"Killing Zombies and Kissing you" von Magret Kindermann
Rezension

Endzeit mit Realismus – „Killing Zombies and Kissing you“ von Magret Kindermann

Eigentlich gehören Zombies nicht zu meinen Lieblingsfiguren, vor allem, da die meisten Zombie-Bücher und -filme mir allzu platt daherkommen (und ich mich für Horror so gar nicht begeistere). Magret Kindermann schafft es in ihrem Roman jedoch sich trotz Apokalypse überraschend viel Realismus zu bewahren, was mich sehr begeistert hat.

Nach der Zivilisation

Bea war krank und hat den Anfang der Zombie-Apokalypse verschlafen. In einem sicheren Haus gefüllt mit jeder Menge Vorräte verschanzt sie sich nun gegen ihre ehemaligen Nachbarn und wagt sich nur vorsichtig aus ihrem Versteck. Bis sie eines Tages feststellt, dass sie gar nicht die einzige Nicht-Infizierte in ihrer Umgebung ist. Und ziemlich schnell stellt sich heraus, dass das Leben mit den Zombies vielleicht unkomplizierter war als das Leben mit ihren Mitmenschen.

Alltag zwischen Zombies

Durch welchen abgedrehten Virus wird die Zombie-Apokalypse ausgelöst? Und wie wird die post-apokalyptische Gesellschaft strukturiert? Solche und ähnliche Fragen sind meist Dreh- und Angelpunkt jeder Zombie-Geschichte und das nicht erst seit The Walking Dead. In Killing Zombies and kissing you legt Kindermann erfrischenderweise einen ganz anderen Fokus. Statt um die großen weltumspannenden Fragen geht es bei ihr um den Alltag inmitten der Zombie-Apokalypse. Denn die Zombies, so gruselig sie auf den ersten Blick aussehen, sind erstmal einfach da. Solange man sie nicht durch Lärm, Geruch oder schnelle Bewegungen auf sich aufmerksam macht, kann man ihnen eigentlich ganz gut aus dem Weg gehen. Und das tut Bea dann auch möglichst.

Dennoch streift sie aus Langeweile durch die Stadt, sammelt ein, was ihr in der Katastrophe nützlich erscheint, und ertränkt ihre Erinnerungen in Alkohol. Erst als andere Überlebende auf sie aufmerksam werden, werden ihre Lebensgeister wieder geweckt. Und Bea muss sich die Frage stellen, ob Überleben wichtiger ist als alte Ideale. Am Ende sind die zwischenmenschlichen Konflikte dann tatsächlich die am wenigstens realistischen Darstellungen, denn diese würden nach einer wirklichen Zombie-Apokalypse wohl um einiges brutaler ausfallen. Dennoch fand ich gerade die vielen kleinen alltäglichen Szenen besonders eindrücklich, denn wer hätte sich jemals schonmal Gedanken gemacht, ob Zombies eigentlich Menstruationsblut riechen können? Oder wie religiöse Gruppen auf das Aufkommen der Zombies reagieren? Und am Ende lebt die Geschichte eben auch stark von den tiefgehenden Fragen, die sie unbeantwortet lässt.

Auch die titelgebende Liebesgeschichte ist sehr ruhig erzählt und bleibt fast ein wenig im Hintergrund. Im Kern geht es eben eher um die Erzählung zwischenmenschlicher Beziehungen und diese müssen nicht per se romantischer oder sexueller Natur sein. Gerade hier liegt meiner Meinung nach die Stärke des Romans, der meiner Meinung nach sogar gänzlich ohne Liebesgeschichte ausgekommen wäre. Aber geschadet hat sie eben auch nicht…

Fazit: Endlich mal ein realistischer Roman über den Alltag nach der großen Zombie-Apokalypse. Unterhält weniger durch Grusel als vielmehr durch das Setting und die Erzählung zwischenmenschlicher Probleme. Geeignet auch für Angsthasen wie mich.

Weitere Meinungen:

Mari von Crow and Kraken war über so viel Realismus ebenfalls ganz begeistert, wie ihre Rezension verrät.


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Killing Zombies and Kissing you von Magret Kindermann
288 Seiten
Taschenbuch
Erschienen im August 2019
Gedankenreich Verlag

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