Was haltet ihr davon?

[Kolumne] Einsam oder gemeinsam Lesen

Lesen ist toll. Sich über Bücher auszutauschen ist noch viel toller. Seit meiner Jugend lese ich und zu gerne würde ich mich manchmal mit anderen austauschen. Mitunter klappt das sehr gut, wenn man die gleichen oder zumindest doch ähnliche Bücher gelesen hat. Manchmal kann man zumindest über das Lesen allgemein schwärmen, wenn man schon nicht die gleichen Bücher gelesen hat. Aber hin und wieder wünsche ich mir jemand, der genau mein Buch zum genau gleichen Zeitpunkt liest. Seit ich nach Leipzig gezogen bin, habe ich versucht Teil des einen oder anderen Lesekreises zu werden. Oftmals mit mäßigem Erfolg. Meist war ich es, die enttäuscht Abschied von der Idee des gemeinsamen Lesens nahm. Entweder interessierten mich die besprochenen Bücher nicht oder der Kreis entpuppte sich mehr als fröhliches Kaffeekränzchen. Manchmal hatte ich einfach keine Zeit innerhalb von zwei Wochen ein Buch für das nächste Treffen zu lesen, weil ich privat zu viel zu tun hatte, obwohl mich das Buch sehr interessiert hätte. All diese Lesekreis-Erfahrungen haben mich frustriert, denn ich wollte doch über die Bücher sprechen, die ich gelesen hatte!

Seit Anfang des Jahres jedoch habe ich das gemeinsame Lesen ganz neu für mich entdeckt: Gemeinsam mit einer langjährigen Freundin habe ich „Das weibliche Prinzip“ von Meg Wolitzer begonnen, ein Buch bei dem wir beide von Anfang an sehr großen Redebedarf hatten. Seit Januar skypen wir nun alle paar Wochen und lesen bis dahin vorher festgelegte Abschnitte, über die wir diskutieren wollen. Bewusst lesen wir das Buch dabei in mehreren Etappen und reden manchmal nur über ein oder zwei Kapitel, weil wir uns das Lesen und Reden möglichst lange bewahren möchten. Und je länger ich so mit ihr gemeinsam lese, desto stärker merke ich, wie sich mein eigenes Lesen verändert. Für die Leseabschnitte nehme ich mir bewusst Zeit. Beim Lesen markiere ich mir nicht nur viel häufiger interessante Textstellen, sondern überlege mir auch immer wieder, welche Stellen meine Freundin wohl bemerkenswert findet. Durch das gemeinsame Reden über die Textstellen prägen sich mir viel mehr Details ein, als üblicherweise.

Vor kurzem war meine Freundin in Leipzig und wir waren zusammen in der Buchhandlung. Gemeinsam haben wir unser nächstes gemeinsames Lesebuch ausgewählt. Keine einfache Wahl, wollten wir doch nicht einfach irgendein Buch lesen. Am Ende haben wir uns für ein Sachbuch entschieden und nachdem wir über den ersten Leseabschnitt gesprochen hatten, habe ich auch hier gemerkt, dass ich mir weit mehr Details gemerkt hatte als ich es sonst tue. Nun liegt der nächste Leseabschnitt vor mir und ich bin schon gespannt, wie mein Gesamturteil nach dem Lesen ausfallen wird.

Auf alle Fälle weiß ich bereits jetzt schon, dass ich mich auf viele weitere gemeinsame Bücher und Leseprojekte freue!


Welche Erfahrungen habt ihr mit Lesekreisen oder anderen Formen vom gemeinsamem Lesen? Was klappt für euch toll, was nicht so und was könnt ihr empfehlen?

7 Kommentare

  • Kerstin Cordes

    Also in Sachen Lesekreis haben ich bis jetzt noch keine Erfahrung. Aber ich habe auf der Arbeit jemanden kennen gelernt die ein grosser Fan von Die Buddenbrooks ist. Und da wird in der Pause dann natürlich ordentlich diskutiert. Die anderen Nichtlesejunkies sind dann schon immer total genervt.😁 Ich glaube,da könnte vielleicht mehr drauss werden.

  • Laura

    Liebe Jenni,
    auch ich lese derzeit nach dem gleichen Prinzip mit einer Freundin. Wir lesen und skypen und auch ich muss feststellen, dass ich sehr viel aufmerksamer und bewusster lese – eine großartige Erfahrung! Ich nenne es „Lesen mit Leipzig“ und dieses Lesetandem ist besser als jeder Buchclub. Ich möchte es nicht mehr missen. <3
    Liebste Grüße
    Laura

    • Jennifer

      Liebe Laura,
      das klingt nach einer wundervollen Erfahrung! 🙂
      Hoffentlich findet ihr noch jede Menge tollen Lesestoff und habt fantastische Gespräche
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Janna | KeJas-BlogBuch

    Huhu (=

    Ich muss sagen, Lesekreis offline hatte ich noch nie – mal hat eine Freundin oder ein Freund Ewigkeiten nach mir ein buch gelesen, aber da ist der Austausch nur oberflächlich. Dank Blog und Twitter gibt es mal immer wieder online Lesekreise, aber ich hätte gerne einen offline. Zu mindestens mit einer Person, da der Austausch nochmal intensiver und umfangreicher ist, als in Tweets oder in Kommentaren auf dem Blog. Aber meine Leute lesen entweder andere Bücher oder so langsam, dass ich durch bin, während sie noch am Anfang sind *lach

    Hab einen mukkeligen Tag!

    • Jennifer

      Liebe Jana,
      ich finde auch, dass offline lesen und quatschen nochmal was ganz anderes ist! Das mit dem zu langsam lesen hatten wir anfangs auch. Haben uns dann so geeinigt, dass wir alle zwei Wochen skypen und dann immer nur einen bestimmten Abschnitt gelesen haben – keiner liest weiter vor.
      Mit unseren Büchern geht das allerdings auch gut, weil wir uns immer etwas komplexere oder dickere Bücher aussuchen. Da hat man das auch bei kurzen Abschnitten genug zu quatschen.

      Ich drücke dir die Daumen, dass du doch noch jemand findest!
      Liebe Grüße
      Jennifer

  • Steffi

    Hey,
    einen Lesekreis offline stelle ich mir einerseits spannend, andererseits auch sehr beengend vor. Ich glaube für mich wäre das nix.
    Ich lese aber total gerne mit anderen Bloggern zusammen ein Buch. Wir tauschen uns dann über WhatsApp aus und das bringt so viel Spaß.

    Hab einen schönen Abend!

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