiten können vergilben. Für das arme Buch ein schmerzhafter Prozess, der leider oft unbemerkt vonstatten geht. Unsere geliebten Bücher leiden jedoch im Sommer große Qualen. Wie oft werden sie gerade von Bloggern malerisch im Gras deponiert um sommerliche Schnappschüsse zu machen. Doch auch die Nicht-Blogger unter uns tun ihren Büchern keinen Gefallen, wenn sie sie mit in den Park oder an den nächsten See nehmen und dem gefährlichen Sonnenlicht aussetzen.


Auf in den Park!

Ein derzeit allgemein ausgerufener Ausspruch! Der jedoch viele Nachteile birgt. Da wäre zuerst einmal der verlorene Zeitfaktor. Denn während ich mit dem Rad in den nächsten Park radele, könnte ich ja schon ein ganzes Kapitel in meinem aktuellen Buch lesen. Auch habe ich natürlich im Park angekommen, einige Hürden zu meistern. Da will zuerst einmal der Platz im Schatten gefunden werden. Ansonsten könnte die direkte Sonneneinstrahlung dem Buch großen Schaden zufügen. Habe ich einen schattigen Platz gefunden, so lege ich mich mit Decke (oder ohne, je nach persönlichen Vorlieben) ins Gras. Eine zuvor extra gekühlte Flasche Wasser neben mich. Die herabperlenden Tropfen Kondenswasser sehen so malerisch aus und die paar Tropfen in der Tasche werden dem Buch wohl kaum geschadet haben, oder?

Doch prompt drohen die nächsten Plagen. Diesmal weniger für’s Buch, als für den Lesenden. Denn die nächste Toilette ist weit weg (was ja bei einer Menge gekühlter Getränke nicht unerheblich ist) und beim Gang ins nächste Gebüsch wird das eigene Buch oft schmerzhaft alleine zurückgelassen und ist bösen Dieben hilflos ausgeliefert. Zurückgekommen – alles noch da – wäre ein Eis recht nett, aber der Kühlschrank ist ebenfalls noch in der Wohnung oder WG und ein Eisladen nicht in Sicht. Na gut, zumindest vor Eisflecken bleibt das Buch verschont. Die Flasche Wasser ist inzwischen warm geworden, zumindest wird es auf dem Rückweg keine Kondenswasserschäden am Buch geben.


Schöne Leseruhe

Und welch schöne Leseruhe bieten Plätze im Freien. Im Hof spielen die Kinder lautstark. Auf dem Nachbarbalkon führen die Eheleute den im Haus begonnenen Streit weiter. Im Park springen Hunde und Jogger um den ruhesuchenden Leser. Wie soll man sich da bitte konzentrieren? Wenn es einen Ort gibt, an dem sich eben nicht in Ruhe lesen lässt, so sind es der Park, der See (sowieso absurd, ein Buch mit zum Schwimmen zu nehmen) oder das Café. Ständig wird man unterbrochen, um einen herum tobt das Leben, warum also überhaupt Lesen?


Hinweis: Dieser Text enthält eine gute Portion Ironie, ist aber ansonsten gut verträglich!

8 Kommentare

  • Kessy

    Ich höre draussen fast nur noch Hörbuch.Wenn die Umgebung laut wird, drehe ich das Hörbuch einfach lauter. Und es gibt ja auch schon Kopfhörer, die die Umgebungsgräusche komplett rausfiltern.

    • Jennifer

      Liebe Kessy,
      Hörbuch höre ich auch super gerne draußen, weil ich dann meine Station beim Bahnfahren zum Beispiel nicht so schnell verpasse 😀
      Viele Grüße
      Jennifer

  • Mikka Gottstein

    Hallo,

    ich HASSE Lesen im Freien – außer, es gibt Schatten, genug zu trinken und einen bequemen Sitzplatz…

    Bei Büchern, bei denen ich nicht vorhabe, sie weiter zu verkaufen oder zu verschenken, stört es mich ehrlich gesagt gar nicht, wenn sie in der Sonne ein bisschen ausbleichen oder einen kleinen Grasfleck abkriegen, aber da ich selber nicht gerne in der prallen Sonne oder auf dem Boden sitze, passiert das eigentlich nie!

    Letzten Sommer hatte mein Mann ein Schachturnier in Dänemark und das war perfekt, denn während die Schachspieler alle drinnen an ihren Brettern grübelten, gab es drinnen und draußen genug Sitzplätze, auch im Schatten, und in der Nähe des Eingangs unbegrenzt Zugang zu Karaffen mit Eiswasser. Allerdings habe ich da tatsächlich dennoch oft mit meinen Büchern drinnen gesessen, weil es mir draußen einfach zu heiß war.

    LG,
    Mikka

    • Jennifer

      Liebe Mika,
      ich finde auch, solange man in Fluchtweite zu einem nahen „Drinnen“ ist, lässt es sich draußen eine Weile aushalten, aber stundenlanges Lesen findet bei mir immer drinnen statt 😉
      Viele Grüße
      Jennifer

    • Jennifer

      Haha, das stimmt, das Foto hab ich auf Reisen aufgenommen und hatte es gerade zur Hand 😀
      Balkon hab ich sogar und ich lese selbst viel im Park 😉
      Es sollte einfach ein ironischer Text sein 🙂
      Sonnige Grüße zurück
      Jennifer

  • Tina

    Hi Jennifer,

    ich liebe diesen Beitrag! Ironie hin oder her, du triffst den Nagel auf dem Kopf.
    Sonne fürs Buch ist nicht gut und was ich besonders störend finde, es reflektiert! Ich werde von den Buchseiten quasi geblendet, lesen adé!
    Auch der Weg in den Park und alle weiteren Zeitverschwender kenne ich eben so gut. Trotzdem lese ich gern im Park oder im Café, wenn ich wirklich mal Zeit dafür habe, denn ansonsten tut es die Couch oder das Bett (das Fenster kann ja offen stehen, ist fast genauso gut).

    Liebe Grüße
    Tina

    • Jennifer

      Liebe Tina,
      vielen lieben Dank! 🙂
      Ihn zu schreiben hat auch wirklich Spaß gemacht, vielleicht werde ich jetzt häufiger ironisch. Und ja, viele der Fakten sind nicht einmal unwahr. Ich finde, das macht die Ironie nur umso feiner, denn natürlich hält das niemanden ernsthaft vom im Park lesen ab – ich selbst bin ja in den letzten Tagen das beste Beispiel gewesen 😀

      Ich glaube, so wie man hin und wieder das Genre wechselt, so wechselt man auch mal ganz gerne den Leseort. Sonst wird es einem irgendwann langweilig 😀
      Liebe Grüße
      Jennifer

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